Podcast "Was bleibt" | Folge 141 Was bleibt: Bilanz von Lutz Trümper – 21 Jahre Oberbürgermeister von Magdeburg

MDR-Redakteur Julien Bremer
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Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hat die Landeshauptstadt geprägt wie nur wenige vor ihm. Nach 21 Jahren Amtszeit ist Ende Juni Schluss, im MDR-Interview zieht er Bilanz. Er spricht über Bauprojekte in der Stadt und warum diese seiner Meinung nach richtig waren. Und darüber, wie es zur Intel-Ansiedlung kam und warum der FCM und der SCM für die Stadt unbezahlbar wichtig sind.

Was bleibt – der MDR SACHSEN-ANHALT Wochenrückblick

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Lutz Trümper über die Magdeburger Innenstadt und das veränderte Stadtbild – ab 09:20 Minuten

Die großen Einkaufszentren in der Magdeburger Innenstadt (Allee-Center und City Carré) seien Zeitzeugen der 1990er Jahre und der Wendezeit insgesamt. Außerdem habe die Innenstadt damals mit den Einkaufszentren am Rande der Stadt zu veröden gedroht.

Der Hasselbachplatz ist laut Trümper als Kneipenviertel, das er einst war, ungeeignet. Denn durch den vielen Verkehr lade der Platz kaum zum Verweilen ein. Hinzu komme, dass der Ärger zwischen den Anwohnerinnen und Anwohnern und dem Kneipenlärm vorprogrammiert sei.

Für den scheidenden Oberbürgermeister war es immer wichtig, eine durchmischte Bevölkerung in der Stadt zu haben – einerseits junge Menschen und Familien und andererseits gut verdienende Menschen, die sich mit ihrem Geld in der Stadt einbringen. Für ihn gehört beides zusammen.

Lutz Trümper über die Hochwasser in Magdeburg – ab 22:03 Minuten

Die Hochwasser-Katastrophen bezeichnet Trümper als seine schwerste Zeit. In diesen Zeiten werde einem auch immer die Verantwortung bewusst. Denn mit nur einer Fehlentscheidung könne man für einen riesigen Schaden verantwortlich sein und diese könne über das ganze weitere Leben entscheiden.

In Rothensee seien 2013 die Sandsäcke beim Hochwasser auf der falschen Straßenseite verbaut wurden, wodurch das Elb-Wasser überhaupt erst die Straße erreichen und es zu erheblichen Schäden kommen konnte. Heute seien die Gebäude dort alle perfekt auf ein Hochwasser eingestellt.

Lutz Trümper zu den Fragen der Nutzerinnen und Nutzern – ab 28:41 Minuten

"Warum machen Sie nicht weiter?" und "Was machen Sie danach?"

Auf diese Frage antwortete Trümper, dass man aufs Alter gucken müsse. Die Wahlperiode für einen Bürgermeister in Sachsen-Anhalt sind sieben Jahre. Nach noch einer weiteren Wahlperiode wäre er 74 Jahre alt.

Trümper erklärte, es gebe noch andere Dinge im Leben, die zukünftig mehr im Mittelpunkt stehen sollen, wie zum Beispiel seine Enkelkinder oder Reisen. Insbesondere eine Wohnmobil-Reise nach Kanada und eine Reise nach Neuseeland und Australien stehen auf seiner Liste ganz oben.

Darüber hinaus kann Trümper sich vorstellen, sich auch in Zukunft gelegentlich in das Geschehen in der Stadt einzubringen. Aber aus den Belangen im Magdeburger Rathaus wolle er sich raushalten. Ihm schwebten eher Ehrenämter in der Stadt vor.

Würden Sie nochmal ein Projekt wie den Bahnhofstunnel in Angriff nehmen?

Trümper erklärte, dieses Vorhaben sei richtig gewesen, auch wenn Fehler gemacht würden. Am Ende werden laut Trümper alle sagen, dass es durch den Tunnel einen optimalen Umstiegspunkt von ÖPNV zum Bahn-Verkehr gibt.

Der scheidende Oberbürgermeister sagte aber auch, dass es in Deutschland zu lange dauere, bis gebaut werde. Demnach würden erste Zahlen für Kalkulationen viel zu früh genannt und man würde in der Öffentlichkeit daran gemessen. So erklärt er sich die Diskrepanz zwischen ursprünglich genannten Zahlen für die Kosten des City-Tunnels und den am Ende deutlich höheren Kosten.

Wie es zur Intel-Ansiedlung kam – ab 44:18 Minuten

Über die Intel-Ansiedlung erklärte Trümper, die Gewerbe- und Industrie-Flächen in Rothensee wären völlig ausgelastet gewesen. Darum habe man sich in der Stadt Gedanken machen müssen, wo man Neuansiedlungen realisieren könne und den Eulenberg, wo BMW sich einst niederlassen sollte, neu geplant.

Mit diesem Gebiet sei die Stadt auf Immobilien-Messen vertreten gewesen, um mögliche Investoren und Unternehmen für eine Ansiedlung zu überzeugen. Vertreter von Intel seien so auf das Gebiet aufmerksam geworden. Vor allem die Größe des Gebiets in Kombination mit der Verkehrsanbindung habe Intel überzeugt, sich in Magdeburg niederzulassen.

Und... was bleibt?

  • Für Trümper bleiben viele gute Momente, an denen er abends mit der Gewissheit nach Hause gegangen ist, die Stadt voranzubringen.

Wo der Podcast zu hören ist

Podcasts FCM und HFC
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MDR-Redakteur Julien Bremer
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Über den Autor Julien Bremer ist seit Oktober 2018 bei MDR SACHSEN-ANHALT und ist die Schnittstelle zwischen Hörfunk- und Online-Redaktion. Er kommt ursprünglich aus der Altmark. Nach seinem Journalistik-Studium in Magdeburg verschlug es ihn für verschiedene Jobs nach Berlin. Irgendwann hatte er aber genug vom hippen Berlin und er fing als freier Mitarbeiter bei "MDR SPUTNIK" und "MDR Sport im Osten" an, bevor er wieder nach Magdeburg zurückkehrte.

Er ist fest davon überzeugt, dass es für jeden Menschen da draußen auch den richtigen Podcast gibt und will dafür sorgen, dass zukünftig möglichst viele davon von MDR SACHSEN-ANHALT kommen!

MDR (Simon Kremer, Sören Thümler, Julien Bremer)

3 Kommentare

DER Beobachter vor 13 Wochen

Kann Magdeburg nicht beurteilen, aber als Dresdner kann ich Ihnen versichern, dass abgesehen von der Unternehmnsansiedlung Masseneingemeindung von etwa 15-20 000 EW umfassenden Vororten im Speckgürtel 2.H. der 90er unsere Bevölkerungsentwicklung definitiv keine Errungenschaft der Union ist. Im Gegenteil: erst seit deren absoluten Mehrheiten in Stadt und Land wackel(te)n nach 2000, begann das Bevölkerungswachstum, und nicht immer zum Segen der Stammeinwohnerschaft, wie das Zubauen auch meines Stadtrandviertels und die Mietenexplosion beweisen. Jedenfalls haben weder CDU noch FDP, noch die blaubraune Partei besondere Zustimmung unter den Dresdner jüngeren Familien, wie gerade auch die letzte Stadtratswahl und jüngst unsere OB-Wahl zeigen...

MD Mike vor 13 Wochen

Da geht ein Macher der Magdeburg voran gebracht hat. Den Tunnel kann man ihm verzeihen. Auch sagte Er seine Meinung was auch manchen Parteigenossen nicht passte.
Herr Trümper genießen Sie Ihren Ruhestand. Alles Gute für Sie.

pwsksk vor 13 Wochen

Selbst als Nichtmachdeburjer zolle ich L. Tümper hohen Respekt. Er hatte immer seine Meinung und seine Beharrlichkeit zeichnete ihn aus. Hier geht für mich ein Großer. Danke und bleiben sie gesund.

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