Einhaltung der Hilfsfristen Rettungsdienste in Sachsen-Anhalt sind teilweise zu langsam – so ist die Lage in Ihrer Region

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Notarzt und Rettungsdienste in Sachsen-Anhalt waren auch im vergangenen Jahr nicht immer schnell genug am Einsatzort. Bislang unveröffentlichte Zahlen, die dem MDR vorliegen, zeigen die Situation in Ihrer Region.

Rettungswagen im Einsatz
Je nach Region kann es unterschiedlich lange dauern bis der Rettungsdienst am Einsatzort eintrifft. Bildrechte: dpa

Bei einem medizinischen Notfall kann jede Minute über Leben und Tod entscheiden. Alarmierte Rettungs- oder Notarztwagen in Sachsen-Anhalt sollen daher laut Gesetz "unter gewöhnlichen Bedingungen" innerhalb festgelegter Zeiträume am Einsatzort eintreffen.

12 Minuten beträgt diese sogenannte Hilfsfrist – die Zeit vom Eingang der Notfallmeldung bis zum Eintreffen der ersten Rettungskräfte – bei Rettungswagen (RTW). Diese soll in 95 Prozent aller Fälle eingehalten werden. Bei Notarzt bzw. Notärztin beträgt der Zeitraum 20 Minuten.

Im Jahr 2020 wurden diese Richtwerte überwiegend nicht erreicht. Das geht aus Daten einer bislang unveröffentlichten Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage von Rüdiger Erben (SPD) im Landtag hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt:

Mit durchschnittlich über 98 Prozent liegt die Fristeinhaltung bei den Notärzten in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt am höchsten. Schlusslicht in dieser Kategorie ist der Landkreis Wittenberg mit rund 85,7 Prozent. Bei den Rettungswagen lag im vergangenen Jahr keine Region über dem Richtwert von 95 Prozent – die Werte lagen zwischen 73,85 Prozent (Jerichower Land) und 89,36 Prozent (Magdeburg).

Bei allen Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte, die nicht weiter im Detail aufgeschlüsselt sind. Es besteht daher die Möglichkeit, dass Einsätze mit niedriger Priorität und entsprechender längerer Eintreffzeit das Gesamtergebnis beeinflussen können.

Kommunen für Einhaltung der Hilfsfristen verantwortlich

Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, hat die Anfrage zu den Hilfsfristen zum wiederholten Male im Landtag gestellt. Für ihn geht das Nicht-Einhalten der Hilfsfristen vor allem auf strukturelle Probleme zurück:

Rüdiger Erben, SPD
Rüdiger Erben im Landtag von Sachsen-Anhalt Bildrechte: dpa

Leider bestätigen auch die Zahlen für 2020 den Trend, dass Sachsen-Anhalt bei der Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist für den RTW auf der Stelle tritt. Verantwortlich dafür sind nicht etwa die Besatzungen der RTW, vielmehr ist das Netz der Rettungswachen und die Zahl der dort stationierten RTW zu klein. Das muss sich ändern und die Krankenkassen müssen aufhören, hier den Landkreisen Steine in den Weg zu legen.

Rüdiger Erben, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion

Erben verweist dabei auf einen Fall aus dem Burgendlandkreis, wo trotz gutachterlichem Nachweis ein Rettungswagen nicht rund um die Uhr besetzt werden kann, weil Krankenkassen dies aus Kostengründen ablehnen.

In Sachsen-Anhalt fällt der Rettungsdienst in den Kompetenzbereich des Innenministeriums. Ein Ministeriumssprecher teilt MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass es entgegen der verbreiteten Annahme keine konkrete Hilfsfrist gebe, innerhalb derer ein Rettungsmittel am Einsatzort sein muss. Die Hilfsfrist sei vielmehr eine Planungsvorgabe für die Träger des Rettungsdienstes, die die Standorte der Rettungsmittel so zu bestimmen haben, dass unter gewöhnlichen Bedingungen die Hilfsfrist eingehalten werden.

Zudem weist das Innenministerium darauf hin, dass die Landkreise und kreisfreien Städte für Organisation und Finanzierung der Rettungsdienste zuständig. Zeichnet sich in ihrem Wirkungskreis beispielsweise ab, dass in einem bestimmten Gebiet die Hilfsfristen nicht mehr erfüllt werden können, muss mit dem jeweiligen Leistungserbringer – beispielsweise Johanniter, Malteser oder Deutsches Rotes Kreuz – über Verbesserungsmaßnahmen beraten werden.

Wie sich die Situation in Ihrer Region in den vergangenen Jahren entwickelt hat, können Sie der folgenden Grafik entnehmen:

Quelle: MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Mai 2021 | 17:00 Uhr

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