Nach gescheiterten Verhandlungen Kein Pflegetarif: Gewerkschaft kritisiert Caritas

Die Tarifverhandlungen in der Pflegebranche sind an der Caritas gescheitert. In Sachsen-Anhalt gibt es Kritik von der Gewerkschaft Verdi. Die Arbeitgeberseite sagt, der Vertrag sei rechtlich bedenklich gewesen.

Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann
Die Tarifverhandlungen für die Altenpflege waren an der Caritas gescheitert. Bildrechte: Colourbox.de

Nach dem Scheitern eines bundesweiten Tarifvertrags für die Pflegebranche hat sich die Gewerkschaft Verdi enttäuscht gezeigt. Caritas und Co. hätten sich quergestellt und so Mindeststandards verhindert, sagte Bernd Becker, Landesfachbereichsleiter für Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen bei Verdi in Sachsen-Anhalt gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT. Für ihn trägt die Caritas die Verantwortung, dass viele Arbeitnehmer im Pflegebereich künftig nicht mehr Geld bekommen.

Caritas: Vertrag rechtlich bedenklich

Die Arbeitgeberseite argumentiert, dass der Vertrag rechtlich bedenklich gewesen sei und will stattdessen auf Basis der Pflegekommission weiter verhandeln. Zudem sei die Politik gefragt, damit mehr Geld für Arbeitnehmer nicht auf Kosten der zu Pflegenden gehe, sagte Jan-Wout Vrieze vom Caritasverband Bistum Magdeburg. Laut Vrieze setze man auf den bewährten Weg der Pflegekommission. Auf Grund deren Arbeit seien die Löhne für die rund 1,2 Millionen Pflegekräfte in den letzten Jahren um zwei Drittel gestiegen.

Gewerkschaft schließt Streiks nicht aus

Verdi strebt nun einen Landestarif an und will künftig auch Streiks in den Pflegeeinrichtungen nicht ausschließen. Ein bundesweiter Branchentarifvertrag für Pflegekräfte war in der vergangenen Woche am Votum der kirchlichen Wohlfahrtsverbände gescheitert. Damit ändert sich auch für rund 38.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sachsen-Anhalt zunächst erst einmal nichts.

MDR, Guido Hensch, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. März 2021 | 12:00 Uhr

9 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 39 Wochen

"Die meisten Pflegekräfte sind nicht organisiert, weder in Gewerkschaften, noch in Berufsverbänden; wären sie es, hätten sie längst bessere Arbeitsbedingungen erstreiten können."

Da muß man erst mal welch haben die sich das auch trauen da zu machen,oft werden die Mitarbeiter eingeschüchtert.😡😡😡
Und wenn der Arbeitgeber nicht im Arbeitgeberverband ist nützt das auch nichts.😱😱😱
Inzwischen gehen da immer mehr raus um kein Tarif zahlen zu müssen.🥵🥵🥵

G. Herrweg vor 39 Wochen

Es ist ja ohnehin eine ungewöhnliche Verzweiflungstat: Normalerweise entstehen Tarifverträge aus dem Druck "von unten", durch Arbeitnehmer und ihre Vertretungsorgane. Hier aber haben sich ein Arbeitgeberverband und die Politik mit verdi zusammengesetzt - obwohl verdi als Gewerkschaft für die Pflege fast keine Rolle spielt.

Die meisten Pflegekräfte sind nicht organisiert, weder in Gewerkschaften, noch in Berufsverbänden; wären sie es, hätten sie längst bessere Arbeitsbedingungen erstreiten können.

Ein großes Problem ist außerdem, dass die höheren Kosten durch Lohnsteigerungen in der Pflege zur Zeit 1-zu-1 an die Pflegebedürftigen weitergegeben werden - in vielen Regionen liegt der Eigenanteil (!) in Pflegeheimen bereits bei über 2.500 €. Das drängt pflegebedürftige Menschen in die Sozialhilfe und erzeugt einen bitteren Beigeschmack bei jeder Lohnerhöhung für Pflegende. Hier müsste die Politik ansetzen: Pflegeversicherungsbeiträge rauf und Pflegekosten solidarisch abfedern!

Ekkehard Kohfeld vor 39 Wochen

"Versprechungen gab es (wenn überhaupt) von verdi und dem Arbeitsminister, nicht von der Caritas"

Und warum gibt man Versprechen die man nicht halten kann oder will?
Aber wichtig ist ja das man gute Ausreden hat kann man sich immer
prima aus der Verantwortung ziehen was für Schmirenkomödien hier ablaufen.🥵🥵🥵

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