Zahnärztestipendium Salzwedel will angehende Zahnärzte nach Ungarn zum Studieren schicken

Der Altmarkkreis Salzwedel will einem Zahnärztemangel entgegengewirken. Zusammen mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung bringt der Landkreis ein Stipendium auf den Weg. Mit dem Stipendium wird auf Schülerinnen und Schülern abgezielt, die kein perfektes Abitur haben.

Patientin mit geöffnetem Mund während einer Zahnuntersuchung
Künftig müssen sich wohl immer mehr Patienten einen neuen Zahnarzt suchen, weil ihrer in Rente geht und keinen Nachfolger findet. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Bereits vor zwei Jahren hat der Altmarkkreis Salzwedel ein Stipendium für Humanmediziner eingeführt. Zwei angehende Mediziner oder Medizinerinnen sollen damit jährlich gefördert werden. Jetzt folgt ein Stipendium für künftige Zahnmediziner. Studentinnen und Studenten soll ein zahnmedizinisches Studium an der Universität Pécs in Ungarn ermöglicht werden.

Kreistag unterstützt Ungarn-Stipendium

Der Salzwedeler Kreistag unterstützt das Vorhaben der Verwaltung, wie in der Sitzung am Montag deutlich wurde. Die Frage nach einer Zwei-Klassen-Medizin wies Landrat Michael Ziche (CDU) allerdings ab. "Jeder, der in der DDR großgeworden ist, weiß, dass viele Zahnmediziner in Ungarn studiert haben. Ich kenne da sogar namhafte Leute, die das gemacht haben und die gute Zahnärzte sind."

Initiative gegen Zahnärztemangel

Mittelfristig laufe man im Altmarkkreis in einen Zahnärztemangel, sagte der Verwaltungschef. Schon jetzt seien 20 Hausarztstellen nicht besetzt. "Es gibt viele talentierte und ambitionierte junge Menschen, die bereits in nur fünf Jahren dabei helfen können, unsere lückenhafter werdende zahnmedizinische Versorgung zur reparieren", sagt Jochen Schmidt, der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV).

KVZ und Kreis übernehmen Teil der Kosten

Das Stipendium, das im Übrigen im Zahnarztsektor landesweit ein Pilotprojekt ist, wird sowohl durch die KZV als auch den Altmarkkreis finanziert. Die KZV übernimmt die Studiengebühren von rund 80.000 Euro im ungarischen Pécs. Der Altmarkreis steuert einen monatlichen Zuschuss in Höhe von 800 Euro für die Studenten bei. Die Absolventen müssen sich bereiterklären, sich nach dem Studium im Altmarkkreis Salzwedel niederzulassen.

Mangel an Studienplätzen in Sachsen-Anhalt

Für Landrat Ziche ist das Auslandsstipendium eine Reaktion auf die aktuelle Situation. "Die Alternative ist, dass in Deutschland genügend Studienplätze geschaffen werden", sagt er. Dies werde in Sachsen-Anhalt allerdings aus Kostengründen abgelehnt.

Perfektes Abitur wird nicht vorausgesetzt

Die Stipendiaten müssten kein Einser-Abitur haben, wie der Altmarkkreis Salzwedel mitteilt, allerdings müssen Bewerber mindestens einen Abi-Schnitt von 2,6 haben. Darüber hinaus müssen sie in der Sekundarstufe II die naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Chemie und Physik belegt haben. 

MDR (dk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 23. Februar 2022 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

hilflos vor 24 Wochen

Das ist eine tolle Idee, entsprechend könnte man die Zuwendungen für die deutschen Universitäten kürzen. Ich denke, dass die rein rechnerisch ausreichend Ärzte ausbilden.
Unser Staat hat sich ja bereits stark gemacht, um für das Allgemeinwohl in die Rechte der Bürger einzugreifen. Wieso werden die Universitätsabsolventen nicht für 5Jahre an einen festgelegten Ort verpflichtet?

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