Rückzug Weniger Filialen der Sparkasse in Sachsen-Anhalt

Geld überweisen, Bargeld abholen oder die Adresse ändern: Immer mehr Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte online. Die Sparkasse in Sachsen-Anhalt beschleunigt deswegen die Schließung von Filialen.

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Die Sparkassen in Sachsen-Anhalt haben erneut ihr Filialnetz verkleinert (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Die Sparkassen in Sachsen-Anhalt haben erneut ihr Filialnetz verkleinert. Das geht aus dem Jahresbericht des Geschäftsjahres 2021 hervor. Seit 2016 hat die Sparkasse in Sachsen-Anhalt 44 Filialen geschlossen. Derzeit gibt es noch 284 Geschäftsstellen. Die Anzahl der Geldautomaten sank innerhalb von fünf Jahren um 65 Automaten auf 606. Die Anzahl der Mitarbeiter sank um 680 Beschäftigte auf 4.203.

Gründe sind etwa die wachsende Zahl von Online-Konten oder Alternativen zum Bargeld-Abheben am Automaten, beispielsweise an der Kasse im Supermarkt. Die Einlagen – also das durch die Sparkassen verwaltete Vermögen – ist dennoch weiter gestiegen, auf 1,4 Milliarden Euro.

Videosprechstunde ersetzt Mitarbeiter vor Ort

Die Kreissparkasse in Stendal hatte kürzlich auch einen Video-Service in den drei Geschäftsstellen in Lüderitz, Goldbeck und Schönhausen gestartet. Kunden werden dort per Video beraten, so werden Mitarbeiter vor Ort eingespart.

Derzeit sei die hohe Inflation ein großes Problem für das Bankwesen und ihre Kundinnen und Kunden, sagt Ludger Weskamp, Chef des Ostdeutschen Sparkassenverbands.

Die Europäische Zentralbank nimmt in Kauf, dass Ersparnisse, Altersvorsorge und Löhne weiter entwertet werden und die Lebenshaltung für viele zu einer Herausforderung wird.

Ludger Weskamp Ostdeutschen Sparkassenverband

Sparkassenkunden seien oft übermäßig belastet. Sie hätten zumeist bescheidene Ersparnisse und Einkünfte, könnten wenig Geld zurücklegen. Die große Mehrheit der Sparkassenkunden habe weniger als 4.000 Euro auf ihren Giro- und Sparkonten. Da könne man die gestiegenen Lebenhaltungskosten nicht einfach wegstecken. Nach eigenen Angaben verwalten die Sparkassen mehr als die Hälfte des Geldes auf Girokonten und knapp 70 Prozent der Spareinlagen der Bankkunden in Ostdeutschland.

Bankgeschäfte werden meist Zuhause erledigt

Die Bedeutung der Bankfilialen nimmt seit einiger Zeit ab. Inzwischen erledigt die Mehrheit der Bankkunden in Deutschland ihre Geldgeschäfte einer Umfrage vom Januar zufolge hauptsächlich am PC oder Smartphone. Dieser Entwicklung habe die Corona-Pandemie einen kräftigen Schub verschafft, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Christian Ossig.

Unsere aktuelle Umfrage zeigt: Bereits 56 Prozent der Befragten wickeln ihre Bankgeschäfte in erster Linie online oder per Smartphone ab.

Christian Ossig Bundesverband deutscher Banken

Gut ein Drittel (35 Prozent) der etwas mehr als 1.000 befragten Erwachsenen nutzt demnach einen Computer oder Laptop für Kontoabfragen und Überweisungen. 21 Prozent machen dies vor allem über eine App auf dem Smartphone. Ein Viertel (25 Prozent) bevorzugt nach eigenen Angaben den Gang an den Schalter in der Filiale.

Am Wichtigsten ist Bankkunden bei der Wahl ihres Kanals der Umfrage zufolge, dass sie ihre Geldgeschäfts sicher erledigen können (84 Prozent). Der persönliche Kontakt mit dem Personal in der Bank oder Sparkasse ist der Mehrheit demnach nicht so wichtig (41 Prozent). Mehr als 60 Prozent der Befragten halten Online-Banking für sehr sicher oder sicher. 30 Prozent haben Bedenken.

MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Mai 2022 | 08:00 Uhr

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