Spürhund in der Altmark Mit Aika auf Suche nach der Afrikanischen Schweinepest

Alexander Klos, MDR-Reporter im Studio Stendal
Bildrechte: MDR/Felix Moniac

Eine Jägerin aus der Altmark sorgt sich vor der Afrikanischen Schweinepest. Deshalb hat sie in Brandenburg einen Hund dazu abrichten lassen, das Virus zu erschnüffeln. Der Landkreis Stendal unterstützt das Vorhaben.

Spürhund Afrikanische Schweinepest
Aika ist trainiert worden, die Afrikanische Schweinepest zu erkennen. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Sarah Olitzsch ist Jägerin aus der Altmark, eine junge Frau mit Leidenschaft für die Natur, die Hege und Pflege. Mit Sorge beobachtet sie die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg und Sachsen. Doch was tun?

Aus eigenem Antrieb gegen die Schweinepest

Die Spürnase ihrer Hündin einsetzen! Mit der Ausbildung und dem Training ist die junge Frau eine der ersten in Sachsen-Anhalt, die Spürhunde einsatzfähig gemacht hat – und das vor allem aus eigenem Antrieb. In ihrem Revier zeigt sie, wie sie mit ihrer Hündin zu Übungszwecken auf die Suche nach der Afrikanischen Schweinepest geht.

Eine Jägerin hält auf einem Hochstand ein Gewehr
Sandra Olitzsch will etwas gegen die Afrikanische Schweinepest tun. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Suche beginnt mit dem Kommando "Kuschi!"

Eine Geruchsspur aus einem Glas reicht bereits. Und schon kann sie beginnen, die Suche nach dem Kadaver. Den hat Sarah Olitzsch im Stendaler Stadtforst versteckt. Ein paar Borsten und ein bisschen Haut eines erlegten Tieres sind in dem Glas enthalten. Der Spur soll nun der Spürhund folgen. Hündin Aika hört aufs Wort – und das lautet "Kuschi". Und schon führt Aika aufgeregt zum Ziel.

Unser Kommando lautet: 'Wo ist die Kuschi?' Kuschi ist ein Wort, das wir nicht im Alltag gebrauchen. Aber für sie ist das der Begriff, um zu wissen: Jetzt müssen wir einen Kadaver suchen.

Sarah Olitzsch Jägerin

Was hier in dieser Übung wie ein Spiel aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Das Schwarzwild wird von einem tödlichen Virus, der Afrikanischen Schweinepest, bedroht.

Kadaver gefunden? Leckerlies als Belohnung!

Kadaver zu finden, darauf wurde Aika trainiert. Als Lohn bekommt sie Leckerlies und Streicheleinheiten, damit die Hündin merkt: Das hat sie gut gemacht. Doch was passiert, wenn das Gespann oder auch andere Menschen ein totes Wildschwein in der Natur finden?

Wildschweinkadaver
Der Kadaver wird entsorgt, der Fundort desinfiziert. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

"Es ist meistens so, dass wir den Landkreis direkt anrufen, oder das Bergeteam. Die bekommen dann von uns den Punkt mitgeteilt, per Whatsapp oder Google Maps. Die rücken dann eigentlich immer umgehend aus, bringen einen Leichensack mit. Da stecken sie dann den Kadaver rein und nehmen dann noch eine Probe von dem Stück. Und der Platz, wo das verendete Tier gelegen hat, wird dann noch desinfiziert und mit Löschkalk ausgestreut", so Olitzsch. Und dann wird der Kadaver in die Verbrennungsanlage gebracht.

Aika soll als Vorbild dienen

Olitzsch hat sich und ihren Hund aus Eigeninitiative in Brandenburg ausbilden lassen und die Prüfung dort bestanden. Im Landkreis Stendal begrüßt Landrat Patrick Puhlmann (SPD) die Initiative der 25-Jährigen. Ihr Beispiel soll nun als Vorbild für weitere Hundeführer gelten.

Der Landkreis Stendal hat einen Ausbilder aus Brandenburg engagiert und mit der Jägerschaft im Landkreis potentielle Hundeführer gefunden.

Patrick Puhlmann Landrat Stendal
Patrick Puhlmann
Stendals Landrat Patrick Puhlmann Bildrechte: dpa

Die sollen bald auf Eignung untersucht werden, sagt Puhlmann. Geprüft werde dann mit der Prüfungsordnung des Landes Brandenburg. Damit gebe es gute Erfahrungen. "Eine eigene Prüfungsordnung hat das Land Sachsen-Anhalt noch nicht", bedauert der Landrat.

Schon mehrere Fälle in Brandenburg

Im Landkreis Stendal soll die Kreisstraßenmeisterei die erste Eingreiftruppe sein. Wichtige Elemente im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest wurden geübt. Dazu zählt beispielsweise der Bau eines Zaunes, sodass sich weitere Tiere nicht im Gebiet erkrankter Tiere infizieren können. Aber auch der Abtransport und das Desinfizieren einer Fundstelle seien bereits im Landkreis Stendal trainiert worden, zumal das Land Brandenburg, in dem es mehrere Fälle gegeben hat, an den Elb-Havel-Winkel östlich der Elbe und somit direkt an den Landkreis Stendal grenzt.

Leidenschaft für die Jagd ist mehr, als Tiere zu töten

Schnelles Handeln soll im Fall eines Fundes die weitere Ausbreitung vermeiden. Und da seien eben neben Drohnen und Wärmebildkameras Spürhunde essenziell bei der Suche von verendeten Tieren, erklärt die Jägerin. Das Gespann Sarah und Aika ist jedenfalls für den Ernstfall bereit. Die Ausbildung gemacht zu haben, hänge vor allem mit der Leidenschaft für die Jagd zusammen, denn die bringe auch Verantwortung mit sich, sagt die 25-Jährige. So hofft die junge Jägerin, dass das Virus noch lange außer Sichtweite bleibt.

Spürhund Afrikanische Schweinepest
Nach getaner Arbeit gehen Sandra Olitzsch und Aika nach Hause. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

"Viele denken immer, Jagd ist nur das Töten der Tiere. Das ist aber nur der kleinste Teil. Ich habe ganz viel Freude daran, draußen zu sein in der Natur, mit meinen Hunden, und dort Hege zu betreiben." Mit 16 Jahren hat die Tochter eines Jägers ihren Jagdschein gemacht – und geht nun auch beruflich neue Wege, die mit ihrer Passion zu tun haben: als Mitarbeiterin im Landesjagdverband Sachsen-Anhalt.

Mehr zum Thema "Afrikanische Schweinepest in Sachsen-Anhalt"

MDR (Alexander Klos, Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 28. Januar 2022 | 14:10 Uhr

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