Naturschutz Seeadler in der Altmark erschossen: GPS entlarvt mutmaßlichen Täter

Ein 81 Jahre alter Jäger hat offenbar Ende Februar in der Nähe von Gardelegen einen geschützten Seeadler erschossen. Der GPS-Sender des Vogels hat den mutmaßlichen Täter verraten. Das europaweit agierende "Komitee gegen den Vogelmord" hat Strafanzeige erstattet.

  • Die gespeicherten GPS-Daten haben zum mutmaßlichen Täter geführt, aber auch Informationen über den Zustand des Tieres gegeben.
  • Tierschützer vermuten Futterneid hinter dem Abschuss.
  • Nach Angaben von Tierschützern gab es in den letzten Jahren 40 Vorfälle mit Seeadlern in Sachsen-Anhalt. Insgesamt sieben Tiere sollen erschossen worden sein.

Ein erschossener Seeadler ist Ende Februar bei Gardelegen gefunden worden – in der Nähe wurde auch der GPS-Sender, den das streng geschützte Tier getragen hatte, entdeckt. Durch diesen kamen Naturschützer schließlich auf den mutmaßlichen Täter: Denn der Mann hatte den erschossenen Seeadler offenbar mit nach Hause genommen. Als er dort später den Sender entdeckte, entsorgte er den Kadaver in einem Gewässer. Den Sender hängte er an ein Stück Holz und warf ihn ebenfalls ins Wasser.

Fundsituation des an einem Holzstück befestigten Senders
Der Sender war an einem Holzstück im Wasser gefunden worden. Bildrechte: LIFE EUROKITE

Durch die gespeicherten Routendaten kam man dem Jäger auf die Schliche. Nach Angaben von Rainer Raab vom zuständigen Artenschutzprojekt "Life Eurokite" ist es das erste Mal, dass in Deutschland der illegale Abschuss eines Adlers mit Hilfe eines Senders minutiös und auf den Meter genau dokumentiert werden konnte.

Auskunft gab das Speichermedium auch über den erschossenen Seeadler selbst. Demnach war er 2019 im Landkreis Anhalt-Bitterfeld geboren und mit dem Sender versehen worden. Später wurde er noch auf Hiddensee beringt. Axel Hirschfeld, der Sprecher des "Komitee gegen den Vogelmord e.V.", sagte, die Auswertung habe auch ergeben, dass der geschossene Seeadler "kerngesund" gewesen sei.

#MDRklärt Diese Säugetiere werden in Sachsen-Anhalt streng geschützt

Diese Säugetiere sind in Sachsen-Anhalt stark geschützt
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Diese Säugetiere sind in Sachsen-Anhalt stark geschützt
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Wolf
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Biber
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Nerz
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MDR (Maximilian Fürstenberg) Dieses Thema im Programm | MDR um 11 | 03. März 2022 | 11:00 Uhr Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Motiv für Abschüsse: Futterneid

Warum der 81 Jahre alte Jäger den Greifvogel erschoss, soll das Strafverfahren klären. Das "Komitee gegen den Vogelmord" hat den Mann wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, gegen das Bundesnaturschutzgesetz und gegen das Bundesjagdgesetz angezeigt. Die Erfahrung zeige, so Sprecher Axel Hirschfeld, dass eine Art Futterneid der Hauptgrund für derlei Abschüsse sein könnte. Greifvögel wie zum Beispiel Seeadler fräßen Kaninchen und Fasane und nähmen so in den Augen von Jägern deren Beute weg. Eine zweite Tätergruppe neben den Jägern wären Tauben- und Geflügelzüchter. Die würden Greifvögel schießen, um ihre Zuchtküken zu schützen.

Der erschossene Seeadler ist jetzt ein Beweismittel und liegt tiefgefroren bei der Unteren Naturschützbehörde des Altmarkkreises.

Naturschützer erwarten strenges Durchgreifen

Seeadler
Sieben Seeadler wurden laut Tierschützern in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt erschossen. (Archivbild) Bildrechte: Hans Glader

Dieter Leupold vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Salzwedel zeigte sich "entsetzt" von dem Abschuss des Seeadlers. Die Bestände hätten sich besonders entlang der Elbe nach der Wende gut erholt, vor allem dank strenger Schutzmaßnahmen – zum Beispiel dem Abschussverbot – und dem Verbot von Pestiziden. Leupold sagte MDR SACHSEN-ANHALT, wenn man davon ausgehe, dass der 81 Jahre alte Jäger den Vogel verwechselt oder nicht erkannt habe, müsse man erst recht eingreifen. Er erwarte, dass die Behörden strikt durchgreifen.

40 Vorfälle mit Seeadlern in den letzten Jahren

Der Abschuss des Seeadlers Ende Februar in der Altmark ist allerdings nicht der einzige. In den "letzten Jahren", teilte das "Komitee gegen den Vogelmord" mit, seien in Sachsen-Anhalt 40 Fälle bekannt geworden, in denen Seeadler Opfer von Menschen wurden. Fünfzehnmal wurden Tiere gefangen, zehnmal wurde ihr Nest zerstört, sieben Seeadler wurden abgeschossen, sechs vergiftet. Komitee-Sprecher Hirschberg sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das sei nur die Spitze des Eisberges. Erfahrungsgemäß blieben mehr als 90 Prozent aller Taten unentdeckt.

MDR (Katharina Häckl, Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | | 08. März 2022 | 17:00 Uhr

6 Kommentare

ABCD vor 29 Wochen

Ich kann mir nur meinen Vorrednern anschließen.
Eine solche Tat sollte hart bestraft werden. Es kann nicht sein, dass Menschen nach eigenem Ermessen, geschützte Arten erschießen.

Ein Gedanke dazu, der sich mir aufdrängt.
Der Aufschrei in der Bevölkerung ist groß, wenn, wie in diesem Beispiel, Vögel erschossen oder bspw. Hund gequält werden. Das diese Moral jedoch nicht angewandt wird, insofern es sich um die eigene Ernährung handelt, ist nicht nachvollziehbar. Es ist eine Doppelmoral, die in der Gesellschaft als "normal" gilt. Das Schießen eines See Adlers wird, richtigerweise, schwer verurteilt. Das Schlachten von Milliarden von Schweinen, Rindern, Hühnern, die auf unserem Teller landen, ist dagegen vollkommen legitim. Das die carnivore Ernährung einer der größten Faktoren für die Zerstörung von natürlichem Lebensraum ist, bleibt ebenso unbeachtet. Die Reaktionen auf den Artikel sind richtig. Sie stehen jedoch ebenso als Beispiel für das prävalente Denken in unserer Gesellschaft.

SGDHarzer66 vor 29 Wochen

Ja, das stimmt zweifellos - hat mich auch zum weiteren Nachdenken angeregt.

MikeS vor 29 Wochen

Eine Geldstrafe aufbrummen, die ihn bis ans Ende seiner Tage verfolgt! Das seine Waffenkarte weg ist, sollte selbstverständlich sein.

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