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Naturschutzprojekt in SchrampeLivestream ins Eulennest im "KulTurm"

12. Juni 2024, 16:30 Uhr

In Schrampe bei Arendsee wohnt in einem alten Turm ein Eeulenpaar samt Nachwuchs. Die Eulen kann man nun rund um die Uhr in einem Livestream auf YouTube beobachten. Die Nachbarn der Eulenfamilie: Turmfalken und Fledermäuse. Der Turm ist nur einer von 20 und Teil eines Naturschutzprojektes.

Es ist ein bisschen schummrig, aber der Live-Stream zeigt: Familie Schleiereule in Schrampe ist schwer im Fütter-Modus. Zwei plüschige, hungrige Küken reißen die Schnäbel auf und fiepen. Zu sehen sind die Eulen im Livestream über YouTube; zu Hause sind sie in einem ganz besonderen Bauwerk, einem alten backsteinernen Trafoturm in Schrampe bei Arendsee. Den hat die dort ansässige Keramikerin Anna Bölke vor ein paar Jahren gekauft. Andernfalls würde der Turm nicht mehr stehen, vermutet sie: "Ich hab gehört, der soll abgerissen werden, und fand das schade, weil dieses Gebäude für mich auch einen kulturellen Wert hat." Der Turm stamme aus dem Jahr 1919.

Dieses Gebäude hat für mich auch einen kulturellen Wert.

Anna Bölke | Keramikerin in Schrampe

Im KulTurm getroffen: Frank Platte vom Naturerbeverein Vissum (links), Anna Bölke, Keramikerin und Turmbesitzerin (mittig) und Mathias Bölke,  Radtourguide und Lehmofenbauer (rechts). Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Katharina Häckl

Knapp sechs Quadratmeter Grundfläche hat der Turm, den Anna "KulTurm" nennt – kurz für Kultur-Turm. Unten stellt sie eigene Keramik-Arbeiten aus oder gibt befreundeten Künstlern Gelegenheit zur Präsentation. Oben unterm Dach geht's tierisch zu. Die Schleiereulen wohnen nämlich nicht allein im Trafo-Turm. Sie haben Turmfalken als Nachbarn. Außerdem gibt es Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse und ein Insektenhotel, eine Blühwiese nebenan.

Eulen im Livestream: Für Umweltschützer ist der KulTurm in Schrampe ein Prototyp

Sowohl die Live-Kamera als auch die Behausungen für die Tiere haben altmärkische Umweltschützer im KulTurm angebracht. Frank Platte ist im Eulen-Team des Naturerbevereins Vissum. Der Verein betrachte den Schramper KulTurm als Prototyp, sagte Platte MDR SACHSEN-ANHALT. Das Bauwerk bezöge seinen Strom aus einer Solaranlage auf dem Dach. Es gebe kein WLAN, und doch hätte man es geschafft, den Eulen-Livesream einzurichten. Das sei schon "ein sehr cooles Gesamtkonzept".

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Solche Bemühungen werden in Mitteldeutschland mittlerweile großzügig gefördert. In Sachsen-Anhalt gibt die landeseigene Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, kurz SUNK, Geld für derlei Projekte. Die Schramper Schleiereulen allerdings, die werden auch aus dem Ausland beobachtet, sagt Frank Platte vom Naturerbeverein augenzwinkernd. Sie seien mit einem Ring markiert und eingebunden in Forschungsprojekte.

Das ist jetzt nur ein Turm von über 20. Das macht echt 'ne Menge Arbeit, weil die müssen gepflegt werden, müssen gereinigt werden.

Frank Platte | im Eulen-Team des Naturerbevereins Vissum

"Dadurch leisten wir auch einen echt wichtigen Beitrag für den Naturschutz in der Region", sagt Platte. Das Projekt sei sehr umfangreich und der Turm in Schrampe nur einer von mehr als 20: "Das macht auch echt 'ne Menge Arbeit, weil die müssen gepflegt werden, müssen gereinigt werden." Zweimal jährlich müssten in jedem der Türme Arbeiten erledigt werden.

Naturschutz, Geschichtsbewusstsein und aktuelle Kunst

Das Projekt nahm seinen Anfang vor neun Jahren. Damals wurde ein Schleiereulenpaar aus dem Tiergehege Waldshut-Tiengen im Trafohaus im altmärkischen Dorf Vissum ausgewildert. Ein Jahr später wurden dort die ersten zwei Schleiereulen ausgebrütet. Ihr Wiederansiedlungsprojekt bewerten die Vissumer als einen ihrer größten Erfolge.

Dass Naturschutz, Geschichtsbewusstsein und aktuelle Kunst in der Altmark gut zusammenpassen, beweist das Schramper Beispiel. Die Keramikerin Anna Bölke plant ihre neue Ausstellung im KulTurm für September. Dann ist der alte Trafo-Turm Anlaufstelle für Liebhaber von Töpferware und Naturerbe. Wer es bis dahin nicht aushält, geht online – und guckt den Schramper Schleiereulen live unter die Bettdecke.

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MDR (Katharina Häckl, Alisa Sonntag)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 08. Juni 2024 | 14:45 Uhr

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