Kirche zu Missbrauchsstudie: "Wir haben versagt" Sieben Priester im Bistum Magdeburg beschuldigt

Eine Studie dokumentiert das Ausmaß der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Auch im Raum des Bistums Magdeburg hat es sexuelle Übergriffe gegeben. Sieben Priester und ein Seelsorger werden des Missbrauchs beschuldigt. Deutschlandweit sind 3.600 Kinder und Jugendliche betroffen und 1.670 Kirchenmitarbeiter verdächtigt.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche vorgelegt. Darin heißt es, dass zwischen 1946 und 2014 deutschlandweit mehr als 3.600 Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch wurden. Gegen 1.670 Priester, Diakone und Ordenspriester seien Beschuldigungen dokumentiert worden. Das Dunkelfeld sei aber vermutlich viel größer, so die Studie.

Machtstrukturen, die Missbrauch begünstigen

Die Forscher bescheinigen der katholischen Kirche "klerikale Machtstrukturen", die bis heute sexuellen Missbrauch begünstigten. Als Motiv für die Täter vermuten sie ein "komplexes Zusammenspiel" von sexueller Unreife und verleugneten homosexuellen Neigungen in einer teils offen homophoben Umgebung. Die Opfer waren zum überwiegenden Teil Jungen. All das unterscheide Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche von Missbrauch in anderen Bereichen.

Missbrauch auch im Bistum Magdeburg

Im Raum des Bistums Magdeburg werden zwischen 1953 und 1991 Fälle des sexuellen Missbrauchs dokumentiert.

Acht Kirchenmitarbeiter sind des Missbrauchs beschuldigt, 18 Betroffene hätten sich gemeldet. Als Beschuldigte seien sieben Gemeindepfarrer und ein Krankenhausseelsorger ausgemacht. Fünf der Beschuldigten seien bereits gestorben, bei den drei verbliebenen seien neben strafrechtlichen Schritten auch kirchenrechtliche Schritte eingeleitet worden.

Nicht in die Studie eingeflossen seien drei Fälle von Kinder- und Jugendpornographie. Diese Straftaten geschahen zwischen 2005 und 2017.

Magdeburger Bischof Feige: "Wir sind voller Scham"

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige sagte, es sei erschütternd, was sich in den eigenen Reihen abgespielt habe. "Offensichtlich haben nicht nur Einzelne versagt, sondern die kirchlichen Rahmenbedingungen dies sogar begünstigt. Großes Unheil ist da angerichtet worden. Wir sind voller Scham und bitten die Opfer um Vergebung."

Auch der Generalvikar des Bistums, Bernhard Scholz, betonte: "Wir haben zu lange weggeschaut und geleugnet. Wir haben den Opfern zu wenig zugehört. Wir haben versagt." Ihn habe erschreckt, in welchem Ausmaß die Missbrauchsfälle dokumentiert worden seien. Gleiches gelte für die Strategien, die zu einer Vertuschung der Taten geführt hätten, sagte Scholz MDR SACHSEN-ANHALT. "Prozesse müssen geprüft, Änderungen eingeleitet und Machtstrukturen aufgebrochen werden", so Scholz.

Die Studie trägt den Titel "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" und wurde von Forschern der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen erstellt und von der deutschen Bischofskonferenz beauftragt.

Kardinal Marx: "Weggeschaut, vertuscht, geleugnet"

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach bei der Präsentation in Fulda von einem "Wendepunkt". "Allzu lange haben wir in der Kirche weggeschaut, vertuscht, geleugnet, wollten es nicht wahrhaben", sagte der Münchener Erzbischof.

Die Studie hatte gezeigt, dass relevante Akten teilweise nicht vorhanden gewesen seien und Missbrauchshinweisen oft nicht im Rahmen kirchenrechtlicher Verfahren nachgegangen worden sei. "Verbesserungsbedürftig" nennen das die Forscher in ihrer Zusammenfassung.

Marx kündigte Konsequenzen an, in erster Linie ein Zugehen auf die Opfer. Zu lange habe man um der Institution willen und zum Schutz von Bischöfen und Priestern weggeschaut, sagte er. Auch vor der kirchlichen Sexuallehre will er nicht haltmachen. Zwar habe die Studie gezeigt, dass Zölibat und Homosexualität nicht allein für den Missbrauch verantwortlich gemacht werden könnten. Aber sie seien Teil des Zusammenspiels. "Das müssen wir angehen, darüber brauchen wir eine Diskussion", betonte Marx.

Quelle: MDR,kna,epd/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. September 2018 | 19:00 Uhr

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