Erster Sud ist angesetzt Neues Leben für lange Bierbrau-Tradition in Gardelegen

Studio Stendal  Susann Meier
Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

In der Hansestadt Gardelegen endet vor knapp zehn Jahren die über 700 Jahre währende Tradition des Bierbrauens. Damals ging die Garley-Brauerei in die Insolvenz. Bier aus Gardelegen war seit dem Geschichte. Doch nun gibt es eine neue Brauerei am Stadtrand – und der erste Sud im nagelneuen Brauhaus wurde auch schon angesetzt.

Mehrere Gläser und Flaschen Bier stehen auf einer Anrichte.
Das ist neu: In Gardelegen wird wieder Bier gebraut. Bildrechte: MDR/Susann Meier

Die Brüder Lars und Jens Vogel sind ins Biergeschäft eingestiegen. "Wir sind in Gardelegen aufgewachsen. Da gehörte Garley-Bier immer zum Alltag und wir haben uns gedacht, dass diese 700 Jahre alte Tradition des Bierbrauens nicht einfach verschwinden sollte", sagt Lars Vogel. Also besuchten die Brüder eine Brauerei in Tangermünde, informierten sich über das Braugeschäft und kamen auf die Idee, dort ein Bier nach ihrem Geschmack brauen zu lassen. "Die Eigenkreation haben wir dann beim Hansefest 2019 ausgeschenkt, und das Bier kam bei den Kunden an."  Damit sei dann klar gewesen, dass es auch in Gardelegen wieder Bier geben soll.

Start mit kleinen Verzögerungen

Die Brüder gründeten also die Gardelegener Braugesellschaft und fingen an, konkrete Pläne zu machen. Räume mussten gefunden werden, die Finanzierung geklärt und natürlich ein Brauer und Mälzer. Gut ein Jahr verging, bis alles geklärt war und der Bau der Anlage beginnen konnte. Eigentlich sollte es schon im November losgehen, doch daraus wurde wegen technischer Schwierigkeiten nichts.

Ein Mann steht mit Mund-Nasen-Schutz in einer Brauerei und gestikuliert vor einigen Tanks.
Lars Vogel ist stolz auf die nagelneue Anlage, die am Stadtrand von Gardelegen entstanden ist. Bildrechte: MDR/Susann Meier

Erst gab es Probleme beim Bau, dann war ein Bauteil für die Brau-Anlage defekt und musste aus Schweden geliefert werden. "Im Nachhinein betrachtet eigentlich ein Glücksfall, denn wegen Corona sind ja alle Gaststätten geschlossen. Wir wären unser Bier dort nicht losgeworden", sagt Lars Vogel.

Er ist optimistisch und hofft, dass mit dem Frühjahr die Gastronomie wieder durchstarten darf. Passend dazu sei dann Mitte oder Ende April das neue Bier "Made in Gardelegen" bereit. "Unser Bier wird natürlich nach dem Reinheitsgebot gebraut, ganz ohne Zusätze", so Vogel. Das Bier wird auch direkt im neuen Brauhaus, in das die Brüder 350.000 Euro investiert haben, verkauft. Aktuell sei ein Pils in Arbeit und weitere Sorten sollen folgen. Es ist also gesichert, dass es in Gardelegen weiter eine Bier- und Brautradition geben wird.

Tradition begann schon im 14. Jahrhundert

Die begann schon im Jahr 1314. Damals gab es aus den Händen von Markgraf Waldemar von Brandenburg das Malzrecht und damit die Lizenz für die Gardelegener, Bier zu brauen – die Marke "Garley" war geboren. "In fast jedem Hauskeller wurde damals Bier gebraut und den Hopfen dafür auch hier angebaut", sagt der geschichtskundige Gardelegener Stadtführer Rupert Kaiser. Im Jahr 1400 bekommen drei Hopfenranken sogar einen Platz im Stadtwappen.

Ein Mann steht an einem Tank in einer Brauerei. 2 min
Bildrechte: MDR/Susann Meier

In Gardelegen endete vor knapp zehn Jahren die über 700 Jahre alte Tradition des Bierbrauens. Bier aus Gardelegen war seit dem Geschichte. Nun gibt es eine neue Brauerei am Stadtrand. Susann Meier berichtet.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 11.03.2021 17:30Uhr 01:39 min

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250 Brauhäuser gibt es kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg. Sogar Zar Peter der Große findet Gefallen am Bier aus Gardelegen, als er 1698 hier Station macht. Er nimmt zwei Brauer mit nach Russland. Um 1900 allerdings ist es mit der Vielzahl an Brauereien vorbei. "Die kleinen Kellerbrauer konnten mit dem technischen Fortschritt nicht mithalten. Nur vier Brauereien blieben konkurrenzfähig", sagt Kaiser.

Warum das Bier nicht den bekannten Namen trägt

Ein Mann steht an einem Tank in einer Brauerei.
Steffen Kleiner ist Brauer und Mälzer und damit für den Geschmack und die Qualität des neuen Bieres aus Gardelegen zuständig. Bildrechte: MDR/Susann Meier

Am Ende blieb nur die Brauerei der Gebrüder Hasse in der Sandstraße als Alleinproduzent von Garley-Bier. Nach der Verstaatlichung zu DDR-Zeiten wird der VEB Garley Bräu nach der Wende wieder privatisiert und wechselt mehrmals die Besitzer. Die ließen Garley-Bier dann in einer anderen Brauerei produzieren – und meldeten 2012 Insolvenz an. "Zur Insolvenzmasse, die verkauft wurde,  gehörte auch der Markenname 'Garley' und darum heißt unser Bier nicht so", sagt Lars Vogel von der Gardelegener Braugesellschaft.

Doch ganz nach alter Tradition werde es das neue Bier aus der Hansestadt auch in 0,33 Liter-Flaschen geben. Demnächst soll es in der neuen Brauerei einen Tag der offenen Tür geben und auch Führungen wollen die Gebrüder Vogel anbieten, wenn das neue Biergeschäft in Gardelegen läuft.

MDR/Susann Meier, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. März 2021 | 17:30 Uhr

1 Kommentar

faultier vor 20 Wochen

Bin gespannt als alter Biertrinker.

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