Kurzarbeit und Online-Kurse Pandemie bremst teils Meisterkurse im Handwerk

Die Zahl der Meisterabsolventen im Handwerk geht seit Jahren zurück. Im Norden Sachsen-Anhalt wurde 2020 ein neuer Tiefstand erreicht: Dort schlossen so wenige Handwerker wie nie ihre Meisterausbildung ab. Die Entwicklung bereitet der Branche Sorgen.

Meisterabsolventen halten bei einer Feier 2014 Meisterbriefe
79 Handwerkerinnen und Handwerker aus dem nördlichen Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr ihren Meisterbrief erhalten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Im Norden Sachsen-Anhalts haben im vergangenen Jahr so wenige Handwerker ihre Meisterausbildung abgeschlossen wie nie. Die Handwerkskammer Magdeburg teilte mit, dass die Zahl der Meisterkursabsolventinnen und -absolventen seit Jahren ständig zurückginge. "2020 haben wir einen neuen Tiefstand erreicht. Dieser Trend wurde durch die Pandemie noch verstärkt“, so die Handwerkskammer Magdeburg. Demnach haben 79 Handwerkerinnen und Handwerker ihren Meisterbrief erhalten. Im Jahr 2000 habe es noch 397 Meisterabsolventen gegeben, 2010 dann 273.

Die Handwerkskammer Halle berichtete von 150 Meisterabsolventen im vergangenen Jahr. Das entspreche einem gleichbleibenden Niveau.

Zusätzliche Belastung durch Online-Kurse und Kurzarbeit

Laut dem südlichen Kammerbezirk ist eine negative Auswirkung der Corona-Pandemie nicht erkennbar. Das liege daran, dass die Meisterkurse weitgehend im Präsenz- oder Onlineunterricht durchgeführt oder verschoben wurden, aber nicht ausgefallen seien. Im südlichen Kammerbezirk hatte es 2018 und 2019 jeweils rund 140 Meisterabschlüsse gegeben. Im Vergleich der zurückliegenden zehn Jahre wurden 2014 die meisten Abschlüsse absolviert. Damals waren es 265.

Die Handwerkskammer Magdeburg macht für den Negativtrend neben Corona auch die demografische Entwicklung und den Trend hin zur Akademisierung verantwortlich. Während der Pandemie hätten Kurzarbeit und die Schließung des Berufsbildungszentrums, der Wechsel in den Digitalunterricht sowie persönliche Herausforderungen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Meisterausbildung zusätzlich stark eingeschränkt.

Rückläufige Meisterzahlen bereiten Sorgen

Die Entwicklung in den einzelnen Gewerken ist dabei unterschiedlich. Die Handwerkskammer Magdeburg verzeichnete bei den Maurern und Betonbauern sowie den Installateuren und Heizungsbauern einen Anstieg bei den Meisterausbildungen. Einen Rückgang habe es bei den Tischlern, den Malern und Lackierern gegeben. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, erklärt, dass der Rückgang in den Meisterzahlen dem Handwerk große Sorgen mache.

Ein weiterer Rückgang der Absolventenzahlen kann zu dramatischen Entwicklungen am Arbeitsmarkt und bei der Unternehmensnachfolge führen.

Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Magdeburg

Die Handwerkskammer Halle verzeichnete einen Rückgang der Absolventenzahlen unter anderem im Bau- und Ausbauhandwerk, im Holzhandwerk und in Gesundheits- und Körperpflegeberufen. In der Baubranche schlage die gute Konjunktur durch, Firmen und Mitarbeiter seien so stark ausgelastet, dass wenig Zeit für die Meisterschule bleibe. Einen ständigen Zuwachs verzeichne die Kammer vor allem im Elektrotechnikerhandwerk und im Kfz-Technikerhandwerk.

Betrieben fehlt der Nachwuchs

Beide Kammern fordern eine Fortsetzung der Meistergründungsprämie durch das Land, die zur Jahresmitte ausgelaufen war. "Außerdem brauchen wir einen Meisterbonus wie etwa in Niedersachsen, der nach dem erfolgreichen Abschluss der Meisterausbildung gezahlt wird“, sagte Grupe. Grundsätzlich müssten die berufliche Bildung und die berufliche Fort- und Weiterbildung als attraktive Karriere-Alternative aufgewertet werden.

Aus Sicht des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer Halle, Dirk Neumann, geht es um "das Überleben eines ganzen Berufsstandes“. Von den 13.383 Mitgliedsbetrieben der Kammer gehören 9.961 zu den meisterpflichtigen Betrieben. Nach Angaben von Neumann entspricht deren Altersstruktur dem Altersdurchschnitt der Bevölkerung. "Das heißt, dass rund ein Drittel der Meister oder betriebsleitenden Personen die 50, ein Viertel sogar die 60 überschritten hat und mittelfristig Nachfolger sucht“, so Neumann. Zugleich kämen zu wenige junge Menschen als Auszubildende im Handwerk an, weil der Trend Richtung Studium gehe.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Juli 2021 | 15:00 Uhr

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