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9-Euro-TicketVerkehrsministerin: ÖPNV starker Nachfrage nicht gewachsen

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 07. Juni 2022, 15:35 Uhr

Bei einer ersten Bilanz des 9-Euro-Tickets in Sachsen-Anhalt hat Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) gesagt, der ÖPNV sei für einen spürbaren Passagieranstieg nicht gerüstet. Am Pfingstwochenende waren Züge wegen Überfüllung geräumt worden. Die Beschaffung zusätzlicher Züge ist laut Ministerin nicht überall möglich.

Laut Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) zeigt das 9-Euro-Ticket, dass die Infrastruktur des ÖPNV einem spürbaren Passagieranstieg nicht gewachsen ist. Es habe zu wenig Investitionen in den vergangenen Jahren gegeben. Sie sagte unter anderem, dass die Strecken in Sachsen-Anhalt mehr Züge bräuchten.

Hüskens: Beschaffung zusätzlicher Züge nicht überall möglich

Die Überlastung der Züge am Pfingstwochenende bezeichnete sie als erwartbar und verwies auch auf die größeren Veranstaltungen wie das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, das Sputnik-Spring-Break-Festival auf der Halbinsel Pouch sowie die Saale-Weinmeile. Die Beschaffung zusätzlicher Züge sei nicht überall möglich.

Zu Hüskens erster Bilanz nach knapp einer Woche 9-Euro-Ticket gehörte auch der Hinweis, dass das Ticket eigentlich Pendler entlasten soll, es aber viele Menschen Reize, es zusätzlich zu nutzen, also für Urlaub und Ausflüge. Das sei auch wichtig, vor allem aber müsse der ÖPNV alltagstauglich werden.

Hüskens hatte vor dem Start des 9-Euro-Tickets kritisiert, es starte zu spät, nämlich zum Zeitpunkt der Sommerferien. Sie hatte gefordert, dass das Ticket bereits im Mai umzusetzen.

Sachsen-Anhalts Digital- und Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP). Bildrechte: dpa

Linke fordert Verlängerung und ÖPNV-Ausbau

Die Linke im Landtag hatte am Montag bereits eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets gefordert, mindestens bis zum Ende des Jahres. Nur dann sei eine wirkliche Auswertung möglich. Fraktionsvorsitzende Eva von Angern hatte gesagt, Bus und Bahn müssten dauerhaft günstig sein. Die Befristung auf drei Monate hatte sie als halbherzig bezeichnet. Sie hält zudem ein massives Investitionsprogramm in den ÖPNV in Sachsen-Anhalt für notwendig.

Lydia Hüskens sagte mit Blick auf eine mögliche Verlängerung der Testphase: "Wie immer liegt es auch da am Geld." Zunächst solle das 9-Euro-Ticket einige Fragen beantworten, etwa wie hoch die Nachfrage im ÖPNV ist, wenn er fast nichts mehr kostet. Sie verwies zudem auf ein geplantes Modellprojekt "365-Tage-Ticket".

Pfingstwochenende und 9-Euro-Ticket hatten teilweise für Überlastung gesorgt

Seit Anfang Juni können alle Menschen in Deutschland für neun Euro pro Monat fast alle Verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs nutzen, darunter Regionalbahnen, Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen. Zum Teil können sogar touristische Bahnen, wie die Harzer Schmalspurbahnen, genutzt werden. Das Ticket wird auch im Juli und August noch für je neun Euro verfügbar sein.

Am Pfingstwochenende hatte es bereits eine große Reisewelle mit regionalen Zügen gegeben. In Sachsen-Anhalt waren deshalb auch zahlreiche Regionalbahnen wegen Überfüllung geräumt worden.

MDR (Julia Heundorf),dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Juni 2022 | 14:30 Uhr

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