Schwimmhallen in Sachsen-Anhalt Schüler lernen trotz Unterrichtsausfall Schwimmen

Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt lernt in der Schule Schwimmen, obwohl in der Pandemie zu wenig Schwimmunterricht stattfindet. Das zeigt die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. An einigen Schulen fällt der Unterricht jedoch ganz aus, weil die Schwimmhallen saniert werden müssen. Den Bädern machen neben einem hohen Sanierungsstau sinkende Einnahmen und steigende Kosten zu schaffen.

Larissa (l) und Kiara lernen bei der Sommerschwimmschule im Kombibad Gropiusstadt schwimmen.
Wegen der Corona-Pandemie ist Schwimmunterricht in Sachsen-Anhalt ausgefallen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Das Seepferdchen ist ungenügend: Um als schwimmfähig zu gelten, müssen Kinder und Jugendliche laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mindestens das Bronze-Abzeichen erreichen.

In Sachsen-Anhalt haben das laut der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im vergangenen Schuljahr 8.520 von 13.880 Schülerinnen und Schülern geschafft, die am Schwimmunterricht teilgenommen haben. Konnten zu Beginn des Unterrichts noch 10.666 Kinder nicht schwimmen, seien es danach 5.360 gewesen.

Das entspreche der Antwort auf die Kleine Anfrage zufolge in etwa den Zahlen des Vorjahres. Damit habe die Entwicklung der Schwimmfähigkeit während der Pandemie nicht signifikant abgenommen, schlussfolgert die Landesregierung. Vergleichsdaten aus dem Vor-Pandemie-Schuljahr 2018/2019 liegen allerdings nicht vor.

Schwimmunterricht an Schulen während Corona-Pandemie ausgefallen

Grund für die Anfrage der Landtagsabgeordneten Christina Buchheim sind die Schließung zahlreicher Bäder während der Corona-Pandemie und der Ausfall vieler Schwimmkurse und -unterrichtsstunden. Dass in der Pandemie zu wenig Schwimmunterricht stattgefunden hat, bestätigen Zahlen von Bildungsministerium und Landesschulamt. Demnach haben die wenigsten Grundschulen im Land mindestens die geforderten 36 Wochenstunden Schwimmunterricht pro Schuljahr durchführen können.

Um dem häufigen Ausfall zu begegnen, stellt die Landesregierung nach eigenen Angaben jährlich 480.000 Euro für Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung. Damit sollen Schulen in Kooperation mit Verbänden, Vereinen und Bädern zusätzliche Schwimmkurse außerhalb des Unterrichts anbieten können.

Kein Schwimmunterricht an 48 Schulen

An 48 Grundschulen im Land gibt es laut Landesregierung allerdings aktuell überhaupt keinen Schwimmunterricht. Der häufigste Grund dafür ist demnach, dass die Schwimmbäder vor Ort wegen Sanierung geschlossen sind.

Die Schwimmhalle "Am Fuchsbau" in Osterburg im Landkreis Stendal steht beispielsweise seit eineinhalb Jahren fünf Grundschulen nicht mehr für Schwimmunterricht zur Verfügung. Wie die Stadt mitteilte, haben sich dort Fliesen vom Beckenumlauf gelöst, nachdem das Bad aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen und trockengelegt werden musste.

In mindestens 34 Kommunen müssen Schwimmhallen saniert werden

Das Freibad in Schönebeck im Salzlandkreis ist der Stadt zufolge bereits seit 2018 geschlossen. Es gebe zu hohen Sanierungsbedarf, um es weiterhin zu betreiben. Mit diesem Sanierungsstau ist Schönebeck nach Angaben der Landesregierung nicht allein: In mindestens 34 weiteren Kommunen haben sich demnach schätzungsweise fast 150 Millionen Euro Bedarf angestaut, um Hallen- und Freibäder zu renovieren.

Das Land unterstützt die Sanierung nach eigenen Angaben mit fünf Fördermöglichkeiten, von denen vor allem die Sportstättenförderung und die Förderung der regionalen ländlichen Entwicklung genutzt werden.

Verkürzte Saison und sinkende Besucherzahlen

Auch dort, wo es keinen Sanierungsbedarf gibt, ist der Erhalt der Schwimmbäder bedroht. Zahlreiche Freibäder beklagen eine verkürzte Sommersaison, die in beiden Pandemie-Jahren nicht im Mai, sondern erst im Juni oder Anfang Juli starten konnte.

Bei Hallenbädern hat die Pandemie den Kommunen zufolge noch häufiger für geschlossenen Türen gesorgt. Wie die Stadt Zeitz mitteilte, konnte die Schwimmhalle dort im vergangenen Jahr nur an 73 von 313 möglichen Tagen für Besucherinnen und Besucher öffnen. Schulschwimmen habe an 56 von eigentlich 106 Tagen stattgefunden und Reha- und Vereinssport an 58 von 175 Tagen.

Steigende Kosten durch die Pandemie

Mit den Besucherzahlen ist nach Angaben der Kommunen auch der Umsatz der Schwimmbäder eingebrochen. Die Kosten seien dagegen gestiegen. Beispielsweise habe zusätzliches Personal für Einlasskontrollen oder Reinigung eingestellt werden müssen.

In der Pandemie neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, sei zudem schwer, heißt es aus dem Erlebnisbad in Bernburg im Salzlandkreis. Potentiellen Aushilfskräften sei die Situation zu unsicher. Das Personal, das in den vergangenen zwei Jahren in den Schwimmbädern gearbeitet hat, habe außerdem weitere Kosten der Pandemie spüren müssen: Viele seien "nervlich bedeutend mehr belastet", da sie "teilweise lauthals verbal angegriffen" würden.

MDR (Manuel Mohr, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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