Kritik an Innenministerium So lange braucht die Polizei in Sachsen-Anhalt bis zum Einsatzort

Ob Unfall, Raub oder Schlägerei – wenn Menschen die 110 wählen, wollen sie eines: schnelle Hilfe von der Polizei. Eine Übersicht, wie lange es bis zum Eintreffen der Polizei dauert und wie groß die Unterschiede im Land sind.

Ein Polizeiwagen mit Blaulicht
Je nach Region dauerte es im Jahr 2020 unterschiedlich lange, bis die Polizei am Einsatzort war. Bildrechte: dpa

Im Jahr 2020 rückte die Polizei in Sachsen-Anhalt zu 189.000 regulären Einsätzen aus – umgerechnet war das etwa alle drei Minuten ein neuer Einsatz. Jedes Mal wurde dabei protokolliert, wie viel Zeit zwischen Eingang des Notrufs und Eintreffen der ersten Polizeikräfte am Einsatzort vergeht. 2020 betrug diese sogenannte "Interventionszeit" durchschnittlich 24 Minuten und 48 Sekunden.

Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hervor, die Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, gestellt hatte. Bei rund 51.000 Einsätzen lag erhebliche Gefahr, eine Straftat von erheblicher Bedeutung oder ein flüchtender Täter vor. In diesen Fällen betrug die Interventionszeit durchschnittlich 16 Minuten und 33 Sekunden.

Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Werte damit kaum verändert:

Nach Darstellung des zuständigen Innenministeriums wurde im vergangenen Jahr die Zielvorgabe erfüllt, bei Einsätzen mit besonderen Kriterien in spätestens 20 Minuten am Einsatzort zu sein.

Kritik an Ex-Innenminister Stahlknecht

Rüdiger Erben, SPD
Rüdiger Erben, Innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Bildrechte: dpa

Innenpolitiker Erben hingegen kritisiert, dass man seit Jahren bei den Interventionszeiten auf der Stelle trete. Besonders negativ bewertet der SPD-Politiker die Arbeit des früheren Innenministers Holger Stahlknecht (CDU), der 2015 neue Streifenbereiche in Sachsen-Anhalt eingeführt hatte. Das habe nach Erbens Ansicht praktisch nichts gebracht. In den Streifenbereichen habe es von Anfang an einen Konstruktionsfehler gegeben, sagte Erben MDR SACHSEN-ANHALT.

Man kann Polizei nicht einfach mit dem Zirkel organisieren. Das hat der Minister damals gemacht, und bis heute wird dieser Fehler nicht eingeräumt.

Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion

Erben fordert stattdessen, die Streifenbereiche belastungsorientiert zu planen. Nur dann werde es gelingen, dass in den Großstädten oder in hochbelasteten Landkreisen wie dem Burgenlandkreis die Streifenwagenbesatzung auch wieder Streife fahre und nicht von Einsatz zu Einsatz hetze.

Nicht alle Streifenbereiche immer besetzt

Nach Angaben des Innenministeriums waren die meisten Streifenbereiche 2020 zu 100 Prozent besetzt. Das heißt, in dem Gebiet war immer mindestens ein Streifenwagen verfügbar. Das geht aus einer weiteren Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hervor. Allerdings wurden in dieser auch Bereiche mit deutlich niedrigerer Quote genannt. Dazu zählen besonders Bereiche der Polizeiinspektion Stendal:

  • Möckern: 61 Prozent
  • Bismark: 61 Prozent
  • Kalbe/Milde: 46 Prozent
  • Seehausen in der Altmark: 27 Prozent
  • Diesdorf: 13 Prozent

In der Polizeiinspektion Halle fällt die Besetzung des Streifenbereichs in Teutschenthal (70,6 Prozent) und Nebra (72 Prozent) am schlechtesten aus. Im Bereich der Polizeiinspektion Magdeburg liegt der geringste Wert im Bereich Oebisfelde-Weferlingen und Völpke bei knapp 79 Prozent. Gut sieht es laut Ministerium in der Polizeiinspektion Dessau-Roßlau aus. Hier waren die Streifenbereiche mindestens zu 89 Prozent oder mehr besetzt.

MDR, Susanne Ahrens, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. Februar 2021 | 10:00 Uhr

6 Kommentare

Rotti vor 36 Wochen

Interessant. Der SPD - Erben, der maßgeblich am Kaputtsparen von Feuerwehr und Polizei maßgeblich als Staatssekretär beteiligt war, macht dicke Backen.

harzer vor 36 Wochen

Reiner202; Der Innenminister hat viellecht nicht die Finanzen, um mehr Personal einzustellen.
Querdenker sind Demonstrationen, die genehmigt werden müssen,dann sind die POLIZEI darauf vorbereitet!

Henne2003 vor 36 Wochen

Der Herr Erben soll mal nicht so auf Herrn Stahlknecht schimpfen. Die Hauptschuld an der Misere liegt bei seinem Parteifreund Herrn Bullerjahn, der ja unbedingt die Personalstärke der Polizei drastich reduzieren mußte!

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