Projekt Altmark-Dörfer sollen über Abholstationen versorgt werden

Geschlossene Geschäfte, keine Apotheke und eine zunehmend ältere Bevölkerung: In vielen ländlichen Regionen in Sachsen-Anhalts führt diese Mischung zu Versorgungsproblemen. Im Rahmen eines Projekts haben Osterburg und Seehausen im Landkreis Stendal nun eine Lösung entwickelt. Per App sollen alle möglichen Dinge bestellt und an Abholstationen geliefert werden. Zusätzliche Wege sollen nicht entstehen – dafür bestehende Routen verknüpft werden.

Symbolbild: Ein Mann bedient eine Abholstation 4 min
Bildrechte: dpa

Die Einheitsgemeinde Osterburg und die Verbandsgemeinde Seehausen/Altmark wollen ein neues Netzwerk zur Versorgung der Dorfbevölkerung gründen. Somit sollen künftig ohne Extra-Aufwand auch ältere und wenig mobile Menschen in Regionen ohne Geschäfte mit Dingen des täglichen Bedarfs beliefert werden können. Das Projekt wird gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Harz entwickelt.

Wenn der Pflegedienst die Getränke bringt

Seehausen in der Altmark: Innenstadt
Liefert der Pizza-Dienst bis ins Dorf, könnte er auch andere Waren mitnehmen. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Im Zentrum der Idee steht eine App, mit der beispielsweise Lebensmittel oder Medikamente bestellt werden können. Parallel sollen Abholstationen auf den Dörfern entstehen, die dann beliefert werden. Dies geschieht den Plänen zufolge über die Kombination bestehender Routen. Seehausens Wirtschaftsfördererin Lisa Weigelt erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, denkbar sei, dass Lieferwagen von Bäckern und Fleischern auf ihren festen Touren über Land andere Waren an Bord nähmen, wie Getränke oder andere Bestellungen. Auch Physiotherapeuten auf Hausbesuch, Pflegedienste, Apotheken-Kuriere und Busse kommen dafür in Frage.

Wir haben auch mit den Apotheken Kontakt gehabt, die die Medikamente auf die Dörfer bringen. Die haben unterschiedlich reagiert, zum Teil aber sehr begeistert. Die auch sagten: Wir haben feste Tourenpläne und können genau sagen, an dem und dem Tag fahren wir in die Himmelsrichtung raus und können die und die Orte gleich noch mit dazu nehmen.

Lisa Weigelt, Wirtschaftsfördererin der Verbandsgemeinde Seehausen

Einem künftigen System aus Abholstationen, die per App beliefert werden, stehe aber noch die Scheu vor allem der älteren Menschen vor der modernen Technik im Wege, so Seehausens Wirtschaftsfördererin. Sie hoffe für die nahe Zukunft auf Helfer in den kleinen Orten, die den älteren Bewohnern zeigen, wie eine App zu handhaben ist. Spätere Generationen hätten mit Apps wiederum weniger Probleme.

Projekt könnte in fünf Jahren Wirklichkeit werden

Insgesamt soll das neue Netzwerk auf alle 80 Ortsteile von Seehausen und Osterburg ausgedehnt werden. So könnte die Versorgung von etwa 10.000 Menschen verbessert werden. Bis zum vollständigen Betrieb dauere es aber noch fünf bis zehn Jahre, so die Initiatoren. Derzeit laufen noch die letzten Befragungen potentieller Lieferanten und Anbieter. Zwar gebe es einzelne Unternehmer, die eine Beteiligung ablehnten. Die große Mehrzahl aber erkläre sich bereit mitzuwirken.

Gebäude und Bushaltestelle
Der "Konsum" existiert etwa in Schönberg bei Seehausen nur noch auf dem Schild. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Hintergrund zum Projekt Ende Januar erhielten Osterburg und Seehausen vom Bundeslandwirtschaftsministerium den Zuwendungsbescheid für das Projekt zur Erforschung neuer Formen der mobilen Nahversorgung in ländlichen Regionen Sachsen-Anhalts (MONA LiSA). Es soll herausfinden, inwieweit Waren des täglichen Bedarfs von bestehenden mobilen Dienstleistern in ländliche Regionen geliefert werden können. Eine Bedarfsanalyse soll stattfinden, eine Bestell-App sowie ein Bezahl-System entwickelt werden. Das Projekt startete am 1. März 2021. Es sind Gesamtkosten von 36.000 Euro veranschlagt, dafür erhalten Seehausen und Osterburg 80 Prozent Förderung vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Quelle: Hansestadt Osterburg (Altmark)

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MDR/Katharina Häckl, André Plaul

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. September 2021 | 08:10 Uhr

4 Kommentare

Matthi vor 2 Tagen

Danke für den Tipp, ich habe das schon gelesen. Ich finde es aber schon bedenklich wenn die Gesellschaftlichen Probleme das Ehrenamt lösen soll. Da macht es sich Frau Lisa Weigelt, Wirtschaftsfördererin der Verbandsgemeinde Seehausen ein bisschen einfach. Sie weiß wohl nicht das Pflegedienste so durchgetaktet sind das für Zusatzdienste keine Zeit ist. Die andere Frage ist können sich die Rentner die Mehrausgaben mit ihrer mickrigen Rente Leisten ich persönlich bezweifle das Pflegedienste oder Lieferanten umsonst arbeiten.

MDR-Team vor 2 Tagen

Schau mal, das ist in diesem Absatz erklärt:
"Einem künftigen System aus Abholstationen, die per App beliefert werden, stehe aber noch die Scheu vor allem der älteren Menschen vor der modernen Technik im Wege, so Seehausens Wirtschaftsfördererin. Sie hoffe für die nahe Zukunft auf Helfer in den kleinen Orten, die den älteren Bewohnern zeigen, wie eine App zu handhaben ist. Spätere Generationen hätten mit Apps wiederum weniger Probleme."
Liebe Grüße

Matthi vor 3 Tagen

Das ist zwar alles gut und schön mit den Abholstationen und Bestellungen mit App aber wir sprechen von älteren Leuten. Nicht jeder hat ein Smartphone oder kennt sich damit aus. Was ist mit diesen Menschen fallen die durch den Rost ?

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