Inzidenz von 418 Warum die Corona-Zahlen im Altmarkkreis Salzwedel so stark steigen

Ein Mann steht vor einem Bücherregal
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Im Altmarkkreis Salzwedel schießt die Corona-Inzidenz seit einigen Tagen regelrecht nach oben. Der Landkreis sieht unterschiedliche mögliche Gründe dafür. So oder so lässt sich sagen: Die Zahlen der vergangenen Wochen liegen auf einem Niveau, das im Altmarkkreis seit Ausbruch der Pandemie selten erreicht wurde. Jetzt ist ein weiterer Hotspot hinzugekommen.

Die Anzeige der Corona-Warn-App auf einem Telefon zeigt einen positiven PCR-Test und den Nachweis auf das SARS-CoV-2 Virus.
Im Altmarkkreis Salzwedel wurden seit 11. Oktober 600 positive Corona-Fälle bekannt. Die Inzidenz schießt seither nach oben. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Im Altmarkkreis Salzwedel sind 75 weitere Infektionen mit dem Coronavirus bekannt geworden. Das geht aus Zahlen des Robert-Koch-Institutes hervor. Der Anstieg ist ein neuer Spitzenwert in der Pandemie. Landrat Michael Ziche (CDU) spricht wechselweise von einer erschreckenden oder auch dramatischen Entwicklung, auf die reagiert werden müsse. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis auf einen Wert von 418,4 geklettert.

600 Coronavirus-Fälle seit Mitte Oktober

In den vergangenen sieben Tagen waren 346 positive Fälle in dem 122.000 Einwohner großen Landkreis vermeldet worden. Und Landrat Ziche hat noch eine Zahl parat, die die Situation einordnet: Seit dem 11. Oktober hat es nach seinen Worten rund 600 positive Fälle im Landkreis gegeben. Das waren fast 20 Prozent aller Fälle – und das seit Ausbruch der Pandemie vor anderthalb Jahren.

Es gibt keinen Erklärungsansatz, warum die Zahlen jetzt so hoch gehen.

Michael Ziche (CDU) Landrat Altmarkkreis Salzwedel

"Es gibt keinen Erklärungsansatz, warum die Zahlen jetzt so hoch gehen", sagt der Landrat. Schon lange ist der Verwaltungschef davon entfernt, eigenen Spielraum bei Corona-Regeln zu haben. Die Landesregierung hatte diesen für Landkreise mit einer Inzidenz unter 35 gewährt. Schon seit einigen Wochen gibt es Probleme vor allem an Schulen. "Es gibt keine Hotspots", hieß es immer wieder aus der Pressestelle des Altmarkkreises. Allerdings mussten an verschiedenen Schulen in Salzwedel, Gardelegen und auch Beetzendorf ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden.

Eine gewisse Hoffnung war mit den Herbstferien verbunden – dass sich das Infektionsgeschehen dadurch abmildern könnte. Dies passierte allerdings nicht. Der Landkreis hatte vorsorglich schon vor den Ferien angekündigt, dass mit Wiederaufnahme der Schule eine tägliche Testpflicht eingeführt wird. Nunmehr wird der Altmarkkreis am Donnerstag auch die Maskenpflicht im Unterricht wieder einführen – zumindest für die weiterführenden Schulen.

Meiste Ansteckungen in Altersgruppe 20 bis 40

"Es wird vielfach gesagt, dass Infektionen sich nicht in der Schule sondern im privaten Umfeld ereignen. Das glaube ich nicht. Auch in der Schule", sagt Landrat Ziche. "Wir wollen mit den täglichen Tests die Infektionsherde ausfindig machen und die Ketten unterbrechen." Statistisch gesehen hatte es zuletzt allerdings in der Altersgruppe 20 bis 40 Jahre die meisten Neuansteckungen gegeben.

Obwohl das Infektionsgeschehen nach Angaben der Behörden einen "diffusen Charakter" hat, gab es dennoch einen klaren Hotspot, der erst jetzt bekannt wurde: In einem Seniorenheim hatte es innerhalb kurzer Zeit 35 positive Fälle gegeben. Allein unter den 44 Bewohnern hatte es 29 Fälle gegeben. Zwei Frauen und zwei Männer zwischen 66 und 98 Jahren waren verstorben. Nach Angaben des Landrates war ein größerer Teil des Personals – unter anderem der Heimleiter – nicht geimpft. Es ist spekulativ, aber nicht sehr weit hergeholt, dass auch das ungeimpfte Personal mit zu der Situation beigetragen haben dürfte. Einen Mangel an Hygienevorkehrungen in dem betroffenen Heim habe es entgegen verschiedener Berichte aber nicht gegeben, sagte der Leiter des Gesundheitsamts am Mittwoch.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kann indes nicht verstehen, dass sich Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung nicht impfen lassen. "Wie lange wollen wir zulassen, dass so eine Situation Menschenleben gefährdet und Menschenleben kostet", fragt er. Haseloff verlangt, dass die Bundesregierung Regeln für Beschäftigte in Gesundheitsberufen überdenkt.

Zur Lage im Altmarkkreis trägt auch die Tatsache bei, dass auch bereits geimpfte Personen an Corona erkranken. Insbesondere bei vielen Fällen sind auch mehr sogenannte Impfdurchbrüche zu verzeichnen, wie Landrat Ziche bestätigt. Es habe von zuletzt 300 Fällen immerhin 89 bereits geimpfte Personen getroffen. "Wir sehen aber auch, dass es viel mildere Verläufe gibt."  

Intensivbetten belegt – Engpässe beim Personal    

Es hat in verschiedenen Einrichtungen im Altmarkkreis größere Zahlen von Corona-Fälle gegeben, die die Inzidenz nach oben bewegt haben. Da der Landkreis zu einem der bevölkerungsärmsten in Deutschland gehört, wirken sich die Hotspots statistisch viel stärker aus als in Regionen, in denen mehr Menschen wohnen. "Dieser Effekt ist sicherlich da", sagt Landrat Ziche. Man könne die jetzt eingetretene Situation aber keinesfalls darauf reduzieren. Die Lage sei ernst.

"Wir haben kein Intensivbett mehr frei", sagt der Verwaltungschef. In den beiden Krankenhäusern in Salzwedel und Gardelegen gibt es derzeit zwölf Intensivbetten. Ein Patient muss beatmet werden. "Es ist aber nicht nur eine Frage der Betten", sagt Ziche. Auch das Personal müsse vorhanden sein. Da sei es mittlerweile schon zu Engpässen gekommen.

MDR/Bernd-Volker Brahms, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. November 2021 | 19:00 Uhr

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