Tote Vögel entlang der Dumme Rätsel um tote Jungstörche in der Altmark

Ein Mann mittleren Alters und mit kurzem Haar schaut in die Kamera
Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Das Gebiet rund um das Flüsschen Dumme ist mit seinen saftigen Wiesen eigentlich ein Storchenparadies. Doch im vergangenen Jahr sind alle Jungstörche entlang der Dumme unter unerklärlichen Umständen zu Tode gekommen. Bisher kann über die Ursachen nur spekuliert werden.

Nahaufnahme Schrift, da steht: 1 Ei rausgeworfen, Jungstorch tot, 1 Ei nicht geschlüpft
Im vergangenen Jahr sind alle Jungstörche im Gebiet rund um die Dumme gestorben. Die Ursache ist unklar. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Thomas Koberstein fährt über eine kleine Brücke und hält auf der anderen Seite des Flusslaufs. Das Ufer der Dumme ist saftig grün. Die angrenzenden Wiesen sind groß und feucht. "Das sind hier perfekte Bedingungen für Weißstörche", erzählt Koberstein MDR SACHSEN-ANHALT. Der Salzwedeler ist ehrenamtlicher Storchenbetreuer der Altmark – und einem Mysterium auf der Spur.

Grauhaariger Mann mit Brille vor einem Gartenzaun
Thomas Koberstein kennt jeden Storch in der Altmark. Zusammen mit drei anderen ehrenamtlichen Storchenbetreuern teilt er sich das riesige Gebiet auf. Er ist für 26 Nester zuständig. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Die Dumme fließt über knapp 30 Kilometer von Neuekrug nach Salzwedel. In ihrem Einzugsgebiet liegen mehrere Örtchen mit Storchennest. Und obwohl sie sich über ein recht großes Gebiet verteilen und es kaum Berührungspunkte gibt, sind alle Jungstörche dieser Gemeinden im Jahr 2020 zur selben Zeit ohne äußere Einwirkung ums Leben gekommen. Für Koberstein kann das kein Zufall sein.

Störche brüten auf einer Kirche

Thomas Koberstein setzt sich wieder in sein Auto und fährt weiter Richtung Tylsen. Wenige Minuten später erreicht er das pittoreske Dörfchen mit seinen Fachwerkhäusern und zwei Schlossruinen. Den besten Blick über das Dorf haben Max und Emma. Die beiden Störche brüten gerade auf drei Eiern hoch oben auf dem Giebel der Kirche. Auch sie hatten im letzten Jahr ihr einziges Küken nach acht Tagen verloren.

Holzlatten mit kleiner Schrift und ein Roll-up mit Infos über Störche in einem steinernen Raum
Im Storchenkabinett ist die Brut von Max und Emma genau dokumentiert. 2020 ist auch ihr Junges im Einzugsgebiet der Dumme gestorben. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Am Fuß des Kirchturms wurde in einem kleinen Raum ein Storchenkabinett eingerichtet. Hier können Besucher auf einem Bildschirm verfolgen, was sich drei Stockwerke höher abspielt. Hans-Jürgen Meiburg betreut das Storchenkabinett, es waren Besucher, die ihn auf die Tragödie aufmerksam gemacht hatten. "Vormittags als ich das Storchenkabinett aufgemacht habe, war er noch in Ordnung und am Nachmittag war er dann tot. Aber ohne Fremdeinwirkung, ohne alles", erzählt Hans-Jürgen Meiburg.

Spekulationen über Seuchen und Gift

Thomas Koberstein betritt mit Hans-Jürgen Meiburg das Storchenkabinett und schaut auf den Bildschirm. Die Störchin sitzt im Nest, nach ein paar Minuten schon kommt der Storch. Beim Wechseln geben sie den Blick auf die Eier frei. "Wir sind frohen Mutes, dass das dieses Jahr wieder gelingt", erzählt Koberstein.

Fernsehbildschirm zeigt zwei Storchen im Nest
Auf dem Bildschirm im Storchenkabinett kann man die beiden Störche aus der Nähe betrachten. Etwa alle 15 Minuten stehen sie auf, um sich kurz die Beine zu vertreten. Dann kann man einen Blick auf die Eier erhaschen. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Koberstein hofft, dass sich die Katastrophe vom letzten Jahr nicht wiederholt. Spekulationen über die Ursachen gibt es viele. Jeder Ort entwickelt eigene Vermutungen. Manche glauben an eine Seuche, andere an Gift, das von Bauern gegen eine Mäuseplage ausgelegt wurde. Solchen Spekulationen möchte sich Koberstein nicht hingeben. "Da bin ich weit davon entfernt, die zu unterstützen, weil die Beweiskraft einfach nicht vorhanden ist", erzählt Koberstein.

Wissenschaft soll das Rätsel lösen

Sollte es dieses Jahr wieder zu sogenannten Ausfällen kommen, möchte Koberstein einen der Jungvögel bergen. Dann soll er von einer Klinik oder einer Hochschule untersucht werden. Nur so kann seiner Meinung nach die Ursache für die rätselhaften Tode gefunden werden. Im letzten Jahr war es nicht gelungen an die betroffenen Jungstörche zu gelangen. Manche Nester waren unerreichbar und wenn die Störche die Kadaver aus dem Nest geworfen hatten, waren sie schon von Aasfressern geholt.

Kirchengebäude mit Ziegeldach und Backsteintürmchen
Der Horst befindet sich direkt über den Glocken, aber das Geläut scheint die Störche nicht zu stören. Bildrechte: MDR/Alexander Kühne

Derweil hat sich Storch Max auf die Eier gesetzt und zupft nun hier und da ein paar Zweige und Stöcke zurecht, dabei fällt ein Ast aufs Kirchendach. Am Nest ist immer etwas zu tun. "Vor allem, wenn man wie er zwei linke Flügel hat", lacht Thomas Koberstein. Beim Anblick des werdenden Storchenpapas glaubt er fest an ein Happy End, "daran, dass alle Störche, die schlüpfen, auch flügge werden und in Afrika von der Altmark berichten können."

MDR/Alexander Kühne, Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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