Problem auf dem Land Wenn in Dörfern in der Altmark Internet und Telefon fehlen

Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

In der Altmark müssen in den Orten Köckte, Buch und Bölsdorf Einwohner derzeit ohne Internet und ohne Telefon auskommen. Zum Surfen und Telefonieren müssen sie in die Stadt fahren. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Ein Mann steht auf einer Straße und schaut auf sein Smartphone
Peter Schureck muss zum Telefonieren in die Stadt fahren. In seinem Heimatort Köckte hat er kaum Handyempfang, kein Internet und kein Festnetz. Bildrechte: MDR/Heike Bade

  • In mehreren Ortsteilen von Tangermünde in der Altmark haben die Menschen weder Internet noch Festnetz. Weil Frequenzen ausgelaufen waren, wurden ihre Verträge gekündigt.
  • Weil auch der Handyempfang sehr schlecht ist, gehen viele Menschen zum Telefonieren in die Stadt.
  • Noch bis Weihnachten könnten zig Haushalte von der Telekommunikation abgeschnitten sein.

Peter Schureck steht an einer Straße in Tangermünde. Hier in der Stadt hat er Handyempfang, hier kann er telefonieren. "Anders kann ich keine Arzttermine vereinbaren", klagt der 72 Jahre alte Rentner, der im Tangermünder Ortsteil Köckte wohnt. Doch das ist nicht sein einziges Problem: "Ich habe eine Herz- und eine Krebserkrankung. Wenn irgendwas passiert, kann ich von zu Hause aus nicht mal einen Notruf absetzen. Ich hänge wirklich in der Luft."

Peter Schureck wurde kurzfristig zum 1. September der Festnetz- und Internetanschluss gekündigt. Handyempfang gibt es bei ihm in Köckte so gut wie gar nicht. "Unser alter Anbieter hatte uns nach knapp neun Jahren plötzlich die Vertragskündigung geschickt", erinnert sich Schureck, als er in seinem Haus das Schreiben aus einem Ordner zieht.

Frequenzen ausgelaufen

Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT teilt der Anbieter Arche NetVision GmbH schriftlich mit: "Es stimmt, dass wir hier leider den Kunden den Vertrag kündigen mussten." Grund der Kündigung sei, dass die von der Bundesnetzagentur zugeteilten Frequenzen ausgelaufen sind. "Diese hatten wir für zehn Jahre zugeteilt bekommen. Wegen Wegfall der Frequenzen konnten wir den Betrieb nicht weiter aufrechterhalten", schreibt der Anbieter weiter. Arche Net hatte das Signal über Funk in die Dörfer gebracht.

Verschiedenen Presseberichten zufolge passiert das nicht zum ersten Mal, auch in anderen Regionen Deutschlands musste Arche Net kurzfristig kündigen. Leidtragender ist der Kunde, erklärt auch Simone Meisel von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt: "In diesem Fall liegt ein außerordentlicher Kündigungsgrund vor. Der Verbraucher kann gegenüber dem Anbieter deshalb keine Schadensersatzansprüche geltend machen."

Köckte kein Einzelfall

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT haben derzeit rund 40 Haushalte in den Tangermünder Ortsteilen Köckte, Buch und Bölsdorf kein Internet und Telefon. Ein kurzer Gang durch das kleine Dorf Köckte zeigt, dass die Zahl plausibel ist. Die Rentner Traudel und Walter Lehmann entsorgen an diesem kühlen Herbsttag gerade Laub in einem dafür aufgestellten Container.

Aufs Internet angesprochen sind sie sofort im Bilde: "Wir beiden Alten leben ganz ruhig damit", gibt sich Traudel gelassen, "aber die jungen Leute müssen Internet haben. Meine Schwiegertochter braucht das dringend." Deshalb sind die Lehmanns kreativ geworden, erklärt Walter mit einem Augenzwinkern.

Wir laufen mit unserem Handy bis zum Deich, um dann mal ein bisschen Empfang zu haben.

Walter Lehmann aus Köckte

Glasfaserkabel gelegt, aber nicht verbunden

Die Hoffnung in den Dörfern heißt nun Glasfaser. Die Kabel sind im betroffenen Gebiet größtenteils verlegt. Peter Schureck hat sogar schon einen Anschluss bis ins Haus, dafür hatte er vor eineinhalb Jahren einen Vorvertrag beim zukünftigen Betreiber DNS:Net abgeschlossen. Das Telefon bleibt trotzdem stumm, der Computer offline. "Bei uns ist alles angeschlossen, aber es passiert nichts", wundert sich der 72-Jährige.

Andreas Kluge, Geschäftsführer vom Breitbandzweckverband Altmark, der das Glasfasernetz baut, kann das erklären: "Noch sind nicht in allen Rohren, die wir verlegt haben, Glasfasern eingeblasen. Zudem müssen dann noch im Haupttechnologiestandort in Tangermünde die gesammelten Anschlüsse gebündelt und mit der Messtechnik verbunden werden."

Lösung kommt, aber erst im Winter

Diese Bauarbeiten würden voraussichtlich noch bis Ende November dauern. Erst wenn die fertig sind, könne das Netz an den neuen Betreiber übergeben werden. "Dann kann DNS:Net den Netzbetrieb beginnen", sagt Kluge weiter. Im Klartext heißt das: Nach Ende der Bauarbeiten beginnt die Freischaltung der Hausanschlüsse samt Installation der Router.

Bis dahin wird Peter Schureck weiter ohne Festnetz und Internet leben müssen. Die einzige Alternative wäre ein Vertrag bei einem anderen Anbieter, der bereits ein älteres Kabelnetz in Köckte betreibt. "Aber dort müsste ich mindestens einen Zweijahresvertrag abschließen. Wenn dann der Vertrag bei DNS:Net hoffentlich ab dem neuen Jahr läuft, müsste ich zwei Verträge bezahlen. Das kann und möchte ich mir nicht leisten." Peter Schureck wird also weiterhin zum Telefonieren nach Tangermünde fahren müssen – wohl mindestens noch bis Weihnachten.

MDR/Jan-Malte Wagener, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. Oktober 2021 | 15:45 Uhr

5 Kommentare

Matthi vor 5 Wochen

Der Anbieter Arche NetVision GmbH hat doch gewusst wann der Vertrag für die Frequenzen ausläuft. Hätte er sich nicht mit der Netzagentur einigen können ? Es kann doch nicht sein das in einem Reichen Land wie Deutschland was die halbe Welt rettet es nicht möglich ist ein Flächendeckendes Telefon und Internet Netz für die Bevölkerung zu schaffen. Da muss sich doch keiner wundern über Landflucht wachsende Städte mit zunehmender Wohnungsnot und steigenden Mieten.

tim regenbogen vor 5 Wochen

Echt jetzt? Heul
Deutschland 2021

REXt vor 5 Wochen

Wir retten die Welt u. sind digital ein Entwicklungsland, ein Land in dem wir Gut u. Gerne leben?

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