Mehr als 70 Ehrenamtliche Naturerbeverein Vissum: Von Naturschutz bis Festival

Eine blonde Frau mit Brille
Bildrechte: Carina Emig

In Vissum im Altmarkkreis-Salzwedel kümmert sich der Naturerbeverein um Lebensräume für Tiere, pflanzt Bäume und baut zum Beispiel Tierhotels am Arendsee. Außerdem hilft er beim nachhaltigen Festival "Forst Jump" und organisieren ein Eulen-Fernsehen für Vogelfreunde.

Menschen pflanzen einen Baum
Die Vereinsmitglieder von Naturerbe Vissum e.V. haben bereits hunderte Obstbäume rund um Arendsee gepflanzt. Bildrechte: Ulf Müller

Der Teich auf dem Kassuhner Dorfplatz liegt zwar noch im Winterschlaf, doch Ulf Müller und seine Mitstreiter können kaum erwarten, dass die seltenen Kammolche und Laubfrösche darin erwachen. Die Naturschützer wollen dem Kleinbiotop dann einen Frühjahrsputz verpassen.

"Naturschutz funktioniert nicht nur im Großen, sondern auch in Klein- und Kleinstbiotopen, die jeder in seinem Garten schaffen kann. Wir wollen den Altmärkern und ihren Gästen hier zeigen, wie das ganz einfach geht", sagt Ulf Müller, der Vereinsvorsitzende von "Naturerbe Vissum e.V." Mit Wildhecke, Insektenhotel, Teich und Steinhaufen ist der Kassuhner Dorfplatz eines der vielen Vorzeigeobjekte der Naturschützer und beliebtes Ausflugsziel in der warmen Jahreszeit.

Vissum For Future

Naturerbeverein Vissum
Vereinstreffen stehen neben den vielen Naturschutz-Aktionen ebenfalls auf dem Programm. Bildrechte: Ulf Müller

Mehr als 70 Ehrenamtliche aus kleinen Dörfern rund um den Arendsee leben den Naturschutz. Sie haben sich als "Naturerbeverein Vissum" 2009 zusammengefunden und seither unzählige Klein- und Kleinstbiotope angelegt sowie zahlreiche Großprojekte umgesetzt. Als Vereinshaus dient ein Bauwagen mitten im Wald, die Naturschützer arbeiten mit einem lokalen Musikfestival zusammen und streamen Eulen-Fernsehen. Alles Gründe, warum der innovativ organisierte Verein großen Zulauf hat und rund um Arendsee eine echte Instanz geworden ist.

Tierhotels am Arendsee

Rund um Arendsee konnten die Vissumer Naturschützer leerstehende Trafotürme in artenreiche Lebensräume verwandeln. So sind inzwischen mehr als 20 Tierhotels entstanden, in die Schleiereulen, Turmfalken und Fledermäuse eingezogen sind. Sämtliche Trafohäuschen sind bewohnt. Das zeigt sich unter anderem daran, dass Eulen und Falken reichlich Nachwuchs zeugen. Den wiederum können sich Naturfreunde weltweit über eine Webcam ansehen, die im Trafoturm Liesten installiert ist. Die Live-Übertragung ist beim vereinseigenen Eulen-Fernseh-Kanal zu finden. Finanziert werden die Tierhotels mit Hilfe der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt und aus Spenden der Region.

Kinder und Jugendliche lernen Naturschutz

Ein Mann mit einer Urkunde
Ulf Müller erhielt mit dem Verein bereits zahlreiche Urkunden und Preise. Bildrechte: Frank Platte

Seit Vereinsgründung haben die Vissumer viele Hundert Obstbäume gepflanzt. So entstanden mehrere Alleen und Streuobstwiesen, welche nun einen besonderen Lebensraum für viele verschiedene Arten bieten. Darunter auch zahlreiche Tiere und Pflanzen, die auf der "Roten Liste" stehen. Nisthilfen und Insektenhotels bauen die Vereinsmitglieder oft gemeinsam mit Schulklassen und zeigen so schon Kindern und Jugendlichen, wie Naturschutz geht.

Zudem haben sie das Eisvogelprojekt "phoca" ins Leben gerufen. Stetig errichten sie weitere Storchennester und pflegen feuchte Grünflächen, um die altmärkische Storchenpopulation weiter zu stärken. Für dieses außergewöhnliche Engagement gab es zahlreiche Auszeichnung und Preise.

Festival in der Altmark

Menschen im Sommer an einem Springbrunnen
Die Mitglieder des Naturerbe-Vereins unterstützen auch ein Festival. Bildrechte: Malte Schmidt

Mit ihrem Know-how unterstützen die Vissumer Naturerbe-Vereinsmitglieder nicht nur Fridays For Future, sondern auch das altmärkische Musik-Event "Forest Jump". Das familiäre Festival mit rund 1.300 Gästen findet jedes Jahr im August in einem Wäldchen nahe Prezier statt. Das Besondere daran: Es handelt sich um ein nachhaltiges Festival. Auch deswegen haben die Festival-Macher gemeinsam mit den Vissumer Naturschützern vor dem Gelände zahlreiche Kleinbiotope errichtet.

Für die kommende Festivalsaison ist Eulen-Fernsehen zum Entspannen geplant. Das heißt, die Festivalbesucher können in der Chill-Out-Area brütenden Eulen per Livestream zugucken.

Ausflugsziel Naturlehrpfad

Der Naturlehrpfand nahe Kassuhn war eines der ersten Naturschutz-Projekte des Vereins und gilt heute bei Radtouristen, Familien und Naturliebhabern als beliebtes Ausflugsziel. Fuchsbau, Totholzecke, Steinmauer, Wildhecke, Schälchenstein: Schautafeln erklären die verschiedenen Kleinbiotope.

Karte Naturlehrpfand
Eine Schautafel am Naturlehrpfad-Startpunkt in Kassuhn informiert über wichtige Stationen. Bildrechte: Ulf Müller

Die Wanderung führt unter anderem zum Beobachtungsturm mit Blick auf den See des Naturerbevereins. Früher befand sich davor ein Bahndamm, den der Verein mühevoll renaturiert hat, das heißt Bahngleise rausgerissen, dafür Wildhecken gepflanzt und das Gelände der Natur zurückgegeben. Seltene Tierarten wie Schwarzstörche, Seeadler, Große Wiesel, Iltisse, Fischotter und Neuntöter sind seither an den Natursee zurückgekehrt.

MDR (Carina Emig)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Januar 2022 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Zwei Frauen stehen an einem See. 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Sachsen-Anhalt