Mittelalter unter Wasser Taucher erkunden 750 Jahre altes Boot auf dem Grund des Arendsees

Mit einer bislang einmaligen Tauchaktion hat am Montag die Erkundung eines rund 800 Jahre alten Prahmbootes im Arendsee begonnen. Prahmboote waren flache Fähren oder auch Transportschiffe. 2022 soll es geborgen werden.

Ganzorig Baatar, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB führt an Bord eines Bootes der Wasserwacht Halle des Deutschen Roten Kreuzes das Kabesl des Tauchroboters nach.
Seit Montag wird das Boot im Arendsee untersucht. Bildrechte: dpa

Archäologe und Projektleiter Sven Thomas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt erklärte: "So eine Aktion hat in Deutschland meines Wissens noch nie jemand versucht. Das Geld, rund 35 000 Euro für die fünftägige Aktion, kommt vom Bund aus dem Programm zum Schutz bedrohter Kulturgüter."

Direkt beteiligt auf dem See sind 15 Forschungstaucher und Wissenschaftler. Die kommen laut Thomas nicht nur aus Sachsen-Anhalt, sondern unter anderem auch aus Kiel und Düsseldorf. Insgesamt kommen fünf Boote zum Einsatz. Ein Tauchroboter überwacht und dokumentiert die Unterwasserarbeiten. Der Prahm liegt in einer Tiefe von 30 bis 35 Metern. Für Taucher ist das ein riskanter Bereich. Sie können deswegen nur 25 Minuten am Boot bleiben.

Pumpen befreien das Boot von Sedimenten

Männer beobachten auf dem Arendsee die Sonar- und Videobilder eines Tauchrobotters
Die Forscher können die Arbeit des Tauchroboters beobachten. Bildrechte: dpa

Mit Hilfe eines Pumpensystems wird das Boot von der Sedimentschicht befreit. Gleichzeitig wird das Ganze dokumentiert. "Sobald mit dem Saugen des Sediments begonnen wird, beträgt die Sicht höchstens einen halben Meter», erläutert der Experte. Die Arbeiten sollen bis Freitag dauern. Danach wird das mittelalterliche Boot mit speziellen Textilbahnen vor dem weiteren Zerfall geschützt.

Im nächsten Jahr soll dann der Prahm gehoben werden. "Das bedeutet, in der Restaurierungswerkstatt in Halle kommt das 12,5 Meter lange und zweieinhalb Meter breite Boot in ein Metallbecken und wird dann mit flüssigem Kunststoff komplett abgedeckt", beschreibt der Archäologe das Verfahren. So werde das Wasser aus dem Holz verdrängt. Der Vorgang dauere etwa drei Jahre. Danach solle das Boot bevorzugt im Ort Arendsee ausgestellt werden.

Boot datiert auf 1265

Das Transportboot stammt aus der Zeit um 1265 und wurde bereits vor einigen Jahren entdeckt. Vermutlich wurde das Wassergefährt zum Transport von Bewohnern eines Klosters und von Materialien benutzt. Die Prahmboote zeichnen sich durch ihre schlanke und flache Rumpfform aus.

MDR/Mario Köhne, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 27. September 2021 | 20:00 Uhr

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