EU-Verordnung Gespeicherte Fingerabdrücke: Datenschützer kritisieren Gesetz zum Personalausweis

Wer einen neuen Personalausweis beantragt, muss ab sofort seine Fingerabdrücke abgeben. Datenschützer wie Albert Cohaus sehen das neue Gesetz kritisch und verweisen auf das mögliche Potenzial zum Missbrauch der Daten.

Personalausweis
Die Fingerabdrücke werden dem Bundesinnenministerium zufolge "ausschließlich im Chip des Personalausweises gespeichert". Bildrechte: imago images / Jochen Tack

In Zukunft muss bei der Beantragung eines neuen Personalausweises auch der eigene Fingerabdruck abgegeben werden. Die Änderung ist am Montag in Kraft getreten und soll den Ausweis fälschungssicherer machen. Damit wird eine EU-Verordnung umgesetzt, die bereits seit Ende 2007 für den Reisepass gilt.

Doch Datenschützer bezeichnen das Vorgehen als massiven Eingriff des Staates in die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger. Auch der geschäftsführende Datenschutzbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Albert Cohaus, teilt diese Bedenken. Cohaus sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er sehe es nach wie vor kritisch, Bürger und Bürgerinnen zur Abgabe ihrer Fingerabdrücke zu zwingen und diese zu speichern. Die Maßnahme sei nicht verhältnismäßig.

Datenschützer: Zeigefinger problematisch

Vor allem die vorgesehene Speicherung der Abdrücke von Zeigefingern sei äußerst problematisch. Gerade diese Abdrücke würden regelmäßig in digitalen Systemen wie bei Smartphones oder beim Öffnen von Türen verwendet. Ausreichend sei es gewesen, den kleinen Finger zu diesem Zweck zu nutzen, da dieser viel seltener als digitale Signatur genutzt werde.

Cohaus erklärte, die auf dem Personalausweis gespeicherten Daten stünden sowohl deutschen als auch europäischen Behörden zur Verfügung. Die Frage sei nun, wie es weitergehe. Momentan gebe es eine dezentrale Speicherung der Informationen auf dem Ausweis. Doch Datenschützer rechneten damit, dass der Staat "mittelfristig" auf die Daten zugreifen wolle. Cohaus sagte, er befürchte, im Ergebnis könne eine "zentrale Datei für die Fingerabdrücke aller Bürger" entstehen, die auch "für andere Zwecke" genutzt werden könne.

Fingerabdruck anders als Passwort nicht zu ändern

Es gebe einerseits ein großes Potenzial für den staatlichen Missbrauch der Daten. Andererseits könnten die Daten von Kriminellen gehackt werden, was für die betroffenen Bürger und Bürgerinnen unabsehbare Folgen haben würde. Cohaus erinnert daran: "Ein Passwort kann man ändern, ein biometrisches Datum wie den Fingerabdruck nicht." Im schlimmsten Fall würden damit kriminelle Handlungen auf unbescholtene Personen zurückfallen, deren Fingerabdrücke dafür genutzt werden könnten.

Quelle: MDR/Jochen Müller, Gero Hirschelmann, Martin Moll

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02. August 2021 | 15:00 Uhr

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