Bauern: "So schlimm wie nie" Spargelabsatz geht trotz gesunkener Preise nach unten

Die Preise sind verglichen mit den Vorjahren zurückgegangen – und dennoch sinkt auch der Absatz. Das ist die vorläufige Bilanz vieler Spargelbauern in Sachsen-Anhalt. Dass in diesem Jahr noch der Mindestlohn steigt, nennt mancher gar einen "Todesstoß". Dabei mahnen Gewerkschaften genau das schon seit langem an.

Frischer Spargel wird präsentiert im einem Hoflafden.
2022 wurde in Sachsen-Anhalt weniger Spargel als üblich verkauft. Bildrechte: dpa

Der Preis ist so niedrig wie lange nicht – und trotzdem haben viele Spargelbauern in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr deutlich weniger verkauft als in den Vorjahren. Das erklärte der Sprecher des Verbands Ostdeutscher Spargel- und Beerenobstanbauern, Henning Hoffheinz, aus Genthin. Hoffheinz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Nachfrage sei "definitiv" schwächer als in den Vorjahren. Das Niveau des Verkaufs liege auch unter dem der Saison 2019, also dem Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

Betrieb will Verkaufsstände früher abbauen

Den Verkaufsrückgang in diesem Jahr bestätigte auch der Spargelhof Heinl in Goldbeck im Landkreis Stendal. Junior-Chefin Laura Heinl sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Verkauf sei sowohl im Großhandel als auch an den Verkaufsständen gesunken. Ihr Betrieb werde nach Pfingsten jeden fünften Verkaufsstand vorzeitig abbauen – dabei läuft der Verkauf traditionell eigentlich noch bis zum Johannistag Ende Juni.

Andere, darunter der Geschäftsführer der Firma Agrico Naturprodukte aus Lindau bei Zerbst, Peter Gottschalk, sehen die Lage weniger dramatisch. Gottschalk sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von einem "fast unbedeutenden Umsatzrückgang". Er glaube nicht, dass es am Ende der Saison mehr als zehn Prozent Rückgang seien. Das Unternehmen baut nach eigenen Angaben auf rund 15 Hektar Spargel an.

Bäuerin: "Froh, nicht nur auf Spargel angewiesen zu sein"

Andere Spargelbauern im Land gehen in ihrer Analyse noch weiter: Carmen Kalkofen aus Cobbel im Landkreis Stendal sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von der "schlechtesten Saison" seit Gedenken. Sie sei froh, dass sie nicht ausschließlich auf Spargel angewiesen sei. "Spargel ist kein Grundnahrungsmittel und da wird jetzt gespart."

Über die Gründe für den zurückgegangenen Absatz herrscht unter vielen Spargelbauern Einigkeit: Auch Verbandssprecher Hoffheinz hält die allgemein gestiegenen Kosten für ausschlaggebend. Zudem setzten viele Menschen nach zwei Jahren Pandemie mal wieder auf die Möglichkeit, Urlaub zu machen.

Spargel wird als Luxusprodukt gesehen.

Hennig Hoffheinz Spargelbauer aus Genthin

Schon jetzt sind die Aussichten für die kommende Saison nicht rosig, jedenfalls nicht aus Sicht der Bauern. Spargelbäuerin Kalkofen sagte, die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro "versetzt uns den Todesstoß". Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sehen das anders: Wiederholt hatten Gewerkschaften in den vergangenen Jahren prekäre Arbeitsbedingungen osteuropäischer Arbeitskräfte in Deutschland kritisiert.

Lohn für Erntehelfer in der Heimat noch niedriger

Zahlen von 2020 zufolge kommt in der deutschen Landwirtschaft jeder dritte Arbeitnehmer aus Osteuropa. Allerdings hatten sich im Zuge der Corona-Pandemie unter anderem die Hygienestandards bei der Unterbringung von Saisonkräften erhöht. Viele Arbeitskräfte zum Beispiel aus Rumänien verdienen in Deutschland trotz vergleichsweise niedriger Löhne noch immer mehr als in ihrem Heimatland. In Polen etwa arbeiten Erntehelfer für 2,50 Euro in der Stunde.

Mehr zum Thema: Spargel-Absatz geht zurück

Rezepte und Tipps rund um Spargel

MDR (Bernd-Volker Brahms, Marcel Knop-Schieback, Grit Lichtblau, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. Mai 2022 | 15:30 Uhr

6 Kommentare

Denkschnecke vor 10 Wochen

Interessant ist, dass laut Spargelbäuerin Kalkhofen sich die Spargelernte nur rentiert, wenn man den Erntenden weniger als 12 € pro Stunde zahlt, und das für eine körperlich sehr anstrengende Arbeit. DAS ist ein Problem.
Immerhin ist Spargel gerade so günstig, dass unsere Mensa sich wie in den Vorjahren eine ganze Spargelwoche (ohne geänderte Preise) leisten konnte.

zenkimaus vor 10 Wochen

Überall das selbe egal ob in Sachsen oder Thüringen oder Sachsen -Anhalt. Ich wohne in Dresden und habe im Umkreis von 10 km nur Spargelhütten welche Spargel aus Beelitz verkaufen. 2kg Bruch kosten 7 Euro, 2 kg normale Güte 9 Euro . Güteklasse 1 1 kg 12 Euro. Doch wozu Bruch schmeckt genauso gut.Übrigens gegen 15 Uhr ist der Spargel immer ausverkauft. Ich habe hier nicht einmal im Konsum Spargel aus Mitteldeutschland bekommen. Auch ist der Trend zum Grünen Spargel von den hiesigen Bauern etwas verschlafen worden.

Dreibeiner vor 10 Wochen

MAN KENNT SICH JA SONST NICHTS 😂

sorry für Tippfehler

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