Enkeltrick und Internetkriminalität Viele Fälle von Whatsapp-Betrug – das LKA erklärt, wie man sich schützt

Betrugsversuche per Messenger-Dienste wie Whatsapp nehmen zu. Die angezeigten Taten seien nur die Spitze des Eisberges, heißt es aus dem Landeskriminalamt. Vor allem ältere Menschen sollten davor gezielt angesprochen und gewarnt werden. Bei jeder Geldforderung, bei Whatsapp oder am Telefon sollte man misstrauisch sein, rät die Polizei.

WhatsApp-Icon auf einem auf einem iPhone.
In Sachsen-Anhalt sind im ersten Quartal 2022 bereits etwa 200 Fälle von Whatsapp-Betrug angezeigt worden. Bildrechte: imago/xim.gs

Jeder Vierte in Deutschland ist laut Digitalbarometer 2021 schon einmal Opfer von Kriminalität im Internet geworden. Darunter waren auch Betrugsfälle über Messenger-Dienste.

Im ersten Quartal 2022 sind schon etwa 200 Taten angezeigt worden, bei denen sich Betrüger über Whatsapp und Co. Geld erschlichen haben, sagt Michael Klocke vom Landeskriminalamt im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Die einzelnen Schadenssummen würden sich auf 500 bis 7.000 Euro je Delikt belaufen. Insgesamt gehe man gegenwärtig von einer Schadenssumme in Höhe von mehr als 100.000 Euro aus.

Die Zahlen haben sich in diesem Jahr exorbitant entwickelt. Dazu kommt: Gerade bei diesem Betrugsphänomen lässt sich eine hohe Dunkelziffer vermuten. Wir gehen davon aus, dass wesentlich mehr Personen davon betroffen sind und die angezeigten 200 Taten nur die Spitze des Eisberges sind.

Michael Klocke Landeskriminalamt

Dabei versuchen die Täter auf ganz unterschiedliche Weise ihre Opfer übers Ohr zu hauen. In Wolmirstedt hat am vergangenen Wochenende eine ältere Frau 4.000 Euro an Betrüger überwiesen, weil sich dachte, über WhatsApp mit ihrer Tochter zu chatten. Erst am Montag hatte eine Frau aus dem Unstrut-Hainich-Kreis 4.000 Euro an Betrüger verloren. Die Täter hatten sie über WhatsApp angeschrieben und eine Notsituation ihres Kindes vorgetäuscht.

Nicht immer erfolgt die Kontaktaufnahme über einen Messenger-Dienst: In Langenborgen bei Halle ist am Mittwoche eine 81 Jahre alten Frau angerufen worden. Die Betrüger gaben sich dabei als Polizisten aus. Die vermeintlichen Beamten behaupteten, dass der Enkel einen Verkehrsunfall verursacht hat und nun eine Kaution von 20.000 Euro zu zahlen sei. Die Frau begab sich sofort zur Bank, hat das Geld abgehoben und an eine ihr unbekannte Frau übergeben.

Ganz besonders vorsichtig sollte ich bei Geldforderungen sein. In meiner Familie ist es nicht üblich, dass man sich mehrere Tausend Euro über Whatsapp borgt und ich denke, bei den meisten Bürgerinnen und Bürgern wird es auch nicht anders sein. Insofern sollten dann schon alle Alarmglocken läuten.

Michael Klocke Landeskriminalamt

Polizei gibt Tipps zum Schutz

Deshalb raten die Mitarbeiter vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt, niemals Geld an Familienmitglieder oder Freunde überweisen, auch wenn diese sich per Whatsapp melden und vorgeben, in finanzieller Not zu sein. Misstrauisch sollte man immer sein, wenn kein persönliches Gespräch mit der anfragenden Person vorausgegangen ist. Außerdem sollte sie sich zweifelsfrei identifiziert haben. Dabei reiche es nicht, sich "allein auf die vermeintlich bekannte Stimme" zu verlassen. "Ich würde denjenigen, der vorgibt Geld zu brauchen, immer anrufen, ansprechen und nachfragen, warum brauchst du das Geld", sagt Klocke vom LKA.

Die Polizei rät... ...ältere Menschen im Freundes- oder Bekanntenkreis über Betrugsmaschen per Whatsapp zu informieren, damit sie vorgewarnt sind.

Außerdem warnt die Polizei davor Geldbeträge in jeglicher Höhe auf fremde Konten zu überweisen oder unbekannten Personen zu übergeben.

Besser sei im Notfall zunächst immer mit den Angehörigen sprechen und nachfragen, ob und wofür sie wirklich Geld brauchen.

In jedem Fall sollte bei der Polizei eine Anzeige erstattet werden.

Derartige Betrugsmaschen richten sich besonders an ältere Menschen. Der sogenannte "Enkeltrick" findet heute nicht mehr nur am Telefon oder vor der Haustür statt, sondern auch in Messenger-Diensten. Durch das Melden verdächtiger Accounts werden über das System von Whatsapp zur Erkennung von Betrugsmaschen mittlerweile mehr als 100.000 Accounts pro Monat gesperrt, erläutert Klocke. Inzwischen seien auch nicht mehr nur ältere Menschen betroffen, da viele Gespräche mittlerweile über Messenger-Dienste führten, sei diese Art von Betrug zu einem generationenübergreifenden Problem geworden.

  • Check Deinen Code: Teile niemals den sechsstelligen Code zur Verifizierung Deines Accounts, den Du bei Deiner Registrierung per SMS erhalten hast.
  • Check Deine PIN: Richte eine persönliche PIN für Deinen Account ein, auch bekannt als Verifizierung in zwei Schritten.
  • Check Dein Bild: Schütze Dein Profilbild, damit es nur Deine Kontakte sehen können.
  • Check Deinen Kontakt: Wenn vermeintliche Kontakte Dich um einen Gefallen bitten, zum Beispiel um Geld oder andere finanzielle Leistungen, überprüfe ihre Identität, indem Du um eine Sprachnachricht bittest oder einfach anrufst.

Wer von einer Abzocke per Messenger erfährt oder selbst Opfer geworden ist, sollten die Tat unbedingt bei der Polizei anzeigen, rät Michael Klocke vom Landeskriminalamt. "Wir sammeln die Details und auch digitale Spuren, um den Tätern habhaft zu werden."

MDR (Hannes Leonard)

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