Beetzendorf Kleinstadthelden: Einem Dorf neues Leben einhauchen

Ein beschaulicher 500-Seelen-Ort in der Altmark in Sachsen-Anhalt. Thomas Glaue kauft hier alte Immobilien, saniert sie und bietet sie günstig zur Miete an. So will er seinen Heimatort attraktiver machen. Damit junge Menschen wie seine Söhne in der Region bleiben und auch die Älteren wieder einen Platz finden.

Ein Mann schaut aus einem Fenster.
Thomas Glaue will Beetzendorf wieder zur "Perle der Altmark" machen. Bildrechte: MDR

Früher gab es im beschaulichen 500-Seelen-Ort Beetzendorf mehr als 60 Handwerksbetriebe und zwölf Kneipen. Heute ist davon nicht mehr viel übrig, erklärt Thomas Glaue: "Es mangelt hier an Leben", sagt der Leiter eines Fachbetriebs für Sanitär und Heizungen. Das will Glaue ändern, damit junge Menschen wie seine Söhne in der Region bleiben und damit die Älteren wie er selbst wieder einen Platz finden, um dörfliche Geselligkeit auszuleben.

In seiner Freizeit rettet er deshalb alte Häuser vor dem Verfall – auch, weil er sich der Altmark so verbunden fühlt: "Ich versuche in der Region ein bisschen was zu bewegen und eventuell versäumte Sachen aufzuholen." Ansporn für Glaues Enthusiasmus sei die Stadt Tangermünde. Zu DDR-Zeiten hat er dort einmal gelebt. Später ist er durch Zufall wieder in Tangermünde gewesen und war begeistert, wie lebenswert der Ort wieder hergerichtet wurde. So etwas wollte er auch. Beetzendorf soll wieder die "Perle der Altmark" werden, so Glaue.

Die Liste seiner bereits abgeschlossenen Projekte kann sich sehen lassen: "Ich habe für Beetzendorf aus dem alten Konsum eine Wohnimmobilie und eine Praxis für Physiotherapie hergerichtet. Aus einer alten Baracke haben wir eine Kegelbahn und einen Saal gebaut mit einer anliegenden Arztpraxis." Außerdem habe er noch ein weiteres Haus gerettet und zur Wohnimmobilie saniert.

Zwei Männer beim Kegeln.
Thomas Glaue und sein Sohn Jonas können inzwischen auf der dorfeigenen Kegelbahn spielen. Bildrechte: MDR

Wir wollten einmal eine Weihnachtsfeier machen und da war es kurz vor Weihnachten gar nicht möglich gewesen, eine Kegelbahn zu buchen, weil die absolut überlastet war. Dann habe ich mir so die Idee in den Kopf gesetzt: Dann machen wir vor Ort selber eine Kegelbahn.

Thomas Glaue

Immobilien kaufen scheint in der Region also kein Problem. Doch woher kommen die Ideen für all die Projekte? "Unterschiedlich", sagt Thomas Glaue. Mal berate er sich mit Menschen aus dem Ort. Meist fehlt ihm aber selbst etwas oder Wege sind einfach zu weit. Ein einfaches Eis bekommt man im Sommer hier nicht, ohne weit zu fahren, verrät er.

Eigenes Elternhaus als Vorbild

Thomas Glaue macht die Projekte aber nicht nur, um Beetzendorf neuen Glanz zu verleihen. Er macht das vor allem für sich und seine Söhne: "Im Endeffekt versuche ich zu leben wie die Alten, die eben immer generationsübergreifend was vorbereitet haben. Ich habe ein gutes Elternhaus gehabt, gute Vorfahren, die haben für mich gearbeitet, und so werde ich auch weiter für meine Kinder arbeiten."

Sein Sohn Jonas findet es zwar gut, dass der Vater so an die Zukunft denke. Das habe allerdings auch dazu geführt, dass man weniger Zeit miteinander verbracht habe: "Mittlerweile bin ich aus dem Alter raus. Aber früher fand ich es schon ein bisschen schade." Inzwischen hilft Jonas seinem Vater tatkräftig bei den Projekten und unterstützt ihn, wo er kann.

Ein Mann arbeitet mit Schlagbohrer.
Neue Balken ziehen, Kabel verlegen oder alte Wände einreißen: Jonas Glaue hilft seinem Vater bei dessen Projekten. Bildrechte: MDR

Ruine als Großprojekt

Das jüngste Projekt von Thomas Glaue ist ein alter, fast verfallener Hof. In diesen Räumen stand das Leben viele Jahre still. "Also Dornröschen war hier sicher eingeschlossen. Hier waren die Brombeeren – man sieht es da hinten am Haus – bis in die Dachrinne mittlerweile reingeraten. Eigentlich konnte man gar nicht wissen, was sich für ein kleines Schätzchen hier verbirgt."

Da habe er sich gedacht, dass es ja so nicht bleiben könne: "Da muss wieder was her nach Beetzendorf und so sind wir bald auf die Idee gekommen, das hier dementsprechend herzurichten." Aus der Ruine soll irgendwann mal eine Pension für Reisende entstehen – mit Restaurant, Eisdiele und einer Grillhütte. Es soll dann Wildfleisch aus der Region geben.

Ein Mann vor einer Backsteinfassade.
Thomas Glaue Bildrechte: MDR

Meistens ist es ein Zufall und auf einmal hängt irgendwo ein Schild dran. Das Objekt hier wollte keiner haben. Dann habe ich gesagt: Okay, dann mache ich das halt.

Thomas Glaue

Doch ganz allein schafft er das nicht. Unterstützung erhält er durch Fördermittel, beispielsweise über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder über Regionalförderungen wie die ALFF (Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten). Außerdem fehlten noch engagierte Mitstreiter, berichtet Glaue: "Mir wäre es ein sehr großer Wunsch, wenn sich jemand finden würde, der hier seine Ideen verwirklicht. Ich bin mehr so der Baumensch und es gibt Leute, die können super kochen."

MDR/Maximilian Fürstenberg,Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. Februar 2021 | 19:00 Uhr

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