Jahresbilanz der Mobilen Opferberatung 2020 Rechte Gewalt in Sachsen-Anhalt unverändert häufig

Die Anzahl von rechtsmotivierten Gewalttaten in Sachsen-Anhalt bleibt unverändert hoch, besonders in den beiden großen Städte Magdeburg und Halle. Aber auch die Bewegung der Coronaleugner trägt laut mobiler Opferberatung ihren Teil zu den hohen Zahlen bei.

Zerbrochene Brille auf Straßenpflaster
Besonders in Halle und Magdeburg kam es 2020 zu rechten Gewalttaten. Bildrechte: imago images / photothek

Die Anzahl von rechtsmotivierten Gewalttaten in Sachsen-Anhalt bleibt unverändert hoch. Das geht aus der Jahresbilanz der Mobilen Opferberatung hervor. Im vergangenen Jahr wurden demnach 155 Gewalttaten gezählt. Das sind zwei Fälle mehr als im Jahr 2019 – trotz Social Distancing während der Corona-Pandemie. Insgesamt waren 219 Personen von rechter Gewalt betroffen.

Etwa zwei Drittel der rechtsmotivierten Straftaten sei rassistisch motiviert. Davon betroffen waren laut Opferberatung auch 16 Kinder und 19 Jugendliche.

Coronaleugner sind Katalysatoren

Außerdem wurde mit 30 Angriffen und 48 direkt Betroffenen ein leichter Anstieg rechter Gewalt gegen politische Gegner und Gegnerinnen verzeichnet. Acht Gewalttaten wurden im Zusammenhang mit politischen Aktionen von Coronaleugnern dokumentiert.

Die Bewegung der Coronaleugner in Sachsen-Anhalt wirkt laut Antje Arndt von der Mobilen Opferberatung als Katalysator für antisemitische Verschwörungsideologien, Shoa-Relativierung, antidemokratische Bestrebungen und rechte Gewalt.

Mobile Opferberatung

Die Mobile Opferberatung ist eine Fachberatungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Trägerschaft von 'Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.' Ihre Arbeit wird aktuell über das Bundesprogramm 'Demokratie leben!' sowie das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt finanziert.

Städte Hotspots rechter Gewalt

Mit 44 registrierten Fällen wurden in Halle sowohl gemessen an den Einwohnern, als auch in absoluten Zahlen die meisten rechten Gewalttaten dokumentiert – gefolgt von Magdeburg (40) und Anhalt-Bitterfeld (11).

In der Landeshauptstadt gab es mit einem Anstieg von über 40 Prozent die größte Steigerung im Vergleich zum Jahr 2019. Im Salzlandkreis dagegen wurde 2020 nur eine rechte Gewalttat von der Mobilen Opferberatung registriert.

Kritik am Innenministerium

In ihrer Bilanz kritisiert die Opferberatung auch das Innenministerium Sachsen-Anhalts. So wertete die Opferberatung den Angriff auf einen 21-jährigen Geflüchteten am 1. Mai 2020, bei dem der Betroffene lebensgefährlich verletzt wurde, als rassistische Tat.

"Obwohl der gleichaltrige syrischer Freund des Hauptbetroffenen, der bei dem Angriff auch verletzt wurde, die Beamten über rassistische und schwulenfeindliche Beleidigungen informierte, stellte die Polizei die Tat öffentlich lediglich als 'tätliche Auseinandersetzung' zwischen Jugendgruppen dar."

Die Versprechen von konsequenter Strafverfolgung mit allen rechtsstaatlichen Mitteln sehen wir in unserer Bilanz nicht umgesetzt.

Antje Arndt, Mobile Opferberatung

Auch die Linke kritisiert die Einschätzung des Vorfalls im Mai. Das Justizministerium müsse endlich die notwendigen Schritte unternehmen, um den seit Jahren andauernden Schutz rechter Täter durch Versagen bei der Strafverfolgung im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Halle zu beenden. "Dass hier selbst ein rechter Mordversuch nicht als solcher erkannt wird, ist erschütternd."

Quelle: MDR/Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT heute | 15. April 2021 | 19:00 Uhr

58 Kommentare

Britta.Weber vor 4 Wochen

Warum agiert die mobile Opferberatung für Opfer ALLER Straftaten? Gibt es Opfer erster Klasse und solche zweiter Klasse? Die Angehörigen der Breitscheid-Opfer haben kaum Unbterstützungen oder Hilfen erfahten.

Britta.Weber vor 4 Wochen

mich würde interessieren, ob diue Mobile Opferberatung auch den Vater des getötenen Marcus Hempel aus Köthen beraten und geholfen hat und wie diese Tat gezählt wurde.

AlexLeipzig vor 4 Wochen

Aha lieber Sz Rentner, viele Straftaten wiegen weniger schwer, wenn es noch eine andere Straftat aus einem anderen Motiv gibt. Oder gibt's dann "Mengenrabatt"?? Eine Prämie oder Quote für rechte Gewalt?? Ihre Logik kann ich nicht verstehen, es sei denn, Sie wollen verharmlosen. Anders kann ich Sie nicht verstehen!

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