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Einziges niedergelassenes ZentrumWie das Kinderwunschzentrum in Magdeburg Paaren hilft

von Andrea Seifert, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 24. August 2021, 19:03 Uhr

Viele Paare wünschen sich Kinder. Nur: Für fast jedes Zehnte von ihnen in Deutschland ist der Weg dorthin gar nicht so einfach – weil Frau oder Mann oder beide nur mit Schwierigkeiten oder medizinischer Hilfe Kinder bekommen können. Hilfe bekommen die Paare im Kinderwunschzentrum in Magdeburg. Ein Besuch.

Die Mama und die Kinder puzzeln. Der Papa liest ein Buch vor. Diese Szene aus einem Kinderzimmer in der Börde vermittelt Familienidylle pur. Doch der Weg, den Familie B. bis hierher gehen musste, war weit. Jetzt aber erfreuen sich Doreen und Jens B. an ihren knapp dreijährigen Zwillingen. Die Kleinkinder sind absolute Wunschkinder.

Doreen und Jens B. haben sich ihren Kinderwunsch erfüllt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für Doreen B. war schon wegen regelmäßiger Untersuchungen beim Frauenarzt klar, dass es bei ihr nicht so leicht werden würden mit einer Schwangerschaft. Mit ihrem Mann habe sie immer offen darüber gesprochen, erzählt die 39-Jährige heute. Das Paar suchte sich professionelle Hilfe – und ging in das Kinderwunschwunschzentrum nach Magdeburg. Es ist das einzige niedergelassene Zentrum für Kinderwünsche in Sachsen-Anhalt. Geholfen wird künftigen Eltern aber auch in den reproduktionsmedizinischen Zentren an den Unikliniken in Halle und Magdeburg.

Männer gehen nicht immer so offen mit Problemen um

Die B.s bekamen bei Evelyn Richter, der Leiterin des Kinderwunschzentrums in Magdeburg, Beratung und Unterstützung. Nach einer genauen Untersuchung der Ehepartner stand fest, dass beide Probleme beim Zeugen von Kindern haben. Für Jens B. war das kein Thema. Er meint: "Es ist halt menschlich und ich finde es jetzt nicht schlimm."

Ich fühle mich da aber nicht als Mann weniger wert. Wer ein Kind haben möchte, muss auch den nächsten Weg gehen.

Jens B. | Vater

Nicht immer gehen Männer so offen damit um. Nach Evelyn Richters Erfahrungen gibt es häufig Paare, bei denen beide Partner hormonelle oder anatomische Einschränkungen mitbringen, die den Kinderwunsch erschweren. Und nach ihrer Aussage ist es eben nicht so, "wie oft auch gerne Männer dachten, dass es wahrscheinlich nur an der Frau liegen kann, sondern sind dann sehr erstaunt, dass es doch auch an ihnen oder vielleicht manchmal nur an ihnen liegt."

Stets offen über den Kinderwunsch und die Probleme gesprochen

Familie B. hat über die Hürden auf dem Weg zur Schwangerschaft immer offen miteinander, aber auch mit der Familie und Freunden gesprochen. Denn so ein Kinderwunsch kann großen Druck erzeugen und zu psychischen Problemen führen. Evelyn Richter sagt: "Das macht schon was mit dem Paar, dass natürlich dann eine gewisse Ungeduld kommt, eine gewisse Verzweiflung auch aufkommt."

Evelyn Richter ist die Leiterin des Kinderwunschzentrums. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Deswegen sei es auch so wichtig, dass diese Paare nicht so ewig lange warteten. "Sondern es ist ja für die Psyche, für die Seele gut, dass es da jemanden gibt, der helfen kann und an den man sich dann auch wenden sollte", sagt Evelyn Richter. Deshalb bietet sie auch eine psychologische Beratung und Betreuung im Kinderwunschzentrum an.

Bei Doreen B. klappte es mit der Schwangerschaft durch die ärztlichen "Nachhilfe" mit einer In-Vitro-Fertilisation. Das ist die ursprüngliche Methode der künstlichen Befruchtung, die gemeinhin als Reagenzglasbefruchtung bekannt ist. Richtigerweise wird die Befruchtung aber in einer Kulturschale durchgeführt. Dabei werden unzählige Spermien zur Eizelle gegeben.

Kinderwunschbehandlung kann finanziell gefördert werden

In Deutschland können ungewollt kinderlose Paare bei ihrer Kinderwunschbehandlung finanziell durch die Länder und den Bund unterstützt werden. In Sachsen-Anhalt werden unter bestimmten Voraussetzungen auch nicht-eheliche Lebensgemeinschaften dabei unterstützt. Informationen und Kontakte vermitteln das Landesverwaltungsamt und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Heutzutage gibt es durch die moderne Medizin zahlreiche Möglichkeiten einer künstlichen Befruchtung. Der ethische Rahmen dafür ist in Deutschland streng begrenzt. Katrin Pribbernow ist Laborleiterin im Kinderwunschzentrum Magdeburg und hat schon vielen Kindern auf den Weg geholfen. "In Deutschland gibt es auch ganz klare gesetzliche Rahmenbedingungen dafür", sagt sie.

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Es geht nicht darum, sich hier den Wunsch nach einem Kind mit einer speziellen Augen- und Haarfarbe und ein speziellen IQ auszusuchen.

Katrin Pribbernow | Laborleiterin im Kinderwunschzentrum in Magdeburg

Nicht mit Zwillingen gerechnet

Für Familie B. war das ohnehin kein Thema. Sie wollten einfach nur ein Kind – und bekamen unverhofft Zwillinge. Jens B. erzählt: "Wir haben vorher gedacht, es ist bloß eins. Auf einmal waren es zwei. Das war dann noch mal so ein kleiner Schub nach vorne, wo man sagt: Alles ist perfekt."

In der Vergangenheit kam es nach einer künstlichen Befruchtung häufig zu Mehrlingsschwangerschaften. Inzwischen können Mediziner das steuern, indem sie nur eine befruchtete Eizelle einsetzen. Klar ist aber: Die Natur hat immer das letzte Wort. Also bekamen Doreen und Jens B. Zwillinge.

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MDR/Andrea Seifert, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. August 2021 | 19:00 Uhr

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