Streit um Autobahnbau Protest gegen A14: Autobahngegner besetzen Bäume in der Altmark

Ein Mann steht in einem Garten
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Es ist ein letztes Aufbäumen gegen den Weiterbau der A14 im Landkreis Stendal. Seit einer Woche protestiert ein gutes Dutzend Aktivisten im Losser Forst bei Seehausen. In dem Kiefernwald haben sie Bäume besetzt. Bei einem ähnlichen Protest in der Nähe von Köln hatten Baumbesetzer verhindert, dass mit dem Hambacher Forst ein wertvolles Biotop einem Tagebau weichen musste.

In einem Wald wurde ein Camp aufgeschlagen
Bildrechte: MDR/Marc Fischer

In der Nähe von Seehausen in der Altmark protestieren Umweltaktivisten gegen den Weiterbau der A14 in Richtung Norden. Sie haben einen Kiefernwald bei Losse besetzt. Seit einer Woche halten sie sich dort auf, wo künftig die Autobahntrasse entlangführen wird. Mit professioneller Kletterausrüstung sind sie bestückt und haben mittlerweile drei Plateaus rund acht, neun Meter hoch in die Bäume gebaut, auf denen sie campieren. Sie stammen nicht aus der Region und haben nach Aussage von Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler) gewisse Erfahrung mit dieser Form des Protestes.

Bürgermeister: Protestierende sind "linke Ideologen"

"Das sind Profis", sagt der Bürgermeister. Er hält die Protestierenden weniger für Leute, denen es um die Natur geht, als um "linke Ideologen". "Man muss sich nur angucken, was die im Internet verbreiten", sagt er. Die Autobahn sei nur vorgeschoben. Er könne verstehen, wenn jemand eine andere Meinung habe. Aber in Sachen Autobahn sei ein rechtsstaatliches Planungsverfahren abgelaufen. Der Verbandsgemeinderat Seehausen habe selbst gegen die Autobahn geklagt. Am Ende müsse man das Ergebnis aber anerkennen.

Mitte März war eine Klage gegen den Bauabschnitt Osterburg bis Seehausen Nord eingereicht worden – vom Verein Naturfreunde Sachsen-Anhalt. Für den Rest der künftig 70 Kilometer langen Autobahn im Landkreis Stendal liegt mittlerweile Baurecht vor.

In einem Wald wurde ein Camp aufgeschlagen
Bildrechte: MDR/Marc Fischer

Aktivist: Autobahn steht Verkehrswende Weg

Nach der Klage kamen nun die Aktivisten, um ein Zeichen zu setzen, wie sie selber sagen. "Der Bau der Autobahn steht einer Verkehrswende sozialökonomisch im Weg, weil diese Autobahn einerseits sehr viele Flächen versiegelt, und gleichzeitig wird damit noch mehr als zuvor der motorisierte Individualverkehr priorisiert", sagt ein junger Aktivist, der sich nur Sascha nennt. Die Frauen und Männer behalten ihre Identität lieber für sich, sie sind auch vermummt.

Mehrheit in der Altmark für die Autobahn

Auch der Landtagsabgeordnete Chris Schulenburg (CDU) hat sich im Wald vor Ort umgesehen. Er sagt: "Dass man für ein besseres Klima demonstriert, ist ja richtig, aber hier geht es darum, dass es eine demokratische Entscheidung für die Autobahn gibt. Die Mehrheit will diese Autobahn." Man müsse nicht einen Privatwald besetzen, um seinen Protest auszudrücken, so Schulenburg.

Polizei Feuerwehr und Ordnungsamt registrieren Verstöße

Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth hat sich am Donnerstag mit der Feuerwehrleitung im Wald umgesehen. Die erhöhte Waldbrandgefahr sei derzeit das größte Problem. Der Brunnen befinde sich erst in zwei Kilometern Entfernung in der Ortslage Losse. Es sei auch eine Angelegenheit des Waldbesitzers, einzuschreiten und die Aktion zu unterbinden. "Da befinden wir uns im Privatrecht", so der Bürgermeister. Vorsorglich haben sich der Bürgermeister und auch die Polizei sowie die Ordnungsämter in Seehausen und vom Landkreis in dieser Woche ausgetauscht und "eine Reihe an Verstößen verifiziert" – nicht zuletzt auch gegen Coronaschutz-Auflagen.

Lange könne das nicht geduldet werden, sagt Kloth. "Die Bevölkerung versteht das nicht. Wir ziehen alle Register in Sachen Corona und dann lassen wir so etwas durchgehen." Allerdings brauchen die Aktivisten auch einen sehr langen Atem. "Das wird sicherlich noch zwei Jahre dauern, bis hier der erste Baum gefällt wird", so Kloth weiter. Aber er kenne auch das Durchhaltevermögen von Protestlern. Er habe jahrelang in Gorleben gearbeitet, dort wo der Atommüll gelagert wurde. 

Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT, Bernd-Volker Brahms, Janine Wohlfahrt

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. April 2021 | 19:00 Uhr

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