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Macht auch mal an der Elbe halt: das "Traumschüff" in Wittenberge. Bildrechte: Myriam Oosterkamp

Mit Theater gegen PolitikfrustWenn das "Traumschüff" vor Publikum ankert

25. Juni 2024, 16:37 Uhr

Das "Traumschüff" ist bereits in der achten Saison auf der Havel unterwegs und unterhält das Publikum mit Theater, Offener Bühne, Kino, Konzerten und Diskussionen. Mit dem neuen Stück "Bürgermeisterschaft" wollen die kreativen Theaterleute aus Brandenburg eine Lanze brechen für die Lokalpolitik. Sie werben angesichts von Politikverdrossenheit für ein Engagement in der Gesellschaft.

Wieder einmal hat der zwölf mal fünf Meter große Katamaran in Havelberg halt gemacht. Obwohl es jährlich eine Reihe verschiedener Spielorte für das "Traumschüff" gibt, so ist Havelberg ein besonderer Anlegeplatz. Dort wurde die schwimmende Theaterbühne vor sieben Jahren auf der Kibitzwerft nach einer Vorlage eines Konzeptes von Studierenden der Bauhaus Universität Weimar gebaut.

Bei den Menschen vor Anker gehen

"Wir sind eine Genossenschaft", sagt Gründer und Organisator David Schellenschmidt über das besondere Theaterprojekt. Der 34-jährige Schauspieler, der sein Handwerk an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin erlernt hat und auch Ensemblemitglied des Staatstheaters Mainz war, wollte mit dem "Traumschüff" näher an die Menschen herankommen. "Das gilt nicht nur räumlich, sondern vor allem inhaltlich", sagt David Schellenschmidt.

Theaterstoff aus der Stadtratssitzung

Im aktuellen Stück "Bürgermeisterschaft" geht es um das ehrenamtliche Engagement in der Lokalpolitik. "Seit mehr als zehn Jahren merkt man, dass sich die Gesellschaft spaltet, dass der Ton rauer wird, das es schwieriger wird, konstruktiv miteinander zu reden", sagt Autorin Nikola Schellenschmidt. "Und das ist ja dann das, was sich in einer Demokratie als großes Problem bemerkbar macht, weil es ja nur funktioniert, wenn man in der Lage ist, Kompromisse zu finden", sagt sie.

Das "Traumschüff" ist für Schellenschmidts Bühne und Zuhause. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Für das Stück hat sie sich in manch eine Stadtratssitzung begeben und hat mit zahlreichen Akteuren Interviews geführt. Dazu gehörten Bürgermeister, genauso wie Mitglieder aus Ortschaftsräten und auch Redakteuren der Lokalpresse, "Es ist ja auch wichtig, wie so etwas kritisch begleitet wird", sagt sie.

Dass man auf eine halbwegs leichte, humorvolle Weise sich damit auseinandersetzen kann, ein bisschen mehr Einblicke kriegt und einfach einen netten Abend dabei haben kann.

Nikola Schellenschmidt, Autorin

"Es ist nicht immer einfach nachzuvollziehen, wie Politik funktioniert – selbst im Kleinen", sagt Theaterautorin Nikola Schellenschmidt. Als sie sich mit dem Thema Lokalpolitik beschäftigt hatte, da sei ihr erst klargeworden, wie wenig sie eigentlich von den Zusammenhängen überhaupt gewusst hatte. "Wenn man Dinge mitgestalten möchte, dann muss man ja eigentlich erst einmal wissen, wie es läuft und wie man etwas bewirken kann", sagt sie. Letztlich sei dies der Kit der Demokratie. "Und ich finde, dass man das Ganze an diesem doch recht kleinen und handfesten Beispiel von Kommunalpolitik ganz gut anschaulich machen kann." Auf der schwimmenden Bühne gehe es darum, auf leichte Art dieses Thema dem Publikum nahezubringen.

Wenn das Schiff anlegt, wird der Hafen zur Zuschauertribüne. Bildrechte: Gerhard-Baack

 Erst Bühne, dann Esszimmer

Das Traumschüff ist jährlich in zwei Sommermonaten unterwegs. Zahlreiche Schauspieler und auch Organisatoren wirken mit. Dabei wird die schwimmende Theaterbühne auch als großes Wohn- und Esszimmer genutzt. David und Nikola Schellenschmidt übernachten aber mittlerweile lieber in den Begleitfahrzeugen, schließlich gehören mittlerweile auch noch zwei kleine Kinder des Paares zum Tross dazu.

"Das Ganze ist zu einem Ganzjahresprojekt geworden", sagt David Schellenschmidt. Neben dem Theaterschiff wird in Oranienburg, in der Heimat des Paares, auch noch das "Theater im Werk" bespielt, ein Saal im Kesselhaus des ehemaligen VEB Kaltwalzwerk Oranienburg. "Ein Teil der Arbeit besteht in der Mittelakquise", sagt Gründer Schellenschmidt. Neben einem Crowd-Funding für das Theaterschiff "Genossin Rosi" fördern das Land Brandenburg und die Städte Oranienburg und Liebenwalde sowie die Plattform Kulturelle Bildung das Projekt. Auch die Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen-Anhalt ist mit "im Boot".

Freier Eintritt an Land

"Der Eintritt zu unseren Veranstaltungen ist frei", sagt David Schellenschmidt. Trotzdem gibt es immer einiges an Spenden. "Wir kommen mittlerweile auf durchschnittlich rund 130 Besucher pro Vorstellung", sagt er.

Als Nächstes legt das Theaterschiff am Donnerstag, dem 27. Juni, und Freitag, dem 28. Juni, in Rathenow für Vorstellungen an.

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MDR (Bernd-Volker Brahms, André Plaul)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Juni 2024 | 13:30 Uhr

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