#MDRklärt So unterschiedlich wird in Sachsen-Anhalt mit Corona-Impfresten umgegangen

Ist eine Impfampulle angebrochen, muss sie innerhalb kurzer Zeit aufgebraucht werden – sonst verfällt das Serum. Wie mit den Resten umgegangen werden soll, ist klar geregelt. Doch nicht alle Landkreise halten sich daran.

Spritze mit Aufschrift 'Influenza-Impfstoff'
Wer bekommt die letzte Spritze? In einigen Landkreisen gingen Rest-Impfungen an Politiker. Bildrechte: imago images / Laci Perenyi | Grafik MDR

Nun ist auch Hartmut Handschak (parteilos), Landrat des Saalekreises, unter den Verantwortungsträgern, die sich vorzeitig gegen Corona haben impfen lassen. Der Politiker steht damit in einer Reihe mit dem Wittenberger Landrat Jürgen Dannenberg (Linke), dessen Stellvertreter Jörg Hartmann (CDU) sowie Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos).

Sie alle gehören nicht zur höchsten Prioritätsgruppe, sind aber dennoch geimpft. Die Erklärungen waren immer ähnlich: Es habe Restbestände gegeben, die aufgebraucht werden mussten.

Tatsächlich können mehrere Impfdosen aus einer Ampulle gewonnen werden. Wird die Ampulle nicht vollständig geleert, verfällt das Serum. Allerdings stellt das Sozialministerium klar, dass auch Impfreste ausschließlich nach der gültigen Verordnung verimpft werden müssen.

Viele Landkreise impfen nach Vorschrift

Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT bestätigten der Landkreise Harz, der Salzlandkreis, das Jerichower Land sowie der Altmarkkreis Salzwedel und die Landeshauptstadt Magdeburg, dass sie streng nach Vorschrift impfen und etwaige Reste an Rettungskräfte, Über-80-Jährige und an Einheiten der Feuerwehr verteilen.

Ein Sprecher des Jerichower Landes sagte zudem, dass es sehr selten vorkäme, dass Ampullen nicht vollständig aufgebraucht werden.

#MDRklärt Nach diesem Plan wird gegen Corona in Sachsen-Anhalt geimpft

In Sachsen-Anhalt beginnen am 27. Dezember die Impfungen gegen das Coronavirus. Doch weil noch nicht genug Impfstoff produziert wurde, wird die Bevölkerung in Stufen geimpft – je gefährdeter durch das Virus, desto eher.

In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
In diesen Stufen wird die Bevölkerung gegen Corona geimpft
Das ist der Plan, in welchen Stufen die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben.
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben. Bildrechte: MDRklärt
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Bildrechte: MDRklärt
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter. Bildrechte: MDRklärt
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Neue Einzelfallprüfung

Im Landkreis Stendal wurde dagegen vom Impfplan abgewichen. Hier sind 320 Polizisten sowie die Verwaltungsspitze des Johanniter-Krankenhauses vorzeitig geimpft worden. Das sorgte für starke Kritik, Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) forderte Aufklärung und drohte mit Disziplinarmaßnahmen.

Die bundesweit eingeführte Einzelfallprüfung betrefffe nicht Landräte und Oberbürgermeister. Das bestätigte der Pressesprecher des Sozialministerium Andreas Pinkert. Er sagte, mit der seit Montag neu gefassten Impfverordnung und der darin enthaltenen Einzelfallprüfung sei nicht das Impfen von Oberbürgermeistern, Landräten und Stadträten allein aufgrund ihrer Funktion gemeint. Das, was beispielsweise in Halle passiert sei, sei sowohl nach der alten als auch nach der neuen Impfverordnung unzulässig.

In der neuen Impfverordung des Bundes, gültig ab Montag, den 8. Februar 2021, wurde eine sogenannte Einzelfallprüfung mit aufgenommen. In der Begründung zur Impfverordnung steht: "Von der Reihenfolge nach Satz 1 kann in Einzelfällen abgewichen werden, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen, insbesondere bei einem Wechsel von einer der in Satz 1 genannten Gruppen zur nächsten, und zur kurzfristigen Vermeidung des Verwurfs von Impfstoffen notwendig ist."

Und weiter: "Als weitere prioritär zu impfende Personengruppe haben insbesondere diejenigen Personen einen Anspruch auf eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2, die beruflich einem sehr hohen Expositionsrisiko ausgesetzt sind und jene, die in zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge und für die Aufrechterhaltung zentraler staatlicher Funktionen eine Schlüsselstellung besitzen."

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MDR, Bernd-Volker Brahms, Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. Februar 2021 | 09:00 Uhr

3 Kommentare

MDR-Team vor 13 Wochen

Die Impfreste entstehen, wenn Termine nicht wahrgenommen werden. Die Impfdosen müssen gekühlt gelagert werden und haben kein langes Haltbarkeitsdatum. Am Ende des Tages kann es also vorkommen, dass vollständige Ampullen übrig sind. Das sind die Impfreste, die übrig bleiben und neu verteilt werden müssen, sonst würden sie im Müll landen.

Anni22 vor 13 Wochen

Wie entstehen den überhaupt relevante Impfreste? Werden die Reste aus den Ampullen den ganzen Tag gesammelt und dann verimpft?! Warum wird nicht eine Ampulle komplett geleert, ehe man die nächste anbricht?! Es ist mir schleierhaft wie größere Mengen "Impfreste" entstehen können.

jackblack vor 13 Wochen

Wer schreibt, der bleibt, Politiker ZUERST.

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