Verdacht gegen Tönnies und Wiesenhof Ministerium: Kein Separatorenfleisch bei Produzenten in Sachsen-Anhalt

Gegen die Fleischproduzenten Tönnies und Wiesenhof gibt es Vorwürfe, bei der Verarbeitung von Geflügelwurst Tierreste und Bindegewebe – sogenanntes Separatorenfleisch – eingesetzt zu haben, ohne das zu kennzeichnen. Bei Proben in Sachsen-Anhalt konnte im vergangenen Jahr kein Separatorenfleisch nachgewiesen werden.

Billigfleisch im Supermarkt
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  • In Sachsen-Anhalt hat es 2021 bei Proben keine Funde von Separatorenfleisch gegeben.
  • Fleischproduzenten sollen in Geflügelprodukten sogenanntes Separatorenfleisch verwendet haben.
  • Die Fleischproduzenten Wiesenhof und Tönnies widersprechen den Vorwürfen.

In Sachsen-Anhalt sind im vergangenen Jahr bei insgesamt 55 Proben keine Spuren von Separatorenfleisch nachgewiesen worden. Darauf hat das Landwirtschaftsminsterium in Magdeburg auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT hingewiesen. Das Ministerium erklärte weiter, die Kontrollen erfolgten risikoorientiert. Ergeben sich bei Betriebskontrollen Verdachtsmomente, würden amtliche Proben genommen.

Die Fleischproduzenten Tönnies und Wiesenhof sollen bei der Verarbeitung von Geflügelwurst sogenanntes Separatorenfleisch aus Fleischresten oder Bindegewebe eingesetzt haben. Die Produkte sollen nicht entsprechend gekennzeichnet worden sein. Indizien dafür hatten am Donnerstag NDR und Spiegel öffentlich gemacht. Beide Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück.

Viele Proben positiv

NDR und Spiegel hatten insgesamt 30 Proben von Geflügelwurst und -fleisch bei einem Labor in Bremerhaven eingereicht. Bei den 20 Wurstproben war in rund der Hälfte Separatorenfleisch nachgewiesen worden. Betroffen waren auch Produkte von Tönnies, Wiesenhof und deren Tochterunternehmen.

Das ist Separatorenfleisch Um Separatorenfleisch zu erzeugen, pressen Maschinen Tierkörper oder grob zerkleinerte Knochen mit Fleischresten durch Lochscheiben. Knochen und Knorpel bleiben hängen, weiche Teile wie Muskulatur, Fett, Bindegewebe oder auch Rückenmark werden abgepresst. Dabei entsteht eine breiartige Masse.

Foodwatch spricht von möglichem Betrug

Die Verbraucherschützer von Foodwatch fordern den Handel auf, die betroffenen Produkte zurückzurufen. Ein Foodwatch-Sprecher erklärte: "Sofern die Testergebnisse zuverlässig sind, wäre das Betrug". Produkte mit Separatorenfleisch seien zu kennzeichnen, ihr Verkauf sei sonst verboten.

Die beschuldigten Unternehmen kritisierten vor allem die Untersuchungsmethoden. Dazu erklärte Foodwatch auf MDR-Anfrage, dass Gerichte entscheiden müssten, ob die Nachweise valide seien.

Wiesenhof: Methode hat keine solide Basis

Wiesenhof erklärte auf MDR-Anfrage, dass mit Sicherheit ausgeschlossen werden könne, dass Separatorenfleisch in den Produkten verwendet werde. Das Unternehmen verweist auf eine entsprechende eidesstattliche Erklärung, die auch NDR und Spiegel vorliegen soll.

Die Methode des Bremerhavener Labors bezeichnete Wiesenhof als "einen neuen wissenschaftlichen Ansatz zum möglichen Nachweis von Separatorenfleisch, der sich noch in der Entwicklung befindet, in der Praxis bisher jedoch keine Anwendung gefunden hat, in der Praxis auch nicht erprobt wurde und aufgrund möglicher Fehleranfälligkeit keine solide Basis ist".

Tönnies bezeichnet Berichte als Falschbehauptungen

Auch Tönnies weist die Vorwürfe zurück. Die Berichterstattung bezeichnet das Unternehmen als "Falschbehauptung". Es werde kein Separatorenfleisch eingesetzt. Die Tochterunternehmen haben eine entsprechende Stellungnahme herausgegeben.

Tönnies betreibt in Sachsen-Anhalt einen großen Schlachthof in Weißenfels, Wiesenhof einen in Möckern. Unternehmenssprecher erklärten, in den beiden Standorten in Sachsen-Anhalt kein Geflügelfleisch zu verarbeiten. Weil beide Unternehmen in Sachsen-Anhalt lediglich zerlegen und keine Produkte herstellen, sieht das Landwirtschaftsministerium keine Veranlassung für weitere Maßnahmen.

MDR (Mario Köhne, Kristian Schulze)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | 23. Juni 2022 | 21:45 Uhr

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