9-Euro-Ticket Verkehrsministerin: ÖPNV starker Nachfrage nicht gewachsen

Bei einer ersten Bilanz des 9-Euro-Tickets in Sachsen-Anhalt hat Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) gesagt, der ÖPNV sei für einen spürbaren Passagieranstieg nicht gerüstet. Am Pfingstwochenende waren Züge wegen Überfüllung geräumt worden. Die Beschaffung zusätzlicher Züge ist laut Ministerin nicht überall möglich.

Reisende auf Bahnsteig in Naumburg
Viele Menschen waren zur Weinmeile-Veranstaltung mit dem Zug in Naumburg angereist. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Laut Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) zeigt das 9-Euro-Ticket, dass die Infrastruktur des ÖPNV einem spürbaren Passagieranstieg nicht gewachsen ist. Es habe zu wenig Investitionen in den vergangenen Jahren gegeben. Sie sagte unter anderem, dass die Strecken in Sachsen-Anhalt mehr Züge bräuchten.

Hüskens: Beschaffung zusätzlicher Züge nicht überall möglich

Die Überlastung der Züge am Pfingstwochenende bezeichnete sie als erwartbar und verwies auch auf die größeren Veranstaltungen wie das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, das Sputnik-Spring-Break-Festival auf der Halbinsel Pouch sowie die Saale-Weinmeile. Die Beschaffung zusätzlicher Züge sei nicht überall möglich.

Zu Hüskens erster Bilanz nach knapp einer Woche 9-Euro-Ticket gehörte auch der Hinweis, dass das Ticket eigentlich Pendler entlasten soll, es aber viele Menschen Reize, es zusätzlich zu nutzen, also für Urlaub und Ausflüge. Das sei auch wichtig, vor allem aber müsse der ÖPNV alltagstauglich werden.

Hüskens hatte vor dem Start des 9-Euro-Tickets kritisiert, es starte zu spät, nämlich zum Zeitpunkt der Sommerferien. Sie hatte gefordert, dass das Ticket bereits im Mai umzusetzen.

Lydia Hüskens, Vorsitzende der FDP Sachsen-Anhalt, steht am Eingang eines Bürogebäudes.
Sachsen-Anhalts Digital- und Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP). Bildrechte: dpa

Linke fordert Verlängerung und ÖPNV-Ausbau

Die Linke im Landtag hatte am Montag bereits eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets gefordert, mindestens bis zum Ende des Jahres. Nur dann sei eine wirkliche Auswertung möglich. Fraktionsvorsitzende Eva von Angern hatte gesagt, Bus und Bahn müssten dauerhaft günstig sein. Die Befristung auf drei Monate hatte sie als halbherzig bezeichnet. Sie hält zudem ein massives Investitionsprogramm in den ÖPNV in Sachsen-Anhalt für notwendig.

Lydia Hüskens sagte mit Blick auf eine mögliche Verlängerung der Testphase: "Wie immer liegt es auch da am Geld." Zunächst solle das 9-Euro-Ticket einige Fragen beantworten, etwa wie hoch die Nachfrage im ÖPNV ist, wenn er fast nichts mehr kostet. Sie verwies zudem auf ein geplantes Modellprojekt "365-Tage-Ticket".

Pfingstwochenende und 9-Euro-Ticket hatten teilweise für Überlastung gesorgt

Seit Anfang Juni können alle Menschen in Deutschland für neun Euro pro Monat fast alle Verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs nutzen, darunter Regionalbahnen, Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen. Zum Teil können sogar touristische Bahnen, wie die Harzer Schmalspurbahnen, genutzt werden. Das Ticket wird auch im Juli und August noch für je neun Euro verfügbar sein.

Am Pfingstwochenende hatte es bereits eine große Reisewelle mit regionalen Zügen gegeben. In Sachsen-Anhalt waren deshalb auch zahlreiche Regionalbahnen wegen Überfüllung geräumt worden.

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MDR (Julia Heundorf),dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Juni 2022 | 14:30 Uhr

10 Kommentare

Dab vor 16 Wochen

Moin.Leider hat Sachsen-Anhalt die meisten Bahnstrecken stillgelegt und dadurch auch Entwidmet (Strecken konnten demontiert und die Anlagen verkauft werden)In Sachsen-Anhalt gibt es auch viele Eingleisige Strecken,wo auch sehr viele Bahnhöfe zurückgebaut wurden.Daher auch das charmante Chaos,die Züge wurden aus Wirtschaftlichen Gründen immer Kürzer und auch weniger.Bei des Ausschreibungen für den Nahverkehr werden für ein Preisgünstiges Angebot,die Personal-,Fahrzeuginstandhaltungskosten,etc. nicht mit Angegeben.Der/die Gewinner bestellen danach Ihre Züge bei den Herstellern (Fahrzeugleasing).Die ehemalige Staatsbahn wurde von der Politik gegen die Wand gefahren (es gab immer eine Reserve,für Zeiten der hohen Nachfrage).Die Bundesländer und ihre klammen Kassen haben für den ÖPVN und SPVN kaum noch Geld.Wie soll dort noch Spielraum sein?Der Neu- und Ausbau von Bahnstrecken ist in den letzten 20 Jahren zugunsten der Straße aufgeschoben...Danke liebe Parteien und auch Euren Sponsoren

Bernd_wb vor 16 Wochen

Auch wenn das 9 Euro Ticket eher fuer Pendler ist, wobei fuer mich ginge es nur wenn ich das Fahrrad mitnehmen kann um an den Bahnhoefen weiterzukommen. Aber man sollte bei der Verkehrswende auch an Ausfluegler und Urlauber denken. Hier das gute Man ist bereit die Bahn zu nutzen wenn es preislich passt, die schlechte die Bahn kann hier zu wenig anbieten, es fehlen Strecken, Fahrzeuge und Personal.

kleiner.klaus77 vor 16 Wochen

Probleme bei den Fahrgastkapazítäten der Züge gibt es auch schon vor dem 9 Euro Ticket, insbesondere wenn wie zum Beispiel bei der Abellio Mitteldeutschland oder der Mitteldeutschen Regiobahn die Züge ganz ausfallen oder mit vermindertem Platzangebot fahren.
Ursache dafür ist die Bahnprivatisierung, die den Eisenbahnnahverkehr auf die Bundesländer übertrug, der permanent unterfinanziert ist, an Bahngesellschaften übertragen wird, die den Bahnverkehr nicht leisten können oder wollen und die Zugkapazitäten nicht nach dem tatsächlichem Bedarf bestellt werden.

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