Kritik an Mineralölkonzernen Spritpreise: "Werden lange mit hohem Preisniveau leben müssen"

Tanken sorgt derzeit bei vielen Verbrauchern für Geldprobleme. Allerdings werden wir uns auf längere Sicht auf hohe Spritpreise einstellen müssen, sagt Wirtschaftsforscher Oliver Holtemöller aus Halle. Die hohen Gewinne streichen sich die Mineralölkonzerne ein, kritisiert der ADAC. Derweil sucht die Bundesregierung eine Strategie, um vor allem Geringverdiener zu entlasten.

Eine Frau nimmt an einer Tankstelle in Hamburg Geld aus dem Portmonee, nachdem sie ihr Auto betankt hat
Der Spritpreis wird langfristig hoch bleiben, sagen Experten. Bildrechte: dpa

Normalerweise läuft es so: Steigen die Benzinpreise, sinken sie irgendwann auch wieder. "Das ist ein Muster, das wir immer bei Preisschwankungen beobachten", sagt Wirtschaftsforscher Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut in Halle im MDR SACHSEN-ANHALT-Interview.

Oliver Holtemöller
Wirtschaftsexperte Oliver Holtemöller: Kommt ein russischer Lieferstopp, steigen die Preise weiter. Bildrechte: dpa

Wie sich die Spritpreise demnächst weiter entwickeln, hängt laut Holtemöller vor allem von Ereignissen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine ab. "Wenn es tatsächlich zu einem Importstopp von russischem Öl und Gas käme, dann würden wir noch deutlich weiter steigende Preise sehen. Das würde auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern sehr schnell ankommen."

Die Unternehmen sind recht schnell dabei, bei steigenden Kosten auch die Preise zu erhöhen. Wenn die Kosten wieder sinken, dauert es etwas länger, bis das auch an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wird.

Oliver Holtemöller Wirtschaftsforscher am Leibniz-Institut in Halle

Schnelle Preissenkungen unwahrscheinlich

Doch selbst bei einer Entschärfung der Konfrontation rechnet Holtemöller nicht mit schnellen Preissenkungen. "Wenn sich die Situation entspannt, könnte es auch mit den Preisen wieder ein bisschen abwärts gehen, aber da würde ich jetzt nicht zu schnell drauf setzen. Wir werden noch eine ganze Zeit lang mit dem höheren Preisniveau leben müssen." Positiv könne sich die Situation auf die Energiewende auswirken, so Holtemöller.

So bitter sich das für einige Menschen anhören mag: Die steigenden Preise für fossile Brennstoffe sind natürlich nützlich beim Umstieg auf umweltfreundlichere Technologien. Der Preis ist da schon der richtige Weg.

Oliver Holtemöller Wirtschaftsforscher am Leibniz-Institut in Halle

Wichtig sei aber, dass der Staat einen sozialen Ausgleich für Menschen mit schwachen Einkommen schaffe. Die Spritpreise stagnieren seit einigen Tagen auf sehr hohem Niveau. Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Montags 2,203 Euro pro Liter, wie der ADAC am Dienstag mitteilte. Das sind 0,4 Cent mehr als am Vortag und knapp ein Allzeithoch. Diesel verteuerte sich um 0,2 Cent auf 2,307 und liegt damit 1,4 Cent unter seinem Rekordwert aus der vergangenen Woche.

Öl-Nachfrage steigt

Normalerweise bewegen sich die Preise für Öl und Sprit relativ im Gleichschritt, doch derzeit sind sie weitgehend entkoppelt. Am Dienstag sank der Preis für Öl der in Europa wichtigen Sorte Brent zwischenzeitlich unter 100 Dollar pro Fass (159 Liter) und näherte sich den Werten vor Kriegsbeginn. Nach dem russischen Angriff war er bis Anfang vergangener Woche über 130 Dollar gestiegen.

In der Spitze wurde kurzfristig sogar ein Wert von 139,13 Dollar erreicht. Seither ist der Preis allerdings wieder stark gesunken. Beim Sprit ist davon aber nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel sind in der Phase des Ölpreis-Rückgangs eher teurer als billiger geworden.

Mineralölkonzerne machen derzeit große Gewinne

Eine ADAC-TankApp auf einem Smartphone zeigt die aktuellen Preise für Diesel, während im Hintergrund ein Auto getankt wird.
ADAC: Mineralölkonzerne verdienen derzeit richtig gutes Geld. Bildrechte: dpa

Auch beim ADAC moniert man diese Diskrepanz. "Trotz aller kriegsbedingter Sondereffekte und Erklärungen für die hohen Spritpreise – irgendwo zwischen Ölförderung und Tankstelle bleibt das zusätzliche Autofahrergeld hängen", sagt Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht.

Die Mineralölkonzerne verdienen im Raffineriegeschäft derzeit richtig gutes Geld.

Jürgen Albrecht Kraftstoffmarkt-Experte beim ADAC

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) äußerte sich ähnlich. Der Verband verwies auf eine höhere Nachfrage bei gleichzeitig zurückgegangenem Angebot. Die höheren Preise für Kraftstoffe aus heimischen Raffinerien oder dem Ausland seien "ein Indikator für eine Produktknappheit, die in diesem Fall europa- und weltweit gilt".

Händler nehmen russischen Lieferstopp vorweg

Auch der Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG, Jürgen Ziegner, sieht diese Knappheit. Vor allem bei Diesel und ihm ähnlichen Produkten werde in Deutschland weniger produziert als verbraucht. Ein relevanter Teil des Imports sei bisher aus Russland gekommen, doch viele Händler nähmen bereits ein mögliches Importverbot vorweg.

Dadurch werde der Treibstoff knapper und damit teurer. Dazu kämen Angst und Spekulation. Und es sei auch nicht auszuschließen, dass manche Unternehmen versuchten, etwas Speck anzulegen, um für sinkende Preise gewappnet zu sein. Die Tankstellen selbst hätten dagegen kaum Möglichkeiten, die Preise zu gestalten.

Staatlicher Zuschuss an der Tankstelle?

Die Bundesregierung ringt angesichts der explodierenden Preise weiter um eine Entlastung der Bürger beim Tanken und Heizen. Eine neunköpfige Kommission mit Vertretern der Ampel-Fraktionen soll die Vorstellungen von SPD, Grünen und FDP nun vereinen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte einen befristeten staatlichen Zuschuss ins Spiel gebracht. Er will den Spritpreis damit auf unter zwei Euro pro Liter Diesel oder Benzin drücken. Die konkrete Ausgestaltung ist offen. Dafür erntet er Kritik von Experten.

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dpa, MDR (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 18. März 2022 | 08:10 Uhr

27 Kommentare

hinter-dem-Regenbogen vor 20 Wochen

@Brigitte Schmidt __" Das erklären uns Menschen, denen genau dieser Preis nicht mal halb so wehtut . . .

Die Rettung der Welt ist ja auch nicht die Erfindung der wertschöpfenden Arbeieter gewesen . Es war die Erfindung derer, die von der Wertschöpfung der arbeitenden Menschen leben.
So erklärts sich auch das Unwohlsein in der breiten Bevölkerung und die zweispaltung der Gesellschaft.

Auf den Punkt vor 20 Wochen

Was wir kleinen Selbständigen auszustehen haben mit dem völlig abgedrehten Preiskarussell, kommt nirgendwo vor.
Hier wurde eine Enteignungswelle losgetreten die an Ignoranz, Schwachsinn, Habgier und Sinnlosigkeit nicht zu übertreffen ist. Alle halten die Hand weit auf, keiner soll es schuld sein.
Wenn das so weitere geht müssen
viele von uns zu machen mich eingeschlossen.
Dann dürft Ihr Verantwortlichen die Drecksarbeit selber machen.
Dann wird es auch keinen mehr geben , nicht für alle eure Kohle die dann noch irgendwas für euch machen.
Warum auch, ist eh Sinnlos.
Wie man so Hirnbefreit ein Wirdschaft an die Wand fahren kann ist mir unverständlich.
Es ist eine Bodenlose Frechheit.
Labert nicht rum sonder macht euren Job für den Ihr unterschrieben habt und den ihr euch von unsere Steuergeldern fein Alimentieren lasst.

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 20 Wochen

"die alles entscheidenden vielen Tausenden € immer noch!"

Einer von den grünen hat doch den grandiosen Vorschlag gemacht, einen Kredit aufzunehmen.

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