#DDRklärt So wurde in der DDR ein Auto gekauft

1965 warteten laut IFA-Vertrieb 60.000 Ost-Berliner auf ein Auto, davon alleine 36.000 auf einen Trabant. Im selben Jahr wurden aber im Stadtgebiet nur 4.800 PKW neu zugelassen. Das lag an der sogenannten Mangelwirtschaft. Nach der Verstaatlichung von Industrie und Landwirtschaft gab die SED vor, was und wie viel davon produziert werden durfte. Oft konnte der Plan wegen veralteter Technik, fehlender Materialien und Investitionsmittel nicht erfüllt werden. So entstanden lange Wartezeiten. Wer aber keine Lust hatte zu warten, konnte auch einen Gebrauchtwagen kaufen. Die Frage nur: Zu welchem Preis?

So wurde in der DDR ein Auto gekauft
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So wurde in der DDR ein Auto gekauft
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DDR-Bürger*innen ab 18 Jahren konnten sich einmal mit einem Autowunsch in eine Liste des IFA-Autohandels eintragen.
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Der IFA-Vertrieb informierte dann, sobald das Fahrzeug bereit stand. In der Regel nach vielen Jahren. Die Wartezeit für einen Neuwagen betrug sieben Jahre. Sie verlängerte sich, je älter die DDR wurde. 1989 lag sie bei geschätzten 17 Jahren.
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Das bedeutete aber auch, hatte man einen Trabant mit einer bestimmten Ausstattung bestellt, so bekam man bei der endgültigen Auslieferung ein neueres Modell.
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Da man nicht wusste, wer als erster eine Zuteilung erhielt, trugen sich vorsichtshalber ganze Familien in diese Listen ein.
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Gebrauchtwagenhandel als Ausweg: In den 1960er-Jahren wurde der private Gebrauchtwagenverkauf von staatlicher Seite beäugt und reglementiert. Wer überteuert verkaufte, konnte ins Gefängnis wandern. Die meisten DDR-Bürger*innen waren aber bereit zu zahlen, was gefordert wurde.
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Für Käufer galt als Faustregel: Das Doppelte des Neuwagenpreises minus 1.000 Mark pro Nutzungsjahr. Selbst für gebrauchte Reifen wurden Schätztabellen erstellt. Hier richtete sich der Preis nach der gemessenen Profiltiefe. Gegen Ende der DDR entstanden sogar von staatlichen Stellen geduldete Gebrauchtwagenmärkte. Dort stellte man seinen Trabi oder Wartburg ab. Durch die einen Spalt geöffnete Seitenscheibe, warfen Kund*innen Angebote hinein.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE am 3. Oktober 2021 | 19:00 Uhr.
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