Schlechtes Brutjahr Wiesenweihe: Wie ein seltener Greifvogel in der Altmark geschützt wird

Die seltene Wiesenweihe lebt in der Altmark. Für die Vögel ist es ein schwieriges Jahr. Wegen knappem Futter gab es weniger Nachwuchs. Aber Menschen in der Region kümmern sich, darunter eine Landwirtin in Valfitz.

Brauner Vogel sitzt auf einer Hand
Die Wiesenweihe ist selten. Einige Tiere leben in der Altmark. Bildrechte: René Fonger/BUND Salzwedel

Die Altmark ist eines der wichtigsten Refugien für einen selten gewordenen Greifvogel: die Wiesenweihe. Das Dorf Valfitz bei Salzwedel ist dabei ein "Hotspot", hat die Naturschutzorganisation BUND herausgefunden. In Valfitz zeigt sich kommunales wie privates Engagement, um die Wiesenweihe zu schützen.

Jedes Jahr im Frühling machen sich Mitarbeiter des Kreis-Umweltamtes und von Naturschutzorganisationen auf in die Region. Mit Akribie, Sachverstand und Ruhe beobachten sie den Flug der erwachsenen Wiesenweihen über den Feldern. An den Stellen, an denen die Vögel immer wieder gen Boden stürzen, finden die Fachleute dann meist auch Nester.

Wiesenweihen sind Bodenbrüter und bevorzugen Getreidefelder. Zum Beispiel die von Christiane Löppenberg. Die 71-Jährige ist Bio-Landwirtin im Nebenbetrieb und hat in diesem Jahr Weizen angebaut. Das Feld, das sich auch mehrere Wiesenweihen-Pärchen für die Brut ausgesucht haben, ist von der Terrasse auf dem alten Bauernhof aus gut zu sehen.

Weniger Ernte für besseren Schutz

Die Fachleute aus dem Umweltamt hatten im Frühsommer die Gelege auf dem Löppenbergschen Acker mit einem Drahtgeflecht eingezäunt. So sollen der Fuchs und andere Raubtiere daran gehindert werden, die Nester der Wiesenweihe zu plündern. Christiane Löppenberg ließ rund um diese eingezäunten Gelege ihren Bio-Weizen stehen, der Mähdrescher machte einen großen Bogen um die Stellen. Die dichten Ähren hindern Füchse "und anderes Raubzeug" zusätzlich, wie Christiane Löppenberg sagt, am Räubern in den Wiesenweihen-Nestern.

Steckbrief: Die Wiesenweihe

Die Wiesenweihe lebt ursprünglich in ausgedehnten Feuchtgebieten, Mooren und Heidelandschaften. Heute kommt sie auch in landwirtschaftlichen Gebieten vor. Die Vögel ernähren sich von Kleinsäugern, Jungvögeln, Eidechsen und Insekten. Als Langstreckenzieher verbringt die Wiesenweihe den Winter südlich der Sahara. In Deutschland gibt es nur rund 450 Brutpaare. Damit gilt die Art hierzulande als stark gefährdet.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Finanziell macht die Bio-Landwirtin damit keinen Verlust: Der Wert des aus Naturschutzgründen nicht verwertbaren Getreides wird vom Staat ersetzt. Das sei, sagt Christiane Löppenberg, sicher noch nicht bekannt genug. Sonst würden sich noch mehr Landwirte für die Wiesenweihe und andere Bodenbrüter einsetzen. Der Arbeitsaufwand mit den landwirtschaftlichen Maschinen sei jedoch tatsächlich etwas höher, als wenn man das gesamte Feld abernten würde.

Im Sommer wurden die Jungvögel in den Nestern beringt. Für Christiane Löppenberg ein beeindruckendes Erlebnis.

Ich hatte die kleinen Vögel auch in der Hand. Man sieht noch den Flaum hervorluken. Die Kleinen sind so zart; ich hatte regelrecht Angst, sie zu zerbrechen. Sie wiegen ja auch nur 200 bis 250 Gramm.

Christiane Löppenberg

Mittlerweile sind die in diesem Jahr geschlüpften Wiesenweihen flügge. In den ersten Wochen suchen sie noch die Nester auf. Deshalb bleibt der Weizen auf Christiane Löppenbergs Feldern rund um die Gelege noch stehen. Die 71-Jährige ist fasziniert von den seltenen Tieren. Obwohl sie 1950 auf ihrem Hof in Valfitz geboren wurde und bis zur Flucht der Familie in den Westen Deutschlands 1960 jeden Tag in der Natur unterwegs war: Wiesenweihen kannte sie bislang nicht.

Weniger Junge in diesem Jahr

In diesem Jahr, konstatiert der BUND in der westlichen Altmark, sind nicht so viele Wiesenweihen geboren worden. In den Nestern, in denen sonst vier bis fünf Küken hocken, fanden sich oft nur zwei, und die, so Johanna Mayrberger vom BUND, wären auch noch langsamer gewachsen als üblich. Ein Grund dafür ist nach Einschätzung der Naturschützer, dass es in diesem Jahr weniger Mäuse gibt. Die sind die Hauptspeise der Wiesenweihen. Die Greifvögel fressen aber auch kleine andere Vögel oder Würmer.

Christiane Löppenberg jedenfalls hofft, im kommenden Jahr wieder Wiesenweihen auf ihren Feldern begrüßen zu können. Sie ist überzeugt davon, dass der Bio-Anbau wegen der fehlenden Pestizide den Vögeln gut tut.

In wenigen Wochen starten die Wiesenweihen – nicht nur aus der Altmark – in ihr Winterquartier. Ziel ist die Sahelzone in Afrika.

MDR/Katharina Häckl, Julia Heundorf, Lucas Riemer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. September 2021 | 09:30 Uhr

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