Natur Experten erwarten gutes Pilzjahr in Sachsen-Anhalt – dem Sommerregen sei Dank

Optimistisch blicken Pilz-Experten auf den Herbst. Zwar fehlt es den Böden vielerorts in Sachsen-Anhalt an Feuchtigkeit, aber mancherorts – wie in der Dölauer Heide bei Halle – gedeihen Pfifferlinge und Steinpilze prächtig. Ein Berater warnt vor gefährlichen Pilzen in der Dölauer Heide in Halle.

Steinpilze im Wald.
Im September, so heißt es, beginnt die Pilzsaison. Manche Arten sind jedoch schon vorher zu finden. (Archivbild) Bildrechte: Colourbox.de

Pilzsammler können sich 2021 auf ein gutes Jahr einstellen. "Im Vergleich zur Situation in den letzten Jahren sind die Witterungsbedingungen bisher wesentlich günstiger für die Pilzwelt", sagt Stefan Fischer, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Bleibe das Wetter so wechselhaft, könne man "sehr optimistisch in die Pilzhauptsaison im Herbst blicken".

Bei der Durchnässung gebe es allerdings starke regionale Unterschiede, sagt Fischer als Experte für die Region um Zeitz. "In den tieferen Bodenschichten bestehen immer noch große Feuchtigkeitsdefizite, besonders für die Bäume der Wälder. Dies betrifft besonders stark Sachsen-Anhalt und Brandenburg." Die bessere Oberflächenfeuchtigkeit führe außerdem zu einer stärkeren Verkrautung in einigen Wäldern. "Das ist nicht so günstig für die Pilze. Die Bedingungen für ein gutes Pilzwachstum haben sich aber verbessert, werden aber nicht überall zum Tragen kommen."

Artenvielfalt nicht überall gleich hoch

Ganz genau könne man die Situation im Herbst, der Hauptsaison der Pilze, noch nicht voraussehen, sagt Fischer. "Zu einem guten Pilzjahr gehört auch die Vielfalt der Arten, die ist momentan noch nicht überall gegeben. Durch den Klimawandel wird es langfristig besonders zu einer Veränderung der Vorkommensgrenzen einzelner Pilzarten kommen. Kälteliebende Arten werden sich in höhere Lagen zurückziehen und wärmeliebende Arten stärker nordwärts ausbreiten."

Pilze in einem Korb
Pilze sammeln – das gehört nicht nur für begeisterte Wanderer zum Herbst dazu. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Pilze profitieren von Feuchtigkeit

Auch in Wäldern in Sachsen sieht die Situation für Steinpilze, Maronen oder Wiesenchampignons gut aus. Gerade im Juli hat es dem Deutschen Wetterdienst zufolge überdurchschnittlich viel geregnet. "Die Feuchtigkeit kommt den Pilzen zugute", sagte Renke Coordes von Sachsenforst.

Hochgiftige Pilze in der Dölauer Heide

Wer Pilze sammle, solle aber aufpassen und sich im Zweifelsfall eine Expertenmeinung einholen. Einige Pilze hätten gefährliche Doppelgänger. So sind etwa der Wiesenchampignon und der hochgiftige Knollenblätterpilz leicht zu verwechseln.

Diese wachsen derzeit etwa in der Dölauer Heide bei Halle, sagt der Pilzsachverständige Rudolf Knoblich. Die Gifte des Knollenblätterpilzes zerstören die Leber, ohne medizinische Behandlung kann der Verzehr tödlich enden. Knoblich appelliert, nur Pilze zu essen, die man wirklich kennt. Mit unbekannten Pilzen sollten Sammler zu Beratern gehen.

Ein grüne Knollenblätterpilz 2 min
Bildrechte: MDR/Christian Franke

Der grüne Kollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze im Wald. Schon der Verzehr eines kleinen Stücks kann tödlich enden. Thomas Keil erklärt, wie er sich sicher erkennen lässt.

Do 29.07.2021 09:59Uhr 01:54 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/jena/video-pilze-wald-kollenblaetterpilz-100.html

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Video

Pfifferlinge, Hexenröhrlinge, Steinpilze

Neben den giftigen Pilzen wachsen in der Dölauer Heide aktuell auch Pfifferlinge, Hexenröhrlinge und Steinpilze. Der regelmäßige Sommerregen habe das Wachstum begünstigt, sagt Knoblich. In den vergangenen Jahren hatte Trockenheit die Pilzsaison verhindert. Eine lang anhaltende Trockenheit könnte zum Waldsterben führen und damit langfristig die Zahl der Waldpilze verringern.

Das Wetter wirkt sich nicht nur auf Speisepilze aus. Renke Coordes von Sachsenforst verweist auf Pilzbefall an vielen Bäumen. Betroffen seien etwa Eschen im Leipziger Auwald, dort gebe es ein regelrechtes Eschensterben. "Die Pilze nutzen aus, dass die Bäume nach den Dürrejahren 2018 und 2019 geschwächt sind."

MDR/Martin Moll, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. August 2021 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

Anni22 vor 6 Wochen

Geb ich allen Sammlern ohne Ahnung einen Tipp, besuchen Sie einen Pilzberater, essen Sie nichts , was Sie nicht wirklich sicher kennen.....

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