Legaler Waffenbesitz Rechtsextremisten mit Waffen: Zahl verdoppelt

In Sachsen-Anhalt besitzen immer mehr Rechtsextremisten legal eine Waffe. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Zahl zuletzt verdoppelt hat. Das geht nicht, finden die Grünen im Landtag. Sie sprechen von "unhaltbaren Zuständen" – und schlagen vor, die Erlaubnis zum Führen einer Waffe bei Extremisten zu widerrufen.

Eine Pistole und Munition liegen auf dem Tisch
In Sachsen-Anhalt sind immer mehr Rechtsextremisten legal im Besitz von Waffen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Panthermedia

Immer mehr Rechtsextreme in Sachsen-Anhalt sind legal im Besitz von Waffen. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums Sachsen-Anhalts auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor. Das Papier liegt MDR SACHSEN-ANHALT vor. Demnach hat sich die Anzahl der Rechtsextremen, die im Land legal Waffen besitzen, seit Anfang 2020 bis Ende Juni 2021 mehr als verdoppelt.

73 Rechtsextremisten in Besitz einer Waffe

In diesem Zeitraum sei die Anzahl der dem Verfassungsschutz bekannten Rechtextremisten mit waffenrechtlicher Erlaubnis von 33 auf 73 gestiegen. Insgesamt seien in Sachsen-Anhalt 1.726 neue Erlaubnisse zum Erwerb und Besitz von Waffen erteilt worden. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel sprach von "unhaltbaren Zuständen". Striegel sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Waffen gehörten nicht in die Hand von Extremisten.

Es sei für ihn unverständlich, dass der Staat denjenigen Waffenbesitz erlaube, die Freiheit und Demokratie bedrohten. Er sehe hier vor allem die Waffenbehörden in der Verantwortung. Sie müssten nach Striegels Worten dafür sorgen, dass bei Extremisten die entsprechende Zuverlässigkeit angezweifelt werde, dass ein behördliches Verfahren in Gang komme und die Waffenerlaubnis widerrufen werde.

Waffen gehören nicht in die Hände von Extremisten.

Sebastian Striegel (Grüne) Landtagsabgeordneter

Nach Ansicht des Politikers braucht es den Verfassungsschutz als Informationsgeber. Striegel forderte, dass der Verfassungsschutz die betreffenden Informationen an die Waffenbehörden liefert. Die Waffenbehörden sind in der Regel die Landkreise beziehungsweise die Polizeiinspektionen in Halle und Magdeburg. Sie müssen nach Meinung Striegels konsequent gegen Waffenbesitz bei Rechtsextremen vorgehen.

Gut 120.000 registrierte Schusswaffen in Sachsen-Anhalt

Nach Angaben des Innenministeriums hat Sachsen-Anhalts Verfassungsschutzbehörde von Anfang 2020 bis 30. Juni 2021 in 33 Fällen ihre Erkenntnisse zu Rechtsextremisten mit waffenrechtlicher Erlaubnis an die unteren Waffenbehörden gemeldet. Insgesamt, so die Statistik, gab es in Sachsen-Anhalt bis zu diesem Zeitpunkt 122.938 registrierte Schusswaffen in den Händen von 26.671 Waffenhaltern.

Mehr zum Thema: Rechtsextremisten und Waffen

MDR/Ronald Neuschulz, Karin Roxer, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. November 2021 | 07:00 Uhr

16 Kommentare

harzer vor 9 Wochen

Simone; bin Mitte der 40er Jahre eingeschult worden, in meiner Zeit wurden keine Schüler militärisch benutzt worden! In den höheren Klasse Konnte man freiwillig in die GST eintreten! Viele nutzten das, um ihre Fahrerlaubnis zu machen, für Pinats!! Es gab kein Rechtsextremisten, warum auch, es gab andere Probleme, es gab nichts in Handel genug!

Jana vor 9 Wochen

@Steffen1978

Keine Ahnung in welcher Szene sie sich bewegen, außerhalb einer gewissen Halbwelt ist es wohl absolut unüblich bewaffnet durch die Gegend zu laufen.

Manche Leute fabulieren sich ja gerne eine in der Realität nicht existierende Bedrohungslage herbei um dann ihre kranke, irrationale und durch nichts wirklich begründete Neigung mit einer Waffe durch die Gegend zu laufen, zu legitimieren.

Wann mussten sie denn zuletzt ihre Familie verteidigen und haben sie dafür eine Waffe gebraucht? Auf MDR lese ich von solchen Vorfällen in Mitteldeutschland nichts, wohl aber Menschen die im Kopf nicht ganz richtig sind und plötzlich eine Waffe ziehen und damit ihre Mitmenschen bedrohen. Ich erinnere mich da an einen Beitrag über eine Rentnerin in Erfurt, die auf Kinder im Hof schoss, weil die zu laut spielten und einen Bauarbeiter der ebenfalls in Erfurt von einem Passanten mit der Waffe bedroht wurde, weil dieser wegen einer Baustelle die Straßenseite wechseln sollte.

goffman vor 9 Wochen

Was ist an der Meinung denn extrem? Die Mehrheit hat keine (Schuss-) Waffen und ich sehe auch überhaupt keinen Bedarf dafür.
Beim Schießsport können die Waffen dem Schützenverein gehören und von diesem kontrolliert nur für die Übungen auf deren Gelände ausgegeben werden. Niemand, der Schießsport betreibt, benötigt eine eigene Waffe daheim.
Selbst der Jäger müsste sein Arbeitswerkzeug nicht zu Hause verwahren - meinetwegen könnte man hier noch eine Ausnahme machen.
Aber ansonsten? Welchen Grund gibt es, Waffenbesitz daheim zu legitimieren? Welchen Nutzen hat es für die Gesellschaft?

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