Geschäftsidee aus der Altmark Wild als Alternative zu industriellem Fleisch

Studio Stendal  Susann Meier
Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Viel Wald und Wild: Zwei Brüder sind in ihre Heimat zurückgekehrt und haben in der Altmark, in Jävenitz bei Gardelegen, eine Manufaktur für Wildfleisch aufgebaut. Ihre Idee: nachhaltige und natürlichere Lebensmittel aus dem Norden Sachsen-Anhalts.

Das Team des Wildhandels Waldgourmet aus Jävenitz in der Altmark, Marcus (v.l.) und Marian Bohndick und Kai Heetjans
Zurück in der Altmark: Die Brüder Marcus und Marian Bohndick (v.l.) und Fleischermeister Kai Heetjans sind überzeugt von ihrer Idee. Bildrechte: Waldgourmet

Am Ortsrand von Jävenitz in der Altmark – fast schon im Wald – haben die Brüder Marian und Marcus Bohndick ein modernes Schlachthaus gebaut. Hier ist die Zentrale von "Waldgourmet". Die Idee zu der Wildfleischmanufaktur hatte der 36-jährige Marian Bohndick. Der studierte Betriebswirt hat in Zürich und Berlin gearbeitet, bevor er zurück in die Altmark kam. "Eigentlich wollte ich eine Internetplattform für naturwissenschaftliche Bildung aufbauen, das hat aber nicht so recht funktioniert", sagt er.

In dem Zusammenhang beschäftigte er sich aber mit gesunder und nachhaltiger Ernährung. "Da gibt es eigentlich nichts Besseres als Wildfleisch als Alternative zu industriellem Fleisch." Also arbeitete er an einem Konzept mit dem Ziel, Wildfleisch aus der Altmark direkt vor Ort zu verarbeiten und über das Internet anzubieten.

Rückkehr in die Altmark: "Ein bisschen skeptisch war ich schon."

Die Idee machte er seinem jüngeren Bruder Marcus schmackhaft und lockte ihn wieder in die Altmark. "Wir unterscheiden uns ein bisschen. Ich denke nicht so viel über das Risiko nach, er ist skeptischer. Da wusste ich, dass ich was vorlegen musste, um ihn zu überzeugen", erzählt Marian. Das hat geklappt. Der 34-jährige Marcus, ein studierter Verfahrenstechniker, kam auch zurück in die Altmark und meint heute: "Mein erster Gedanke war, das kann funktionieren, aber ein bisschen skeptisch war ich schon."

Der Wildhandel Waldgourmet aus Jävenitz in der Altmark präsentiert seine Produkte
Neben Wildfleisch sind auch Würste und Schinken im Angebot. Bildrechte: Waldgourmet

Davon merkt man nichts mehr. Die Brüder sind überzeugt von ihrem Konzept. Die Aufgabenverteilung war schnell geklärt: Marian ist für die Finanzen und das Marketing zuständig. Die Bereiche von Marcus sind Technik und Logistik. Doch für eine Fleischverarbeitung braucht man einen Fleischermeister. Den fanden die Bohndick-Brüder recht schnell über das Internet. "Das hat auf Anhieb gepasst mit Kai", sind sich die Brüder einig. Der 30-jährige Kai Heetjans versteht nicht nur sein Handwerk, sondern ist auch Jäger, so wie die beiden Brüder auch.

"Ich finden die Idee Klasse, das Wildfleisch direkt und ohne Umwege zu verarbeiten. Das Fleisch ist viel feiner als das Fleisch von Schwein oder Rind – dazu noch nachhaltig und gesund", meint Heetjans. Er zaubert aus Wildschwein, Reh und Co. nicht nur Braten, sondern auch Wurst und Schinken. "Ich probiere viel aus, damit der Geschmack stimmt", erklärt er seine Arbeit.

Frisch, gekühlt und in recycelbarer  Verpackung

Der Wildhandel und Schlachter Waldgourmet aus Jävenitz in der Altmark präsentiert seine Produkte
Lieferung aus der Altmark: Die Kunden schätzen das frische Wildfleisch. Bildrechte: Waldgourmet

Das Wildmanufaktur-Trio hat mittlerweile drei weitere Mitarbeiter und ist sichtlich stolz darauf, was sie bisher auf die Beine gestellt haben. Besonders in Süddeutschland und immer öfter in Berlin sind die Wild-Spezialitäten aus der Altmark gefragt. "Von Woche zu Woche verschicken wir mehr Pakte mit Wurst und Fleisch", sagt Marian. Alles werde gut gekühlt, in recycelbarer Verpackung innerhalb eines Tages  geliefert. "Das klappt super, bestätigen uns die Kunden. Der Kontakt zu ihnen ist uns wichtig. Sie schätzen besonders, dass das Fleisch frisch ist und zu keinem Zeitpunkt gefroren war."

Da ihr Geschäft vor der Corona-Pandemie noch nicht existierte, gebe es keine Vergleichsmöglichkeiten, ob der Handel zugelegt hat oder nicht. Doch viele Kunden erzählen, dass sie nun selber kochen, weil Besuche in Gaststätten nicht möglich seien.

Wildfleisch von Jägern und Gesellschaftsjagden

Der Wildhandel und Schlachter Waldgourmet aus Jävenitz in der Altmark präsentiert seine Produkte
Neben Wildprodukten liefern die Brüder auch Rezeptideen. Bildrechte: Waldgourmet

Wie viele Tiere in Jävenitz verarbeitet werden, ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Manchmal sind es nur zwei manchmal 200 Stück. "Wir holen das Wild von Gesellschaftsjagden oder Jäger kommen mit dem Erlegten direkt zu uns", sagt Marian. Sie würden davon profitieren, dass ihre Eltern, Carmen und Fred Bohndick, seit 1996 einen Wildankauf haben. Dadurch gebe es viele Kontakte und ein gutes Netzwerk zu Jägern und Förstern.

Jäger Sebastian Hey aus Gardelegen findet die Idee Klasse, das heimische Wild auch hier zu verarbeiten. "Das ist auch eine gute Chance, mehr Menschen für Wildprodukte zu begeistern." Das klappt bestimmt, denn Kunden bekommen nicht nur frisches Fleisch aus der Altmark, sondern auch Rezepte und Tipps für die Zubereitung.

Studio Stendal  Susann Meier
Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Über die Autorin Susann Meier ist Redakteurin und Reporterin für MDR SACHSEN-ANHALT im Regionalstudio Stendal.

Die geborene Gardelegerin arbeitet seit fast 25 Jahren für den MDR, hat bei der Altmarkzeitung ihr journalistisches Volontariat absolviert und zuvor in Staßfurt Pädagogik studiert.

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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Dezember 2020 | 09:30 Uhr

4 Kommentare

ch27021990 vor 21 Wochen

Wildfleisch ist extrem schlecht zu bekommen.Und da muss sich im Vertrieb etwas entscheidendes ändern.Aber auch der Preis,den man so zahlen soll, ist ist bei Summen zwischen20 - und 30 Euro pro Kilo viel zu hoch! Hier stimmt das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nicht! Aber was ist übrigens mit der Haftung bei Wildschäden im gepachteten Revier? Die scheint es nicht mehr zu geben, denn es fällt kaum ein Schuss und jeden Tag wühlen die Wildschweine die Landschaft um und zerstören Gärten.

Pollux vor 21 Wochen

Als Konsequenz des Fleischkonsums steht am Ende immer, dass das Tier sein Leben dafür verloren hat, auch wenn es gut gehalten wurde. Generell bin ich gegen das Töten von Tieren für das Verlangen des Menschen, Fleisch zu essen. Schlachthäuser gehören geschlossen. Seit über zehn Jahren bin ich damit für mich selbst im Reinen und verzichte darauf, Tiere zu essen. Das ist nicht schwer und moralisch gesehen ein gutes Gefühl.

Emil Kaminsky vor 21 Wochen

" Der Jäger liebt die Natur, wie der Vergewaltiger sein Opfer. "

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