Tag der Pressefreiheit MDR-Programmdirektor: "Entscheidungen fallen nach Qualität, nicht nach Haltung"

Am Dienstag ist internationaler Tag der Pressefreiheit. Der MDR hat das zum Anlass für breite Berichterstattung genommen. Jetzt hat MDR-Programmdirektor Klaus Brinkbäumer kritische Fragen von Nutzerinnen und Nutzern beantwortet.

News bei Instagram auf einem Smartphone in einer Hand werden durchgescrollt. News zum Krieg in der Ukraine. Im Hintergrund Nachrichtenbilder, Bilder auf einem PC-Monitor zum Krieg in der Ukraine.
Wie steht es um die Pressefreiheit? Laut einer aktuellen Befragung von MDRfragt sorgen sich viele Mitteldeutsche um die Freiheit der Presse. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Rene Traut

Redakteurinnen und Redakteure des MDR werden nicht aufgrund ihrer Haltung zu einem Thema beurteilt. Das hat Programmdirektor Klaus Brinkbäumer betont. Brinkbäumer sagte zum Tag der Pressefreiheit, im MDR gebe es keine Vorgaben an Journalistinnen und Journalisten, was deren Meinung oder Haltung zu einem Thema angeht: "Wir berichten unabhängig, die Kollegen recherchieren unabhängig."

Klaus Brinkbäumer
Klaus Brinkbäumer Bildrechte: MDR/Kirsten Nijhof

Die Programm-Entscheidungen fallen nach Qualität, nicht nach Haltung. Haltung ist nicht das Kriterium.

Klaus Brinkbäumer MDR-Programmdirektor

Der MDR-Programmdirektor war am Montag nach Magdeburg gekommen, um Fragen des Publikums zur Freiheit der Presse und zu unabhängiger Berichterstattung zu beantworten.

In der MDR-Sendung "FAKT IST!" wurde am Montagabend ausführlich über die Freiheit der Presse diskutiert.

Auf die Frage eines Zuschauers, wie MDR-Nutzerinnen und -Nutzer ihre Meinung stärker ins Programm einbringen können, verwies Brinkbäumer neben den geläufigen Wegen wie Social Media oder Mails auf das Meinungsbarometer MDRfragt. Dort beteiligen sich regelmäßig zehntausende Mitglieder an Befragungen zu aktuellen Themen wie Braunkohle-Aus, Tempolimit oder Corona-Politik. Die Ergebnisse finden regelmäßig Eingang in die MDR-Programme im Netz, im Hörfunk und im Fernsehen.

Hier können Sie sich die komplette Fragerunde mit Klaus Brinkbäumer im Video ansehen:

Angesprochen auf eine vermeintliche Einseitigkeit der Berichterstattung, sagte Brinkbäumer, in der Medienwelt gebe es traditionell ein "Übergewicht des Großstädtischen" und damit womöglich auch des liberalen Denkens. Medien hätten im Laufe der Vergangenheit erst erkennen müssen, dass sie damit an der Wirklichkeit vieler Menschen vorbei sendeten, so Brinkbäumer.

#MDRklärt Fragen und Antworten zur Pressefreiheit

Zum Tag der Pressefreiheit hat MDR-Programmdirektor Klaus Brinkbäumer kritische Fragen von Nutzerinnen und Nutzern beantwortet. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Reporter und Journalisten
Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner
Reporter und Journalisten
Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner
Alexander Pergamon Wer gibt die Dominanz linksgrüner Personen und Auffassungen in den Redaktionen vor? Brinkbäumer Wir berichten ausgewogen von allen Seiten. Es gibt in der Medienwelt traditionell ein Übergewicht des großstädtischen und damit vielleicht verbunden des liberalen Denkens und daher linksorientiert.  Wir haben aber längst erkannt, dass wir raus aus den Städten müssen. Wir suchen bei unseren Ausbildungsprogrammen nach Vielfältigkeit. Wir achten auf unterschiedliche Biografien, Standpunkte du Herkunftsorte. Und die Redaktionen sind vielseitig besetzt.
Bildrechte: MDR/Kirsten Nijhof
Wir haben aber längst erkannt, dass wir raus aus den Städten müssen. Wir suchen bei unseren Ausbildungsprogrammen nach Vielfältigkeit. Wir achten auf unterschiedliche Biografien, Standpunkte du Herkunftsorte. Und die Redaktionen sind vielseitig besetzt.  Roland Kullrich Die Bürger müssen Gebühren zahlen, damit Intendant*innen sich sechsstellige Jahresgehälter gönnen und riesige Pensionen. Warum müssen die Bürger deren Wohlstand finanzieren?
Bildrechte: MDR/Kirsten Nijhof
Brinkbäumer Ich weiß, was mit Gesellschaften passieren kann, die keinen qualitativ hochwertigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Mitte ihrer Gesellschaft haben: In den USA ist die Gesellschaft zu tiefst polarisiert, verfeindet. Medien werden verortet und verorten sich auch selbst. Und sie berichten dann für ihre Zielgruppe entsprechend. Es fehlt die Mitte.
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Es fehlt die Mitte. Das haben wir in Deutschland und das ist bewahrenswert – wenn wir es gut machen. Und ich weiß, dass unsere Intendantin hart arbeitet und um keinen Cent überbezahlt ist.
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Dieter Kobelie Ist es problematisch, wenn Journalist*innen den Journalismus verlassen und auf die Politik-Bank wechseln? Brinkbäumer Nicht grundsätzlich, aber es kann heikel sein. Weil im Einzelfall Spielregeln wie Vertraulichkeit verletzt werden können. Im Konkreten gibt es oft einen Austausch von Kompetenz, der dafür sorgt, dass auf der journalistischen Seite mehr Wissen ist und auf der politischen Seite ein Verständnis für journalistische Fragen einzieht. Dann wird es oft professionalisiert.
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Regional-Studios haben große Bedeutung

Der MDR habe aber längst erkannt, "dass wir raus aus den Städten müssen". Brinkbäumer betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Regional-Studios. MDR SACHSEN-ANHALT berichtet regelmäßig aus seinen Studios in Magdeburg, Halle, Dessau-Roßlau und Stendal sowie den Büros in Wernigerode und Naumburg.

Mehr zum Thema: Tag der Pressefreiheit

MDR (Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: FAKT IST! aus Magdeburg | 02. Mai 2022 | 22:05 Uhr

60 Kommentare

Ilse vor 1 Wochen

MDR-Team

Würde ich unterschreiben, dafür gibt es schließlich die Bewerbungsauswahl, wie überall. Da muss danach niemand mehr gebrieft werden. Gleiches gesellt sich überall gerne mit gleichen, Usus in allen Bereichen. Sie brauchen keine Anweisungen von Oben, das ist nicht nötig.

tim regenbogen vor 1 Wochen

@Soldaten Norbert
Genauso sieht es aus. Wenn ich darüber nachdenke, was nicht veröffentlicht wird, wegen der Nettiquette und was von von einigen Kommentaren immer veröffentlicht wird, egal was geschrieben wird, dann ist das mehr wie offensichtlich. Nur der MDR bekommt es nicht mit und bestreitet dies. Naja und über die neutral berichtenden 🤣 Journalisten brauchen wir nicht zu diskutieren. Kritische Berichterstattung is nicht möglich, denn das würde den weiteren Karriereweg schnell beenden und die Journalisten könnten ihre privaten Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen.

MDR-Team vor 1 Wochen

Über die besten Wege für das Kommentarmanagements diskutieren wir im Team seit Jahren. Andere Anbieter haben die Kommentarspalten ja auch geschlossen. Unser Weg mit der Nettiquette ist aus unserer Sicht am besten, weil wir einen Dialog zum Thema wollen und keine wilde Diskussion mit Vorwürfen usw und wir wollen auch nicht, dass Nutzerinnen und Nutzer überhaupt nicht kommentieren können.

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