Familienbetrieb in Kuhfelde Wegen Corona-Pandemie: Mutter muss ihren Kindern die Jobs kündigen

Es ist eine schwere Entscheidung: Jennever Seitz muss ihre beiden Kinder entlassen, weil es dem Familienbetrieb in Kuhfelde wegen der Corona-Krise schlecht geht. Viele junge Erwachsene müssen sich derzeit umorientieren – und haben Angst vor der Zukunft, wie eine bundesweite Studie zeigt.

Es ist eine schwierige Situation für Familie Seitz aus Kuhfelde im Altmarkkreis Salzwedel. Sie betreibt dort ein Hotel im Familienbetrieb, doch wegen der Corona-Pandemie steht es immer schlechter um das Unternehmen. Die Lage ist so gravierend, dass Mutter Jennever ihren Kindern Andy und Lena kündigen musste.

"Natürlich tut es weh – meine Eltern haben enorme Existenzängste. Ich habe hier meine ganze Kindheit verbracht", sagt die 24-jährige Lena Seitz. Und Mutter Jennever ergänzt: "Man muss die Kinder ziehen lassen, sie sollen ihren Weg gehen. Ich weiß nicht, was hier passiert."

Aktuell arbeiten im Hotel nur noch Jennever Seitz, eine Putzkraft und zwei Auszubildende – vorher waren es neun Personen. Die Hotelchefin hat sich bewusst dafür entschieden, ihren Kindern zu kündigen und die Lehrlinge zu behalten. "Ich habe einen Ausbildungsvertrag unterschrieben – die Lehrlinge sollen ihre Ausbildung hier machen. Wir sind immer ein anerkannter Ausbildungsbetrieb gewesen, und das soll auch weiterhin so bleiben", sagt sie. Die Corona-Hilfen, die das Familienunternehmen bekommen hat, wurden für die Pacht und weitere Fixkosten benötigt. Das Erfreuliche: Ihre Kinder haben bereits neue Jobs in Aussicht. Lena wird voraussichtlich IHK-Prüferin in Berlin und Andy wird Koch in Lüneburg.

Hintergründe und Aktuelles zum Corona-Virus – unser Update

In unserem multimedialen Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird.

Das Corona-Daten-Update – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie das Update abonnieren.

Besonders Andy Seitz macht die Corona-Krise schwer zu schaffen, da er seinen Traumjob als Koch so lange schon nicht ausüben kann. "Corona hat mich zu einem Schlechte-Laune-Menschen gemacht", beginnt er zu erzählen. "Am Anfang war es noch gar nicht so schlimm, aber dann ist es wie eine Depression geworden." Deshalb hat sich der 28-Jährige in psychologische Behandlung begeben, ihm geht es langsam besser.

Viele Jugendliche haben Zukunftsängste

Drei junge Menschen 30 min
Bildrechte: MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt

Mo 08.03.2021 09:11Uhr 29:49 min

https://www.mdr.de/unternehmen/kommunikation/pressevorfuehrraum/saal/video-498508.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Genau diese persönliche Belastungen und Sorgen spiegeln sich auch in der bundesweiten Jugendstudie "JuCo 2" wider, an der über 7.000 junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren teilgenommen haben. Über 45 Prozent der Befragten stimmten der Aussage eher oder voll zu, Angst vor der Zukunft zu haben, weitere 23 Prozent haben zum Teil Zukunftsängste. Ein Grund: Es ist unklar, ob Ausbildungs- und Studienplätze angetreten werden können und wie der Start ins Berufsleben wegen der Pandemie verläuft.

Die Corona-Pandemie hat mir wertvolle Zeit genommen. Mir kommt es so vor, als wäre 2020 ein Jahr der Zeitverschwendung, eine Freistunde in der Schule, bei der nichts getan wird, außer nur auf den Gong zu warten, sodass die Stunde 'endlich' zu Ende geht. Mein letztes Schuljahr kann ich nicht genießen, da viele Mitschüler*innen in Quarantäne müssen und nicht anwesend sind.

Antwort in der Jugendstudie "JuCo 2" eines jungen Erwachsenen

Severine Thomas ist Jugendforscherin, hat an dieser Jugendstudie mitgewirkt und ergänzt: "Die Befragten wurden stark auf ihre Rolle als Schüler, Auszubildende oder Studierende reduziert. Mittlerweile werden erhebliche psychische Belastungen bei ihnen sichtbar. Junge Menschen fühlen sich um wichtige Jahre gebracht."

Hintergrund: Die bundesweite Jugendstudie "JuCo 2"

Die Universitäten Hildesheim und Frankfurt forschen zu der Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Corona-Krise. Im November 2020 gab es mit "JuCo 2" ihre zweite bundesweite Online-Befragung, an der über 7.000 junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren teilgenommen haben. Die Ergebnisse zeigen, wie stark sich die Corona-Krise auf ihren Alltag und die unterschiedlichen Lebensbereiche auswirkt.

Jugendliche und Jobmarkt vs. Corona-Pandemie

FAKT IST!: Studie Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Mitteldeutschland
Wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilt, nimmt die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen während der Corona-Pandemie in Mitteldeutschland zu. Bildrechte: MDR/Bundesagentur für Arbeit

Wie schwer es gerade Jugendliche haben, in der aktuellen Situation in der Berufswelt Fuß zu fassen, zeigt auch die Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen ist in Mitteldeutschland seit vergangenem Jahr um 17,6 Prozent gestiegen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hinterlassen ihre Spuren, wie der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, kommentiert.

So auch die Erfahrung im Hotel der Familie Seitz in Kuhfelde. Jennever Seitz hat Anfragen bekommen, ob Menschen, die sich für die Hotel- und Gastro-Branche interessieren, bei ihr ein Praktikum machen könnten. "Ich hätte schon gerne mehr Personal. Aber es ist momentan einfach nicht nicht machbar, weil die Arbeit einfach nicht da ist. Es ist so schon manchmal schwierig, die Leute zu beschäftigen, weil sie sollen ja auch nicht sinnlos irgendwo rumstehen."

Diskussion über Jugendliche in der Corona-Krise In unserer FAKT IST!-Sendung wird am Montag, 15. März 2021, ab 20:30 Uhr im Livestream und ab 22:10 Uhr im MDR Fernsehen über die Situation der Jugendlichen in der Corona-Krise diskutiert. Das Thema: "Pauken, Party, Pausentaste – wo bleibt die Jugend in der Krise?" Als Gäste sind unter anderem mit dabei: Jugendforscherin Severine Thomas, Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner und der Magdeburger Student Johan Schneidewind.

Mehr zum Thema

Mädchen mit Mundschutz wartet in einer Haltestelle mit Video
Bildrechte: imago images/Bernd Friedel | Grafik MDR
Ein Mädchen mit Schultüte und Corona-Maske 13 min
Bildrechte: imago images / MiS

MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 13.03.2021 18:20Uhr 13:15 min

Audio herunterladen [MP3 | 12,1 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 24,2 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/mdr-thueringen/podcast/corona/podcast-corona-und-dann-pandemie-kinder-psychiater-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Mädchen mit Mundschutz wartet in einer Haltestelle mit Audio
Bildrechte: imago images/Bernd Friedel

MDR/Johanna Daher

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR FAKT IST! | 15. März 2021 | 22:10 Uhr

1 Kommentar

faultier vor 9 Wochen

Tja und so geht er dahin unsere Mittelstand ,die Gastronomie und Hotels wo man gern eingekehrt ist, schöne Stunden verbracht hat die in Zukunft fehlen werden ,alleingelassen und vergessen von einer überforderten und auf Aktionismus bedachten Politik.

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt