Gardelegen Verstöße gegen Impfpriorisierung auch im Altmark-Klinikum

In der Affäre um vorgezogene Impfungen in Sachsen-Anhalt gibt es weitere Vorwürfe. Das Altmark-Klinikum in Gardelegen und Salzwedel bestätigte diese und bedauert den Verstoß gegen die Impfverordnung.

In der Affäre um vorgezogene Impfungen in Sachsen-Anhalt gibt es nun auch Vorwürfe gegen das Altmark-Klinikum in Gardelegen und Salzwedel. Die Klinik räumte in einer Mitteilung an MDR SACHSEN-ANHALT ein, Impfungen abseits der vorgeschriebenen Reihenfolge durchgeführt zu haben. Zunächst hatte die Volksstimme darüber berichtet.

34 Verwaltungsmitarbeiter geimpft

Nach eigenen Angaben hat das Altmark-Klinikum seit Januar 490 Mitarbeiter geimpft, davon sieben Prozent Verwaltungsmitarbeiter. Rechnerisch seien damit 34 Personen geimpft worden, die nicht der ersten Impfpriorität zuzuordnen sind. Dies sei sinnvoll gewesen, da am Ende von Impfaktionen teilweise Vakzine übrig geblieben seien, die ohne schnelle Verimpfung verfallen wären.

Wenn in diesen Fällen kurzfristig niemand aus der Impfgruppe 1 gefunden werden konnte, habe man den restlichen Impfstoff an Verwaltungsmitarbeiter der Krankenhäuser verimpft, die überwiegend in patientennahen Bereichen tätig sind. Die Verimpfung von Restbeständen an die Geschäftsführung sei erfolgt, weil diese eine besondere Führungsverantwortlichkeit in der aktuellen Pandemie habe.

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Salus Altmark Holding bedauert Verstoß

Die Salus Altmark Holding bedauerte den Verstoß gegen die Impfverordnung. Dieser habe aber zu keinen Verzögerungen bei der Impfung von Ärzten und Pflegern geführt. In Abstimmung mit dem regionalen Impfzentrum würde nun ein anderer Weg gesucht, mit Rest-Impfstoffen umzugehen.

Das Sozialministerium Sachsen-Anhalt wurde nach Angaben der Salus Altmark Holding am gestrigen Donnerstag von den Verstößen unterrichtet. Nach der überarbeiteten Impfverordnung vom 8. Februar sind Abweichungen von der Impfpriorisierung zur effektiven Verwertung von Impfstoff in Einzelfällen erlaubt.

MDR, Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Februar 2021 | 09:00 Uhr

8 Kommentare

Birgit 77 vor 40 Wochen

Ich finde es unerhört, daß sich Leute aus der Verwaltung solche Frechheiten rausnehmen, die Verantwortlichen sollten empfindlich bestraft werden. Das war uns doch schon vorher klar das, dass so kommt.

ElBuffo vor 40 Wochen

Können Sie anhand der Impfverordnung belegen, dass Impfdosen besser verfallen sollten, anstatt auch Leute zu impfen, die nicht in Kategorie 1 sind? Das Bundesland wird weder in der alten noch in der neuen Vorordnung als Anspruchsvoraussetzung erwähnt.

ElBuffo vor 41 Wochen

Nö, auf die drei Gruppen war das nach der alten und ist das nach der neuen Impfverordnung nicht beschränkt. 454 würde ich sagen. Da das ja pro Nase etwas Vorlauf braucht und man nach der Impfung nicht gleich weg ist, dürfte es nahe liegen, dass dafür mehrere Termine stattfanden. Trotz aller Planung ist dann am Tag X doch irgendwer erkrankt oder aus anderen Gründen nicht impftauglich oder einfach abwesend. Und dann werden eben nicht drei Ärzte oder OP-Schwestern aus der laufenden OP geholt, sondern Leute, wo eine Arbeitsunterbrechung weniger kritisch ist. Natürlich toll, wenn aktuell wegen dieser künstlichen Aufregung dann Impfdosen verfallen.

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