Akustische Zeitreise Hören, spazieren – und die Zukunft der Künstlerstadt Kalbe erleben

Eine blonde Frau mit Brille
Bildrechte: Carina Emig

Wie sieht es in Kalbe im Jahr 2030 aus? Das können Einwohner und Touristen bei einem Hörspaziergang durch die Mildestadt erfahren. Drei Autoren haben dazu viele Gespräche geführt. Ergebnis: ein akustischer 60-Minuten-Spaziergang.

Audiowalk
So kann man Kalbe 2030 erleben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gespräche gab es mit Kalbenser Ureinwohnern, Zugezogenen, Rückkehrern, Handwerkern, Geschäftsinhabern, Künstlern, aber auch Stadträten, Regional- und Landespolitikern – heraus kam ein rund 60-minütiger Audiowalk und damit eine zukunftsweisende Stadtführung durch die Künstlerstadt Kalbe. Das Hörerlebnis ist individuell und kostenfrei jederzeit erlebbar.

"Willkommen im Kalbe 2030, im Kalbe der Zukunft". Mit diesen Worten des Schauspielers Martin Schnippa beginnt der Hörspaziergang. Er ist einer von drei Berliner Künstlern, die über mehrere Monate immer wieder nach Kalbe kamen, um den Stoff für den Audiowalk zu generieren.

Die Intention hinter dem Kunstprojekt: "Vergangenheitsbewältigung ist gerade im Osten Deutschlands ein großes Thema. Wir suchten nach einem optimistischen Ansatz und nach einer positiven Möglichkeit, mit möglichst vielen Kalbensern über ihre Stadt ins Gespräch zu kommen", sagt Schnippa. Der Audiowalk entstand im Rahmen des Neustartkulturprogramms mit dem Ziel, Menschen für spannende Kulturprojekte zu begeistern, wenn der Zugang zur Kultur eingeschränkt ist.

Die Künstler

  • Martin Schnippa ist freiberuflicher Schauspieler und Sprecher. Er lebt und arbeitet in Berlin.
  • Anton Rose arbeitet als Regisseur, Produzent und Autor für vielfältige theatrale und mediale Formate.
  • Niki Neecke ist international als Musiker, Komponist und Sound Designer tätig und bewegt sich in den Bereichen Film, Sound Art und Theater.

Einfach "geiler Sound"

Was dabei herausgekommen ist, hört sich an diesem Tag Daniele Regge an. Die Berlinerin hat von der Künstlerstadt über Social Media erfahren und wollte sich die Mildestadt nun unbedingt mal aus nächster Nähe anschauen. Der Hörspaziergang ist für sie eine wunderbare Möglichkeit, Kalbe auf eigene Faust, aber dennoch geführt, kennenzulernen. "Das Format ist interessant und der Sound einfach geil! Im Prinzip hat alles genau so gestimmt, wie im Audiowalk beschrieben", sagt sie.

Audiowalk
Daniele Regge probiert den Audiowalk in Kalbe aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beeindruckt haben sie besonders die Passagen rund um Klimawandel, Vergangenheit und Zukunft. Daher würde sie den Audiowalk unbedingt allen Kalbenser Schülern empfehlen und wünscht sich weitere Projekte dieser Art. "Die Architektur, die besonderen Häuser und die Geschichte der Stadt, dazu würde ich gerne mehr erfahren, am liebsten auch per Audiowalk", so Regge.

"Die Künstlerstadt Kalbe suchte nach Formaten, die während der Corona-Pandemie ohne Ansteckungsgefahr möglich sind", sagt Managerin Corinna Köbele. Den Hörspaziergang kann jeder jederzeit absolvieren. "Entweder leiht man sich ein Audiowalk-Gerät im Vereinsbüro oder in der Galerie 'die 8' gegen eine Pfandgebühr aus. Oder man lädt den Hörspaziergang über die Internetseite der Künstlerstadt herunter." Audiokünstler und Künstlerstadt-Chefin empfehlen auf jeden Fall, den Audiowalk mit einem analogen Spaziergang zu genießen.

Künstler von Kalbe beeindruckt

Überalterung, kaum Infrastruktur und der anstehende Strukturwandel, wahrscheinlich blicken die Kalbenser eher negativ in ihre Zukunft: Mit diesen Vorurteilen seinen die drei Großstadtkünstler vor Projektbeginn in die ländlich geprägte Mildestadt gereist, gesteht Martin Schnippa. Doch sie wurden eines Besseren belehrt. Das hat Künstler Anton Rose doch überrascht: "Ich war total beeindruckt, dass die Kalbenser so zufrieden sind. Keine Zug- und Autobahnanbindung, kaum ein Bus, der hält und trotzdem fühlen sich alle wohl. Die Menschen möchten zwar eine Entwicklung, aber im Kern soll die Stadt so bleiben." Martin Schnippa geht sogar noch einen Schritt weiter. Durch das Projekt kann er sich heute sogar vorstellen, selber im Kalbe 2030 zu leben.

Die Künstlerstadt Kalbe

Die Künstlerstadt Kalbe im Altmarkkreis Salzwedel ist ein Kulturprojekt. Die Idee ist, den "Luxus der Leere" zu nutzen – leerstehende und ehemals anders genutzte Gebäude werden zu Ateliers und Wohnräumen für junge Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und der gesamten Welt. Zweimal jährlich lädt die Künstlerstadt Studierende aller künstlerischen Richtungen ein, die anschließend im Rahmen eines Stipendiums in der Mildestadt leben.

Doch es geht auch darum, die kreativen Potentiale vor Ort zu entfachen. Daher hat die Künstlerstadt ein breitgefächertes Workshopangebot aufgebaut, welches den Menschen der Stadt Kalbe (Milde) wie der gesamten Altmark die Möglichkeit bietet, sich künstlerisch auszuprobieren.

Mehr zu Kalbe und der Künstlerstadt gibt es auch in der MDR-Reihe "Der Osten – Entdecke, wo Du lebst":

Vom Bauern- zum Kulturhof werden in Kalbe leerstehende Gebäude 45 min
Vom Bauern- zum Kulturhof werden in Kalbe leerstehende Gebäude Bildrechte: MDR/Schmidt-Film
45 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Di 21.09.2021 21:00Uhr 44:41 min

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MDR (Carina Emig, Mario Köhne)

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https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/dessau/anhalt/audio-training-roitzscher-carnevalsverein-100.html

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