Raubgräberstücke aus Mittelamerika Maya-Schatz in Klötze gefunden

Ein Kriminalfall aus Klötze im Altmarkkreis Salzwedel findet ein Ende: Im vergangenen November hatte die Polizei im Keller eines Bauernhauses historische Raubgräberstücke aus Mittelamerika gefunden. Der Mann, der sie 2007 dort vergraben hatte, hat sich selbst bei der Polizei angezeigt. Ende Mai sollen die insgesamt 13 Artefakte an Mexiko und Guatemala zurückgegeben werden.

Ton-Figur im Schneidersitz mit einer Schale auf dem Kopf vor weißem Hintergrund
Diese Keramik und zwölf weitere Raubgräberstücke wurden in einem Keller in Salzwedel gefunden. Bildrechte: LKA Sachsen-Anhalt

In Klötze im Altmarkkreis Salzwedel hat die Polizei 13 historische Raubgräberstücke aus Mittelamerika gefunden. Ein Teil davon wurde am Dienstag in der Magdeburger Staatskanzlei vorgestellt.

Die Artefakte waren über mehrere Jahre im Keller eines Bauernhauses versteckt und sollen nun an Mexiko und Guatemala zurückgegeben werden. Zuerst hatte die "Magdeburger Volksstimme" über den Fund berichtet.

Kulturschutzbehörde: Seltener Fall

Ein zylinderförmiger Becher aus Ton mit Verzierungen auf dunklem Untergrund vor weißem Hintergrund
Dieser verzierte Becher aus Ton und zwölf weitere historische Artefakte wurden in Klötze gefunden. Bildrechte: LKA Sachsen-Anhalt

Felix Meister von der Kulturgutschutzbehörde Sachsen-Anhalts sprach angesichts des Alters und der Herkunft der Funde von einem seltenen Fall. Meister sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Land sei kein großer Kunsthandelsstandort: "Es ist auch nicht so viel altes Geld im Land, also eine Sammlerstruktur, die sich im bundesweiten Vergleich einen Namen gemacht hätte."

Die 13 Artefakte waren nach der Selbstanzeige eines Mannes entdeckt worden. Er soll die rund 1.500 Jahre alten Fundstücke vor etwa 15 Jahren in einem Bauernhaus in Klötze vergraben haben. Der Wert wird auf 100.000 Euro geschätzt.

Nach den Worten Meisters musste für die Schätzung eine externe Expertise herangezogen werden, da die landeseigenen Fachleute nur auf Funde aus Mitteleuropa spezialisiert sind. Man habe aber das Glück gehabt, einen der deutschlandweit führenden Experten für Maya-Kunst zu gewinnen. Professor Nikolai Grube aus Bonn sei eigens nach Stendal gereist und habe bei der Staatsanwaltschaft die Echtheit der Funde bestätigt.

Tonfiguren und Geschirr aus Mexiko und Guatemala

eine Schale aus rotem Ton mit schwarzen Verzierungen auf dunklem Untergrund vor weißem Hintergrund, daneben ein Messstab
Dieser Teller sowie die anderen Raubgräberstücke sollen an Mexiko und Guatemala übergeben werden. Bildrechte: LKA Sachsen-Anhalt

Die verzierten Artefakte, darunter Tonfiguren und buntes Geschirr, sollen nun zurück nach Mexiko und Guatemala gebracht werden. Meister sprach von "fantastischen figürlichen Darstellungen". Dabei hob er ein Tongefäß hervor, das skulpturale Verzierungen ringsherum aufweist.

Nach der Expertise von Professor Grube sei das eine Seerosen-Gottheit. Die Maya hätten spezielle Assoziationen zur Fruchtbarkeit und zum Leben gehabt und das figürlich zum Ausdruck gebracht: "Dort gab es eine Seerosen-Gottheit, etwas, das uns dann doch eher fernliegt."

Ermittlungen eingestellt

Der Mann, der die Raubgräberstücke und die Waffen in Klötze vergraben hatte, muss dem Bericht der Volksstimme zufolge nicht mit juristischen Konsequenzen rechnen. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen wegen des Waffendeliktes eingestellt, da dieses inzwischen verjährt ist. Auch wegen Verstoßes gegen das Kulturgutschutzgesetz werde nicht ermittelt, da dieses Gesetz zur Tatzeit noch nicht existierte.

MDR/Jens Keller, Fabienne von der Eltz, Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Mai 2021 | 07:00 Uhr

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