Altmark Corona-Ausbruch in Altenheim im Kreis Salzwedel – Zahl der Toten auf vier gestiegen

In einem Altenheim im Altmarkkreis Salzwedel sind durch eine Corona-Infektion vier Menschen gestorben. Insgesamt hatten sich 38 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Ein Teil Infizierten war nicht geimpft. Der Landkreis sieht die Schulen als Ausgangspunkt für die aktuelle Infektionswelle. Dort gilt nun wieder die Maskenpflicht.

Eine Pflegehausbewohnerin in einem Seniorenzentrum hält sich in ihrem Bett an einem Haltegriff fest.
In einem Altenheim in der Altmark sind vier Bewohner nach einem Corona-Ausbruch gestorben. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Zahl der Corona-Toten in einem Altenheim in Salzwedel ist auf vier gestiegen. Das hat der Altmarkkreis Salzwedel auf einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt gegeben. Demnach waren zwei der Verstorbenen nicht gegen das Virus geimpft. Die verstorbenen zwei Männer und zwei Frauen waren zwischen 66 und 98 Jahre alt.

Nach Angaben des Gesundheitsamtes wurde das Heim am 22. Oktober von einem Hausarzt erstmals über einen Corona-Fall einer Bewohnerin informiert. Daraufhin seien die Frau und ihre Kontaktpersonen isoliert worden.

Insgesamt 38 Coronavirus-Infektionen

Nach Zahlen des mobilen Impfteams waren von den 44 Bewohnerinnen und Bewohnern 28 vollständig geimpft. Von den 33 Mitarbeitenden hatten demnach 18 einen vollständigen Impfschutz. Das betroffene Heim selbst habe allerdings andere Zahlen gemeldet. Demnach sind 28 Mitarbeitende sowie 37 Bewohnerinnen und Bewohner vollständig geimpft. Die Kreisverwaltung wollte diese Angaben aber vorerst nicht bestätigen. Einen Mangel an Hygienevorkehrungen in dem betroffenen Heim habe es entgegen verschiedener Berichte nicht gegeben.

Das Altenheim ist weiter in Betrieb. Zusammen mit dem Gesundheitsamt wurde nun ein Konzept erarbeitet, wie Bewohner voneinander getrennt und betreut werden können. Unter anderem wurde Schutzkleidung für das Personal geliefert.

Infektionsherd Schule

Den Anfang nahm die Infektionswelle im Altmarkkreis nach Aussage von Landrat Michael Ziche (CDU) in den Sekundarschulen und Gymnasien. Seit dem 11. Oktober habe die Zahl der Neuinfektionen im Kreis ständig zugenommen. 70 Prozent der Corona-Infizierten seien ungeimpft. Bei den 30 Prozent der Infizierten mit Impfschutz seien die Krankheitsverläufe deutlich milder. Schwerpunkte beim Infektionsgeschehen gibt es laut Ziche nicht: "Die Infektionen treten flächendeckend auf."

Ziche nannte die Situation "besorgniserregend". Er wies erneut darauf hin, dass die Intensivstationen in den regionalen Krankenhäusern belegt seien. Patientinnen und Patienten würden derzeit an andere Krankenhäuser unter anderem in Magdeburg weitergeleitet. Auch das Gesundheitsamt sei personell an seiner Belastungsgrenze angelangt. Die Beschäftigten arbeiteten rund um die Uhr an der Nachverfolgung von Kontakten und der Umsetzung von Quarantänemaßnahmen. Die Bundeswehr helfe dabei.

Maskenpflicht und tägliche Tests an Schulen

Der Landrat erklärte, in den Schulen im Altmarkkreis vorerst an den täglichen Corona-Schnelltests für Schülerinnen und Schüler sowie Personal festzuhalten. Das gelte möglicherweise auch für die kommende Woche. Ziel sei, Infektionen aufzudecken und Kontakte per Quarantäne zu unterbrechen. Ziche sagte: "Das sind probate Mittel, um die Pandemie zu bekämpfen." An den Schulen gelte außerdem Maskenpflicht. Ausgenommen davon seien Grund- und Förderschulen.

Restaurants im Altmarkkreis müssen sich nach Angaben des Landkreises auch weiterhin auf verstärkte Kontrollen der Behörden einstellen. Anonyme Mitarbeitende prüften demnach, ob die verpflichtende 3G-Regel in den Gaststätten eingehalten werde. Bei wiederholten Verstößen drohten hohe Bußgelder. Man setze dabei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Zudem müssten auch Anbieter körpernaher Dienstleistungen wie Physiotherapie, Fußpflege oder Friseursalons damit rechnen, häufiger als sonst kontrolliert zu werden. Die Mitarbeitenden der Behörden seien aber vorrangig beratend unterwegs.

Bereits ähnliche Fälle in Lützen und Brandenburg

Erst vergangene Woche war ein ähnlicher Fall aus Brandenburg bekanntgeworden, bei dem zwölf Bewohner eines Pflegeheims starben. In Sachsen-Anhalt hatte es einen ähnlichen Fall im Frühjahr in Lützen im Burgenlandkreis gegeben.

Der Altmarkkreis Salzwedel ist seit Tagen Negativ-Spitzenreiter unter den Regionen in Sachsen-Anhalt. Am Mittwochmorgen wies die 7-Tage-Inzidenz einen Wert von 418 auf. Der landesweite Wert betrug laut Robert Koch-Institut 147. Am Dienstag lag er noch bei 139, am Montag bei 122.

Haseloff mit Impf-Appell

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte die Menschen im Land zuletzt erneut dazu aufgerufen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Es sei im Sinn der Gesamtsolidarität, so Haseloff. Ihm zufolge sind noch immer rund 770.000 Sachsen-Anhalter nicht geimpft. Gleichzeitig sei auf den Intensivstationen zu bemerken, dass die Aufnahmebereitschaft für Corona-Patienten verhaltener werde. Für die Kliniken sei damit keine Kostendeckung zu erwirtschaften.

Wegen der sich verschärfenden Corona-Lage müssen sich die Menschen in Sachsen-Anhalt auf mehr Zugangskontrollen einstellen – zum Beispiel in Restaurants. Das geht aus neuen Corona-Regeln hervor, die die Regierung am Dienstag vorgestellt hat. Demnach werden die Landkreise und kreisfreien Städte künftig verpflichtet, bei Zusammenkünften in Innenräumen die 3G- oder 2G-Regel anzuwenden. Voraussetzung dafür ist eine 7-Tage-Inzidenz über 100 sowie eine hohe Hospitalisierungs-Quote oder Belegung von Intensivbetten.

MDR, dpa/Cornelia Winkler, Fabienne von der Eltz, Bernd-Volker Brahms

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. November 2021 | 16:00 Uhr

105 Kommentare

ElBuffo vor 4 Wochen

Unsinn, die Schnelltests sind sind ein ungefähr so hoher Schutz vor Infektionsausbreitung wie kurz vorher rausziehen vor Schwangerschaft. Diese Tests zeigen erst etwas an, wenn der Drops schon gelutscht und sich das Virus seit ein paar Tagen unbemerkt ausbreiten konnte.
Den längsten ungeschützren Kontakt haben die Bewohner zu ihren Angehörigen. Da herrscht komischerweise die Vorstellung vor, dass man sich unter Verwandten schon nicht ansteckt und selber hat man es ja sowieso nicht.
Impfen hilft. Aber auch nur da, wo noch ein halbwegs intaktes Immunsystem vorhanden ist. Ist bei Heimbewohnern in der Regel micht gegeben. Deswegen war da auch schon vor Corona in den meisten Fällen ein harmloser Atemwegsinfekt der letzte. Hat niemanden angehoben.

ElBuffo vor 4 Wochen

Gute Frage. Bin mit folgender Erweiterung dafür: Ungeimpfte Ärzte und Pflegekräfte dürfen nur noch Ungeimpfte behandeln. So würde ein passender Schuh draus.

astrodon vor 4 Wochen

@Matthi: Warum denn nur bei Ärzten und Pflegepersonal ? Sind diese Berufsgruppen Menschen zweiter Klasse ? Was rechtfertigt es, deren Persönlichkeitsrechte einzuschränken ? Warum nicht auch bei Lehrer-, Erzieher-, Verkäufer-, Busfahrer-, Paketzusteller-Innen ? Um nur einige zu nennen. Konsequent zu Ende gedacht also die Frage: Warum keine allgemeine Impfpflicht ?

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