MDR AKTUELL Mittendrin Das bewegt die Menschen in Halberstadt kurz vor der Bundestagswahl

MDR Aktuell-Redakteur Marvin Kalies
Bildrechte: Marvin Kalies

Vier Tage vor der Bundestagswahl hat unsere MDR AKTUELL-Mittendrin-Tour einen Halt in Halberstadt eingelegt. Auf unserem Sofa wollen wir von den Menschen aus der Region wissen, was sie bewegt und sie sich von der künftigen Bundesregierung wünschen. Dabei äußern sich die Menschen in Halberstadt vor allem zu den Themen Gesundheit, Rente und Familie.

Ein Sofa in Form eines Mikrofons steht auf einem Platz.
Unser Sofa der MDR AKTUELL-Mittendrin-Tour in Halberstadt befragt die Menschen, was sie sich von einer neuen Bundesregierung wünschen. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Auf dem Halberstadter Fischmarkt ist am Mittag reges Treiben. Viele sind zielstrebig unterwegs. Manche kaufen eine Kleinigkeit in der Drogerie, andere stärken sich in ihrer Mittagspause beim Bäcker oder am Bratwurststand. Immer wieder bleiben Menschen stehen, schauen unser Sofa in Mikrofon-Form an und nehmen Platz. Wir laden sie ein, mit uns über ihre Stimmung kurz vor dem Wahlsonntag zu sprechen.

Mehr Wertschätzung für Mütter

Als unser Team die Kamera auf dem Fischmarkt einrichtet, ist der kleine Paul schon ganz ungeduldig. Er wartet mit seiner Mama auf dem Sofa, bis es endlich losgeht. Seine Mutter Mary-Ann Heinrichs erklärt, was sie gerade besonders beschäftigt. Als Mutter von fünf Kindern wünscht sich die 36-Jährige, dass Frauen nach der Elternzeit wieder leichter in den Job einsteigen können.

Man muss auch als Mutter mit kleinem Kind die Chance haben, wieder arbeiten gehen zu können.

Mary-Ann Heinrichs

Das beschäftigt sie vor allem, weil ihr aktueller Arbeitgeber ihr gesagt habe, dass sie nach der Elternzeit nicht wiederkommen brauche. Sie sei dann als Arbeitnehmerin zu unflexibel. Als Jahrgangsbeste hatte sie damals die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement abgeschlossen. Heute hat sie Probleme, einen Job zu finden, weil sie sich für die Familiengründung entschieden hatte.

Mary-Ann Heinrichs mit Kind auf dem mdr-Aktuell-Sofa in Halberstadt
Mary-Ann Heinrichs sorgt sich vor allem um Mütter, die zurück ins Berufsleben wollen. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Deswegen wünscht sich die 36-Jährige von der kommenden Bundesregierung, dass Regeln geschaffen werden, damit Mütter leichter wieder in den Beruf kommen. Ihre Vorschläge reichen dabei von einer Mütterquote in Unternehmen bis hin zu staatlichen finanziellen Anreizen für Arbeitgeber, um Mütter einzustellen.

Stärken des Pflegesystems

Die Corona-Pandemie hat auch bei einigen Halberstädtern dazu geführt, dass sie sich mehr mit der Situation in den Krankenhäusern auseinandersetzen. So sind auch Mary-Ann Heinrichs Defizite im Pflegesystem aufgefallen, als sie vor einiger Zeit in Magdeburg für eine OP im Krankenhaus war.

Das Thema Pflege wird immer wieder im Wahlkampf angesprochen, auch schon bei vorherigen Wahlen, aber getan hat sich fast nichts.

Mary-Ann Heinrichs

Als Reiner Winkler auf unserem Sofa Platz nimmt, sagt er, dass ihm vor allem wichtig sei, dass in der Pflege etwas passiere. Der 77-Jährige findet, das Personal werde viel zu schlecht entlohnt.

Reiner Winkler auf dem Sofa der MDR AKTUELL-Mittendrin-Tour.
Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Die schwere Arbeit wird nicht so bezahlt, wie es sein müsste.

Reiner Winkler

Die Pflegekräfte seien alle sehr freundlich, würden ihr Bestes geben, damit man wieder gesund werde. Aber sie alle hätten kaum Zeit, alle ständen enorm unter Druck.

Michael Alexander mit seinem Hund Toni.
Michael Alexander berichtet uns über schlechte Erfahrungen, die er mit einer Krankenkasse gemacht habe. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Auch Michael Alexander wünscht sich eine Veränderung im Gesundheitswesen. Als der 57-jährige ehemalige Bodenleger mit seinem großen schwarzen Hund Toni ankommt, wendet er sich mit einer ganz persönlichen Geschichte an uns. Er hat Probleme mit seinen Blutwerten und ist dringend auf eine Blutwäsche angewiesen, die wolle ihm die Krankenkasse aber erst in eineinhalb Jahren zahlen. Er und sein Arzt fürchten, dass es dann zu spät ist.

Die Krankenkassen machen viel Plus und wenn man krank ist, zahlen sie nicht.

Michael Alexander

Im Arbeitsleben zahle man viel in die Krankenkasse ein, damit man im Notfall unterstützt werde. Das fehle ihm nun.

Mehr Unterstützung für Menschen in der Rente

Ingeborg Zumpe auf dem Sofa der MDR AKTUELL-Mittendrin-Tour.
Ingeborg Zumpe sorgt sich um die Renten ihrer Freunde. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Ingeborg Zumpe findet, dass die aktuelle Lage so schlecht derzeit gar nicht sei. Die 79-Jährige hat viele Jahre eine Schule in Wernigerode geleitet, dadurch gehe es ihr auch in der Rente finanziell gut. Aber sie wisse, dass es längst nicht allen Menschen im Ruhestand so gehe. Gerade in ihrem Umfeld gebe es mehrere Freundinnen und Freunde, die mit ihrer Rente kaum den ganzen Monat bestreiten könnten. Sie wünscht sich von der künftigen Bundesregierung, dass mehr für Menschen im Ruhestand getan wird.

Das sieht auch der Rentner Wolfgang Schenderlein so. Der 83-Jährige kritisiert, dass Menschen im Ruhestand jedes Jahr eine Steuererklärung machen müssen und dann auch noch die Situation entstehe, dass eine Steuernachzahlung gefordert würde, obwohl er in seinem ganzen Leben Einkünfte versteuert habe.

Mobilität mit Zukunft

Renate Schneider ist 55 Jahre alt und arbeitet in einem Fahrdienst. Ihr machen vor allem die steigenden Benzinpreise Sorgen. Sie befürchtet, dass sich die steigenden Kosten auch auf ihren Arbeitgeber und somit auf ihren Arbeitsplatz auswirken könnten. Frau Schneider wünscht sich deshalb, dass neue Lösungen geschaffen werden, damit alle Menschen eine Wende in der Mobilität ohne Probleme überstehen.

Zufrieden mit der aktuellen Situation

Als Christof Seifert-Bernhardt auf unserem Sofa Platz nimmt, sind wir gespannt, was ihn so kurz vor der Bundestagswahl beschäftigt. Der 54-Jährige sagt, die Themen vor der Wahl seien so alt wie das System selbst. Er arbeite als Berufsbetreuer am Amtsgericht und sei in seinem Alltag viel mit den gesetzlichen Vorschriften und Möglichkeiten beschäftigt.

Christof Seifert-Bernhardt auf dem Sofa der MDR AKTUELL-Mittendrin-Tour.
Christof Seifert-Bernhardt ist mit der aktuellen Situation eigentlich zufrieden. Bildrechte: MDR/Marvin Kalies

Er ist überzeugt, den Menschen in Deutschland gehe es eigentlich sehr gut. In keinem Anderen Land sei das System so sozial aufgebaut wie bei uns. Den aktuellen Wahlkampf beobachte er gelassen.

Die Trielle könnte man sich sparen, es geht um die Sache und nicht Personen.

Christof Seifert-Bernhardt

Er beobachte, dass CDU, SPD und Grüne im Prinzip alle für den Sozialstaat und die wichtigen Themen der Zeit stehen würden. Nur die Kommunikation der Parteien müsse verbessert werden.

Auch die Rentnerin Beate Bode ist grundsätzlich mit der aktuellen Situation zufrieden. Nur manchmal würde sie sich wünschen, dass Politikerinnen und Politiker in manchen Bereichen Entscheidungen besser aufeinander abstimmten.

Bei der Bildung ist es wichtig, dass in den Bundesländern gemeinsam gearbeitet wird.

Beate Schneider

Denn gerade wenn eine Familie umziehe, sei es wichtig, dass einheitliche Regeln gälten.

Was wünschen Sie sich?

Bei der interaktiven MDR Wünschekarte können auch Sie Ihre Wünsche an eine neue Bundesregierung eintragen. Bisher haben bereits mehr als 7.000 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen teilgenommen.

Hier können Sie sehen, was sich die Menschen in Ihrer Region von einer neuen Bundesregierung wünschen:

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 22. September 2021 | 21:45 Uhr

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