Nachgefragt Wie Eltern für ihre Kinder sparen können

Elisa Sowieja-Stoffregen
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

In Zeiten von Niedrigzinsen suchen Eltern in Sachsen-Anhalt verstärkt Rat zu Sparmöglichkeiten für Kinder. Eine beliebte Form, das Prämiensparen, hat nach der Kündigung vieler Verträge vorerst ausgedient. Die Verbraucherzentrale erklärt, wann sich welches Modell anbietet und warnt vor dubiosen Investmentangeboten im Internet.

  • Der bei Familien beliebte Prämiensparvertrag hat als Sparmodell für die eigenen Kinder vorerst ausgedient.
  • Bei einer längeren Laufzeit kann sich zum Beispiel eine Investition in ETF-Fonds lohnen.
  • Die Verbraucherzentrale warnt vor einer Betrugsmasche im Internet, mit der etwa ein Anleger im Raum Magdeburg mehr als 19.000 Euro verloren hat.

Familien ist in Zeiten niedriger Zinsen ein beliebtes Sparmodell für die Kinder weggebrochen: der Prämiensparvertrag. Banken und Sparkassen kündigten in den vergangenen Jahren reihenweise Verträge. Dabei hatten die Geldhäuser einst mit ihrer Werbung auch gezielt Eltern angesprochen, berichtet Yvonne Röhling von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt: "Es gab Flyer, die aufriefen: Sparen Sie für Auto und Ausbildung Ihres Kindes." Gefragt war das Modell wegen der Konditionen: Zinsen plus eine steigende Prämie. Die Kündigungen, eine Reaktion auf die Niedrigzinsen, sind zwar laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs teilweise unzulässig. Trotzdem hat das Modell vorerst ausgedient, neue Verträge schließen die Geldhäuser in der Regel nicht mehr ab. Familien müssen sich eine Alternative suchen. Das fällt ihnen oft schwer.

Die Nachfrage nach Beratungen rund um Sparmöglichkeiten fürs Kind hat laut Verbraucherzentrale in den vergangenen Jahren zugenommen. Genaue Zahlen hierzu erhebt die Beratungsstelle allerdings nicht. Das hohe Interesse erklärt Yvonne Röhling so:

Im Zuge der Niedrigzinsphase ist es nicht so einfach, wenn man sich langfristig binden möchte. Verbraucher fragen sich: Welches ist das geeignete Produkt, wenn ich 18 Jahre Zeit habe, für mein Kind etwas anzusparen?

Yvonne Röhling, Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Zu welchem Anlagemodell die Verbraucherzentrale Kundinnen und Kunden rät, um für Kinder zu sparen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, sagt die Expertin für Finanzdienstleistungen. Legt man zum Beispiel mehr Wert auf Sicherheit als auf eine hohe Rendite und scheut nicht davor zurück, die Bank zu wechseln, bietet sich ein Festgeldkonto an. Ist man bereit, ein etwas höheres Risiko einzugehen und will sein Geld über einen längeren Zeitraum anlegen, könne man in einen sogenannten ETF-Fonds investieren. Dieser zeichnet einen Börsenindex wie etwa den DAX nach. "Hierbei kann man oft auch schon mit kleineren Beträgen sparen", sagt Röhling. Zu aktiv gemanagten Fonds hingegen rät die Beratungsstelle wegen der höheren Kosten eher nicht.

Anleger aus dem Raum Magdeburg verlor mehr als 19.000 Euro

Es gibt auch eine Anlageform, mit der man sein Geld mit Sicherheit in den Sand setzt, berichtet Yvonne Röhling. Besonders in sozialen Medien wie Facebook und Instagram wird derzeit Werbung für dubiose Online-Plattformen gemacht. Die Finanzexpertin erklärt: "Sie zielen in erster Linie auf junge Menschen ab." In Youtube-Videos mit teuren Autos und Artikeln über eine scheinbar geniale Geschäftsidee stellen Betrüger hohe Gewinne durch die Investition in sogenannte Trading-Plattformen in Aussicht. Vermeintliche Mitarbeiter überzeugen die Anleger dann am Telefon, nach und nach immer mehr Geld zu investieren, welches sie letztlich nie wiedersehen. Seit Monaten häufen sich Röhling zufolge Beschwerden hierzu. Ein Anleger aus dem Raum Magdeburg hat mit der Betrugsmasche bereits mehr als 19.000 Euro verloren.

Neben Anlagemöglichkeiten für die Kinder informieren sich junge Menschen bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt auch häufig über die Finanzierung von Immobilien. Hierbei spielt Röhling zufolge allerdings weniger das Investment eine Rolle. Es geht eher darum, eigenen Wohnraum zu schaffen. Ob eine Immobilie eine sinnvolle Investition darstellt, dazu gibt die Beratungsstelle grundsätzlich keine Einschätzung ab. "Das können wir gar nicht. Denn wir haben zum Beispiel nicht die Möglichkeit, Immobilienpreise einzuschätzen", erklärt die Finanzexpertin.

Anlageberatung der Verbraucherzentrale Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt berät persönlich, telefonisch sowie per E-Mail und Video. Einen Termin kann man unter der Telefonnummer (0345) 29 27 800 oder unter www.verbraucherzentrale-sachsen-anhalt.de vereinbaren. Die Spar- und Anlageberatung kostet 10 Euro je angefangene 15 Minuten.

Doch wieviel Geld legen Familien in Sachsen-Anhalt überhaupt auf die Seite? Aus Daten des Statistischen Landesamtes lässt sich ein Richtwert ableiten. Privathaushalte sparten demnach zuletzt 6,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Dieses bezeichnet das Einkommen abzüglich Steuern und Sozialabgaben. Es lag in Sachsen-Anhalt im Jahr 2019 bei 20.504 Euro pro Person. Bei einer Familie mit zwei Elternteilen ergibt sich somit ein jährlicher Sparbetrag von rund 2540 Euro. Mit der Sparquote liegt Sachsen-Anhalt im Ländervergleich auf dem letzten Platz. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg mit 13 Prozent, dort hatte eine Person aber auch rund 5220 Euro im Jahr mehr Einkommen zur Verfügung.

Quelle: MDR/Elisa Sowieja-Stoffregen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 25. Oktober 2021 | 22:10 Uhr

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