Medizinskandal im Altmarkklinikum Das Ende eines OP-Skandals in der Altmark

Schon 2012 hat Exakt über mutmaßlich unnötige Operationen im Altmark-Klinikum in Gardelegen berichtet. Trotz der erheblichen Vorwürfe hat es kaum juristische Konsequenzen gegeben. Die Geschädigten fühlen sich im Stich gelassen.

OP-Skandal Altmark-Klinik
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Uwe Focke ist auf dem Weg ins Gericht. Ihm steht ein langer Verhandlungstag bevor, der auch mit körperlichen Beschwerden einhergehen wird. Lange sitzen kann er nicht mehr so gut, seit der Operation vor neun Jahren. Damals wurde ihm von einem Arzt im Altmark-Klinikum ein Rückenleiden diagnostiziert. Die OP sollte sein Leiden verringern.

„Erhebliche ärztliche Fehler“

Uwe Focke kann bis heute nicht arbeiten. Seine Schmerzen sind nur mit Tabletten erträglich.

Ein Gutachter in seinem Prozess fällt ein vernichtendes Urteil gegen den Arzt, der ihn damals operierte: Er habe erhebliche ärztliche Fehler begangen, keine seriöse Diagnose gestellt und Uwe Focke zudem auf der falschen Seite operiert.

Focke wüsste wohl heute nichts von der fehlerhaften Operation, wenn andere Ärzte des Altmark-Klinikums im Jahr 2012 nicht vor den Eingriffen des Operateurs gewarnt hätten. Exakt berichtete in jenem Jahr erstmals darüber. Die Klinik reagierte damals mit arbeitsrechtlichen Schritten und kündigte dem kritischen Chefarzt Bernd Falkenberg. Erst als dieser an die Öffentlichkeit ging, gab es Konsequenzen.

"Was lange dauert…"

Doch die ließen lange auf sich warten. Zwar musste das Altmark-Klinikum 2013 rund eine Million Euro Schadensersatz für die Operationen an die Krankenkasse zahlen, strafrechtlich hatte der Fall allerdings kaum Folgen. Mit dem Tod von Bernd Falkenberg fiel ein wichtiger Zeuge weg und ein gegen den Operateur gerichtetes Ermittlungsverfahren endete nach acht Jahren gegen die Zahlung von 45.000 Euro.

Uwe Bittner, Anwalt
Uwe Bittner, Anwalt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für Falkenbergs Anwalt, Uwe Bitter ist das ernüchternd: "Im Grunde ist es das, was vielen Patienten, die im Krankenhaus verletzt worden sind, erleiden müssen. Das sind wahnsinnig lange Verfahren, mit einem Ausgang, der in keinster Weise befriedigen kann, weil der Arzt wirtschaftlich in der Lage ist, sich hervorragende Rechtsanwälte und Gutachter zu leisten. So dauert ein Verfahren dann so lange. Und was lange dauert, wird nicht gut, sondern für die Angeklagten billig."

Der Operateur selbst lebt mittlerweile in der Schweiz. Gegenüber Exakt wollte er sich nicht äußern. Sein Anwalt teilt aber schriftlich mit, die Einstellung des Verfahrens sei „die Bestätigung des Rechtsstaates der vollen Unschuldsvermutung“. Uwe Focke kann nach all der Zeit jedenfalls endlich abschließen. Auch wenn das Gericht am Ende einen Vergleich vorschlägt, bedeutet das doch ein Ende der andauernden Verhandlungen.

Fockes Lebensgefährtin Margarete Schulz ist erleichtert: „Endlich ein Ende. Mehr kann man nicht sagen, nach fast neun Jahren.“

Quelle: MDR Exakt

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Exakt Mi 14.04.2021 20:15Uhr 29:59 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 15. April 2021 | 20:15 Uhr

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