Alternatives Reisen Im Schulbus nach Portugal und Spanien

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Das Reisen im Wohnmobil ist in Corona-Zeiten immer beliebter geworden. Einen ganz ungewöhnlichen Wohnwagen schafft sich gerade Marcus Hopfe aus Neuermark-Lübars im Landkreis Stendal an. Der 28-Jährige baut einen amerikanischen Schulbus um. Er möchte damit alternatives Reisen propagieren und dies auch mit dem Bus als Plattform in den sozialen Medien befeuern.

Marcus Hopfe aus Neuermark-Lübars im Landkreis Stendal mit  seinem 40 Jahre alten us-amerikanischen Schulbus.
Marcus Hopfe will einen US-amerikanischen Schulbus in ein Wohnmobil verwandeln. Acht Betten und eine Küche sollen eingebaut werden. Bildrechte: Bernd-Volker Brahms

Vor einem Monat hat sich Marcus Hopfe den gelben Bus in Hamburg gekauft. Dieser war dort einige Jahre als Partybus unterwegs – und hat mittlerweile rund eine Million Milen (1,6 Millionen Kilometer) auf dem Tacho. Als er den Tachostand gesehen hatte, habe er etwas schlucken müssen, gibt er zu. 32.000 habe dort gestanden. Schlagartig sei ihm klargeworden, dass die 6-Ziffern-Anzeige längst die null ein zweites Mal passiert hatte. Er schlug beim Kauf trotzdem zu, auch weil ihm ein Freund versicherte: "So ein Lkw-Motor schafft auch noch einmal eine Million Meilen."

Mittlerweile steht der Bus in einer Werkstatt in Polkau bei Osterburg. "Wir haben den Bus Innen komplett leergeräumt", sagt der IT-Administrator. Wo sich bislang noch Pool-Dance-Stangen und eine Bar befanden, sollen nun auf zwei Etagen insgesamt acht Betten und eine Küche eingebaut werden.

Ein Bus, der auffällt

Zu früheren Zeiten sind in dem Bus bis zu 60 Schulkinder transportiert worden, schätzt Hopfe ein. Wo genau in Amerika der Bus gefahren ist, weiß er gar nicht. "Das bekomme ich hoffentlich noch raus", sagt er. Was aber klar ist: Wer mit dem Bus unterwegs ist, der fällt auf. "Das ist auch der Zweck", sagt Hopfe. Für ihn ist der Umbau des Busses von einer fixen Idee zu einem Projekt gereift. Der 28-Jährige möchte das alternative Reisen unterstützen. "Es ist so ein Van-Life-Ding", sagt der IT-Spezialist, der sein Büro gerade erst von Leipzig zurück in seine Heimat im Elb-Havel-Winkel verlegt hat.

Marcus Hopfe aus Neuermark-Lübars im Landkreis Stendal mit  seinem 40 Jahre alten us-amerikanischen Schulbus.
Ein "Van-Life-Ding": IT-Spezialist Marcus Hopfe möchte mit dem Ausbau des Busses das alternative Reisen unterstützen. Bildrechte: Bernd-Volker Brahms

Crowdfunding-Kampagne für den Umbau

Die ganze Corona-Situation hat ihn letztlich auch zu dieser Idee geführt. Einerseits ist er zurück in seiner naturbelassenen Heimat, anderseits hatte er aber nun auch Zeit für ein solches Projekt, das er "One Million Miles" nennt und entsprechend in den Sozialen Medien bewirbt. Interessierte können die Umwandlung des Busses verfolgen und durch ein Crowd-Funding-Projekt auch dazu beitragen, dass Marcus Hopfe die erforderlichen rund 35.000 Euro für den Umbau zusammen bekommt. "Die großzügigsten Unterstützer dürfen bei der ersten Fahrt dabei sein", sagt Hopfe.

Mit dem Bus soll eine schönere Alternative zu Flug und Hotel geschaffen werden

Marcus Hopfe

Er möchte die Leute in die Natur rausziehen und das Augenmerk auf Nachhaltigkeit lenken. Leute sollen sich später den Bus mieten können oder er wird selbst Reisen begleiten. Man benötigt dafür immerhin einen Lkw-Führerschein. Hopfe kann sich vorstellen, dass Fahrten nach Spanien oder Portugal unternommen werden, wo dann ein Surfurlaub mit Müllsammelaktionen am Strand verbunden werden. "Das soll dann über die Sozialen Medien propagiert werden", sagt er.

"Es ist ein Community-Projekt", sagt der Computer-Experte. Er hat bereits einige Unterstützer, die beim Umbau und der Vermarktung helfen. "Es ist aber nichts Kommerzielles", betont Hopfe. Es habe einen Spaßfaktor mit einem bewussten Hintergrund für Nachhaltigkeit.

Marcus Hopfe aus Neuermark-Lübars im Landkreis Stendal mit  seinem 40 Jahre alten us-amerikanischen Schulbus.
Noch ist der Bus leer. Für den Ausbau sucht Hopfe noch Menschen, die ihn unterstützen wollen. Bildrechte: Bernd-Volker Brahms

Nachhaltigkeit im Fokus

Dass es einen gewissen Widerspruch mit einem 40 Jahre alten Bus gibt, der mehr als 1,6 Millionen Kilometer runter hat und rund 30 Liter Diesel auf 100 Kilometer frisst, gibt Marcus Hopfe gerne zu. "Aber genau deswegen haben wir ja auch insgesamt acht Betten im Bus." Der CO2-Faktor ist damit ähnlich, wie wenn zwei Leute mit einem Pkw reisen. Bei der Busausstattung soll auf Nachhaltigkeit gesetzt werden. Zum einen soll die Elektrik für Kühlschrank und andere Geräte über Solarenergie laufen. Andererseits möchte er auch mit Anbietern von ökologisch wertvollen Produkten zusammenarbeiten. "Das geht doch schon beim Kaffee los", sagt er.

Herausforderung für den Kfz-Meister

Bis es wirklich losgehen kann, wartet noch viel Arbeit. Beim Umbau wird er unterstützt vom KfZ-Meister Alexander Zeidler aus Polkau. Für ihn ist es eine große Herausforderung, gerade weil es ein amerikanisches und noch dazu ein 40 Jahre altes Fahrzeug ist. "Es ist nicht einfach Schaltpläne und auch Teile dafür zu bekommen", sagt Zeidler. Dass sie am Ende das Fahrzeug durch den TÜV bekommen, da sind sich der KfZ-Meister und auch der Besitzer sicher.

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Über den Autor: Bernd-Volker Brahms wurde in Leer/Ostfriesland geboren und hat in Göttingen Deutsch und Geschichte studiert. Er hat 18 Jahre lang für verschiedene Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Er ist politischer Reporter mit Leidenschaft. Brahms arbeitet im MDR-Regionalstudio Stendal.

Quelle: MDR/ Bernd-Volker Brahms, Moritz Arand

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. Mai 2021 | 13:40 Uhr

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