Portrait Sandra Hietel Wie die CDU ohne Quote um mehr Frauen kämpfen will

Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Der deutliche Erfolg der CDU bei der Landtagswahl hat einen Nebeneffekt: Immerhin neun von 40 Fraktionsmitgliedern sind weiblich. Für die CDU ist das viel. Eine von ihnen ist Sandra Hietel, Abgeordnete aus Gardelegen im Norden Sachsen-Anhalts.

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch
Sandra Hietel (CDU) gewinnt den Wahlkreis Gardelegen-Klötze – und gilt in der CDU als Hoffnungsträgerin. Bildrechte: MDR/Jan Malte Wagener

Mit etwas Wehmut beginnt Sandra Hietel am Morgen nach der Landtagswahl ihren Arbeitstag im Magdeburger Landtag. Die Pressesprecherin der CDU-Fraktion weiß seit dem Wahlabend, dass sie ihre gewohnte Umgebung im Gebäude verlassen wird. "Nach zehn Jahren muss ich nun mein Büro räumen. Ich werde innerhalb des Gebäudes umziehen, damit beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt", so die 39-Jährige.

Sandra Hietel: Karriere auf das Landtagsmandat ausgerichtet

Auf diesen neuen Lebensabschnitt, das Landtagsmandat, hat Hietel hingearbeitet. 2007 trat sie in die CDU ein, kletterte seitdem viele Sprossen auf der Karriereleiter nach oben. Seit 2009 ist sie Stadtratsmitglied. Mittlerweile hat sie es bis zur Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes Gardelegen sowie zur stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes gebracht.

Für die Landtagswahl wurde sie als Direktkandidatin im Wahlkreis Gardelegen-Klötze aufgestellt. Den gewann sie mit 36,6 Prozent der Stimmen deutlich. "Ich bin immer noch überwältigt und kann es noch gar nicht richtig fassen. Ich bin ein wenig sprachlos, dass es doch so gut geklappt hat", sagt Hietel wenige Stunden nach ihrem Erfolg.

Christdemokraten jetzt mit neun Frauen im Landtag vertreten

Trotz des Bürowechsels ist die frisch gewählte Abgeordnete nicht fremd im Magdeburger Landtag. "Ich bin mehr als zwölf Jahre in der Landtagsfraktion beschäftigt gewesen. Dadurch habe ich den Vorteil, dass ich den Politikbetrieb mit den Gesetzgebungsverfahren, den entsprechenden Abläufen, von innen kenne. Das hilft mir jetzt beim Einstieg ins Mandat."

Der Sprung für Sandra Hietel in den Plenarsaal ist also klein. Und das sollte, so Hietel, auch das Ziel für andere Frauen in der CDU sein. In der vergangenen Legislaturperiode waren von 30 CDU-Abgeordneten gerade einmal zwei weiblich. Das hat sich durch den Gewinn von 40 Direktmandaten geändert: Nun stellen die Christdemokraten neun Frauen.

CDU-Politikerin spricht sich gegen Quoten aus

Eine Frau steht vor einen Zeitungsständer
Sandra Hietel (CDU) setzt sich für mehr Frauen im Landtag ein. Bildrechte: MDR/Jan Malte Wagener

"Das ist fantastisch! Wir haben im Vorfeld der Wahl gesagt, dass mehr Frauen für die CDU in den Landtag einziehen sollen. Das ist nun Wirklichkeit geworden. Frauen bringen nochmal einen anderen Stil in die Politik", sagt Hietel. Der Weg ins Parlament soll ihrer Meinung nach aber nicht über Quoten führen. "Ich bin kein Fan der Quote. Die Frauen müssen sich bei den Nominierungen vor Ort in den Wahlkreisen durchsetzen." So wie Sandra Hietel eben.

Laut Landessatzung der CDU sollen Frauen an Ämtern und Mandaten mindestens zu einem Drittel beteiligt sein. Dieses Ziel hat die Wahlsieger-Partei auch dieses Mal klar verfehlt. Hietel sieht ihren eigenen Weg als einen richtigen, um das Ziel zu erreichen: Die Altmärkerin engagiert sich seit vielen Jahren im Förderverein der Kinderklinik Gardelegen und will diesen Einsatz nun auch auf landespolitischer Ebene stärker einbringen.

Sandra Hietel will Menschen für politische Ämter begeistern

Ein Modell mit Vorbildcharakter: "Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wir müssen jetzt mehr Frauen vor Ort motivieren, in die Kommunalpolitik einzusteigen, dort Erfahrung zu sammeln und sich dann für die nächsthöheren Ämter zu bewerben." Doch es sei nicht immer leicht, die Basis, also die Menschen vor Ort, für ein politisches Amt zu begeistern. "Ich denke, das ist durch eine direkte Ansprache möglich. Wir müssen Frauen, die sich über den Sport, die Kultur oder sonstige Vereine aktiv in der Gesellschaft engagieren, motivieren, in die Politik zu gehen. Denn dort gestaltet man die Rahmenbedingungen für das Leben vor Ort."

Die Frauen-Union hatte im Winter eine alternative Landesliste vorgeschlagen, in der sieben der ersten 15 Listenplätzen von Frauen besetzt werden sollten. Der Vorschlag hatte keine Chance. Auch Hietel hielt davon nicht viel. Die studierte Betriebswirtin selbst war ursprünglich für Platz 23 vorgesehen. Da Holger Stahlknecht seinen Listenplatz zwei für eine Frau zur Verfügung stellte, machte sie 21 Plätze gut.

Am Ende habe das aber keine große Rolle gespielt: "Die Liste war bei uns nicht sehr relevant. In der CDU geht es um das Direktmandat." Auch Hietel zog darüber ins Parlament ein.

Durch den Einzug in den Landtag beginnt für Sandra Hietel nun ein Spagat zwischen Landes- und Kommunalpolitik. Doch die gebürtige Gardelegenerin nimmt es sportlich: "Ich bin durch das Mandat sogar mehr im Wahlkreis unterwegs als vorher. Ich werde versuchen, das lokale Mandat mit dem Landtagsmandat zu verknüpfen, weil das Leben in den Kommunen vor Ort stattfindet. Das Eine bedingt das Andere."

Gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land als Ziel

Sie wolle Sozialausschussvorsitzende der Hansestadt Gardelegen wie Vorstandsmitglied des Fördervereins der Kinderklinik bleiben. "Unabhängig von meiner Kandidatur auf Landesebene ist das für mich ein Herzensthema." Offenbar konnte sie mit dieser Einstellung die Wählerinnen und Wähler begeistern. Gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land waren ihr erster Punkt auf der Agenda im Wahlkampf.

MDR/Jan Malte Wagener, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. Juni 2021 | 12:30 Uhr

1 Kommentar

Atheist vor 6 Wochen

Leistung nicht Quote sage ich als Frau!

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