Landtagswahl 2021 Salzwedel: Warum in der linken Region die Sorge umgeht

Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Die Linke ist in Sachsen-Anhalt laut Umfragen weiter im Sturzflug. In und um Salzwedel konnte sie bei den vergangenen Wahlen jedoch überdurchschnittlich gut abschneiden. Der Besuch einer Wahlparty am Wahlsonntag zeigt: Die Besorgnis ist trotzdem groß.

Ein Mann in einem roten T-Shirt steht im Garten
Marco Heide will als Direktkandidat der Linken in den Landtag einziehen. Bildrechte: MDR/Jan Malte Wagener

Es herrscht eifriges Treiben im Eskadron, dem Vereinsheim der Kickerfreunde Salzwedel. Marco Heide und einige Vereinsmitglieder tragen Stühle auf die Terasse, fegen den Weg zu den Toiletten, ein Staubsauger dröhnt. Gegen 18 Uhr steigt hier die Wahlparty von Heide, er ist Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 1, Salzwedel. "Noch bin ich relativ entspannt. Das ändert sich dann wahrscheinlich gegen 18 Uhr, wenn die Balken hochgehen. Aber es gab in den vergangenen Tagen genug Prognosen, so dass man ungefähr weiß, wo es hingeht. Das Spannendste wird die Frage, welche Partei in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft wird", so der 32-Jährige. Laut Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kämpfen CDU und AfD um die meisten Sitze im Magdeburger Landtag.

Ein Mann trägt drei gestapelte Stühle
Marco Heide trägt Stühle aus dem Vereinsheim der Kickerfreunde Salzwedel auf die Terrasse. Hier findet später die Wahlparty statt. Bildrechte: MDR/Jan Malte Wagener

Marco Heide zeigt sich dennoch optimistisch: "Wenn man im Wahlkreis 1 – Salzwedel, Arendsee, Beetzendorf-Diesdorf – für die Linke antritt, hat man schon das Ziel, das Direktmandat zu holen. Darauf hoffe ich heute Abend, das wird eine interessante Sache. Ich sehe da nicht nur einen Bewerber mit guten Karten." Vor fünf Jahren reichte es bei den Erststimmen nur zu Platz drei, das Direktmandat ging klar an die CDU, auch die AfD hatte die Linke überholt. Dennoch ist die westliche Altmark traditionell eine Region, in der die Linke punkten kann. Bei den Kommunalwahlen 2019 fuhr sie hier ihr stärkstes Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein, wurde trotz Verlusten zweitstärkste Kraft. "Wir sind in den Kommunalparlamenten sehr stark vertreten und engagieren uns viel in Vereinen", versucht Marco Heide diesen Erfolg zu erklären. Er zog vor zwei Jahren in den Salzwedeler Stadtrat ein.

Der besorgte Blick nach rechts

Ein Mann steht hiner einem Tresen.
Vereinskollege David Könke unterstützt Marco Heide bei seiner Kandidatur für den Landtag. Bildrechte: MDR/Jan Malte Wagener

Nun also soll es der Landtag werden. Rückendeckung bekommt er dabei von seinem Vereinskollegen David Steinke: "Ich bin nach dem Mittagessen direkt zur Wahlurne gegangen, denn ich finde es allgemein wichtig, das Wahlrecht wahrzunehmen. Von da aus bin ich dann direkt weiter ins Vereinsheim." Dort steht Steinke häufig am Zapfhahn, heute hilft er vor allem bei den Vorbereitungen der Wahlparty. Allzu groß ist sein Optimismus nicht: "Wir hoffen natürlich alle das Beste, aber die Prognosen zeigen, dass eine gewisse Partei über 20 Prozent kommen wird, und das an sich ist für mich schon eine Niederlage." Der Blick in Richtung AfD ist für den politisch engagierten Mann, der unter anderem im linksgerichteten Aktionsbündnis "Solidarisches Salzwedel" aktiv ist, schmerzhaft. Seine Begleiterin ist ebenfalls nicht allzu optimistisch: "Ich habe per Briefwahl gewählt in der Hoffnung, dass die AfD nicht wieder zweitstärkste Kraft wird."

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Hoffnung vs. Abwärtstrend

Marco Heide bleibt dennoch positiv gestimmt. Für den Abend hat er neben dem Direktmandat ein weiteres klares Ziel: "Ich möchte deutlich über dem Landesdurchschnitt liegen. Was das in Zahlen bedeutet, wissen wir ab 18 Uhr." Laut Umfragen setzt die Linke ihren Abwärtstrend fort, landesweit steht sie bei nur noch zehn bis zwölf Prozent. 2016 konnte die Partei noch 16,3 Prozent einfahren, vor zehn Jahren waren es über 20 Prozent. Für Heide ist aber noch eine andere Zahl entscheidend für die Bewertung des späteren Wahlergebnisses: "Ich bin sehr gespannt, wie die Erststimmen im Wahlkreis verteilt sind. Das ist für mich ein Indikator, wie die Arbeit und die Themen vor Ort ankommen."

Der Wahlkampf war bei der Klärung dieser Frage coronabedingt zunächst wenig hilfreich. "Die ersten Wochen waren wirklich vom Verteilen von Flyern geprägt, das war nicht so schön", sagt Heide. Erst in den letzten Tagen und Wochen sei der Wahlkampf richtig ins Rollen gekommen, sei der Kontakt zu den Wählern halbwegs normal gewesen. "Dabei habe ich vielerorts positives Feedback bekommen", schöpft der 32-Jährige Hoffnung. Ob sich die bestätigt, wird sich im Lauf des Abends zeigen.

Dieser Artikel ist nicht kommentierbar. Warum? Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt veröffentlichen wir sehr viele Inhalte. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, dass Sie sich gebündelt zur Wahl und den Ergebnissen austauschen und so mehr Gesprächspartnerinnen und -partner erreichen können. Folgende Artikel zur Landtagswahl können Sie dafür nutzen: Sachsen-Anhalt wählt einen neuen Landtag und im Ticker: Die wichtigsten Entwicklungen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

MDR/Jan-Malte Wagener, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR Extra – Die Entscheidung in Sachsen-Anhalt | 06. Juni 2021 | 17:45 Uhr

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