Laute Musik in Fußgängerzone Stadt Stendal verhängt Bußgeld gegen Straßenmusiker

Weil sich Anwohner gestört fühlen, soll ein Straßenmusiker in Stendal ein Bußgeld wegen ruhestörenden Lärms zahlen. Das Bußgeld beträgt laut Stadtverwaltung 53,50 Euro. Mehrere Anwohner hätten sich regelmäßig über den Mann beschwert. Der dreifache Familienvater hat nun einen Anwalt eingeschaltet.

Blick in die Innenstadt mit Fußgängerzone in Stendal
Ein Straßenmusiker in Stendal hat durch seinen von Gitarrenmusik unterstützten Gesang die Anwohner gegen sich aufgebracht. Jetzt soll er ein Bußgeld zahlen. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Die Stadt Stendal geht mit einem Bußgeldbescheid gegen einen stadtbekannten Straßenmusiker vor. Wie die Stadtverwaltung MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, soll dieser 53,50 Euro wegen "ruhestörenden Lärms" zahlen. Mehrere Anwohner in der Fußgängerzone beschweren sich demnach regelmäßig. Sie fühlten sich von der Musik des 30 Jahre alten Musikers gestört. Das Bußgeldverfahren sei bereits abgeschlossen worden, teilte ein Stadtsprecher auf Anfrage mit. Mehr wolle er zu dem Verfahren nicht sagen, da es sich um ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen eine Privatperson handele.

Singen, Schreien und eine Gitarre waren wohl zu laut

Bei dem jetzt geahndeten Fall gegen den Straßenmusiker handelt es sich nach MDR-Informationen um einen Vorgang vom 8. September 2021. An diesem Tag soll der Musiker von 9:35 Uhr bis 12:15 Uhr und dann noch einmal von 13 bis 15 Uhr in der Breiten Straße musiziert haben. Die Ordnungsamtsmitarbeiter stellten dabei "andauerndes und sehr lautes Spielen auf der Gitarre sowie Singen/Schreien" fest. Im Bußgeldbescheid dazu heißt es, der Lärm sei geeignet, die Nachbarschaft "erheblich" zu stören.

#MDRklärt Diese Regeln gelten für Straßenmusiker in Dresden, Magdeburg, Erfurt und Co.

Sich auf die Straße stellen und losmusizieren: So einfach haben es Straßenmusiker nicht. Wenn sie keine Ausnahmegenehmigung beantragen wollen, müssen sie viele Regeln beachten. Und die unterscheiden sich je nach Stadt.

Dresden: Spielerlaubnis wird immer benötigt, nur in einem festgelegten Bereich, zwischen 9:30 Uhr und 22:00 Uhr, immer zur vollen oder halben Stunde, Apr. – Okt.: nur einmal am Tag am gleichen Platz, Nov. – März zweimal am Tag am gleichen Platz
Bildrechte: MDRklärt/pixabay
Dresden: Spielerlaubnis wird immer benötigt, nur in einem festgelegten Bereich, zwischen 9:30 Uhr und 22:00 Uhr, immer zur vollen oder halben Stunde, Apr. – Okt.: nur einmal am Tag am gleichen Platz, Nov. – März zweimal am Tag am gleichen Platz
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Erfurt: 20 Minuten (ohne Verstärker), danach mindestens 200 Meter weit weg, unhörbar zum letzten Standort
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Halle: 30 min, dann 50 Meter weiter, keinen Platz zweimal am Tag
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Leipzig: 30 Minuten (ohne Verstärker)
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Jena: maximal zwei Musikanten/Gruppen gleichzeitig im Innenstadtbereich, nur die erste halbe Stunde einer vollen Stunde, danach Ortswechsel, die Musik darf am alten Standort nicht zu hören sein, kein Verstärker
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. Oktober 2021 | 14:00 Uhr

Quelle: MDR/Max Schörm
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Musiker: "Es bereitet den Menschen Freude"

"Die stören sich mehr an meiner Musik als an dem andauernden Baulärm", sagt Straßenmusiker David Banik. Der dreifache Familienvater hat einen Anwalt eingeschaltet. Er will sich nicht verdrängen lassen, zumal die Nutzungssatzung für die Fußgängerzone ihm dies gewähre: "Ich werde in Zukunft weiterspielen. Und das einfach auch, weil es mir Freude bereitet. Und weil es auch den Menschen Freude bereitet. Ich merke das ja, sonst würde ich das ja auch nicht machen."

Keine Mehrheit für regelmäßigen Standortwechsel

Auf Initiative der CDU-Fraktion im Stadtrat war vor einiger Zeit über eine Satzungsänderung diskutiert worden. Straßenmusiker sollten zum regelmäßigen Wechsel des Standortes veranlasst werden. Der Vorschlag wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt.

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Mi 12.07.2017 10:55Uhr 00:41 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-radio/video-crepes-sucette100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

MDR/Bernd-Volker Brahms, Thomas Tasler, Susanne Ahrens

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. Oktober 2021 | 14:00 Uhr

12 Kommentare

Stephanausderben vor 6 Wochen

Und da ist er schon, der ebenfalls betroffene Berufsmusiker, der über 3 Jahre wegen seiner kleinen EU-Rente auch in Stendal mit seiner Posaune Straßenmusik machte, bis sich jemand beschwerte und dem Ordnungsamt einfiel, dass man nur ohne Verstärkerbox spielen darf. Dabei ist es logisch, dass ein Soloinstrument mit Band oder Orchester nur in "Konserve" auftreten kann. Nun- ich spiele seitdem nicht mehr in der Fußgängerzone. Andernorts bin ich gern gesehen und herzlich willkommen, jedoch stimmt es mich traurig, dass meines Erachtens weit über 70 % meine Musik gut fanden, ca. 25 % es egal war und höchstens 5 % aus irgendwelchen Gründen jeden Straßenmusiker, sei er noch so gut, einfühlsam und vielseitig, als "Prellbock" gerade richtig kommt.
Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin auch nicht dafür, dass Musiker, oder die , die sich dafür halten, stundenlang an der gleichen Stelle ohne Rücksicht auf die Anwohner sich in der Fußgängerzone verlustieren, wie auch immer.

Saxe vor 6 Wochen

@Anni22: Die Menschen scheinen sich aber immer mehr wegen Kleinigkeiten aufzuregen. Wenn man an einer Fußgängerzone wohnt, sollte man auch mit den Fußgängerzonen typischen Geräuschen klar kommen. Gegen Baulärm kannman nichts unternehemn, Staubsaugen mit höchster Leistung in der Wohnung muss ja offensichtlich auch sein: Da kann man seinen Unmut ja mal an einem Strassenmusiker auslassen.
Ok, die Beschwerdeführer mögen im Recht sein. Ich persl. finde das ziemlich spiessig.

Paule vor 6 Wochen

@Ralf Richter: für die Einen ist Picasso Kunst, für die Anderen Müll. Für die Einen ist Schlager Rotz, für die Anderen das beste auf der Welt und genau deshalb lässt sich über Geschmack NICHT streiten! Nur weil es Ihnen nicht gefällt heißt es nicht, dass es keinen künstlerischen oder kulturellen Wert hat! Nur nebenbei…. Ich bin Berufs-Musiker! Wer sagt Ihnen, dass es nicht ein Berufsmusiker ist, der im Moment eben coronabedingt keine Möglichkeiten hat um seinen Beruf auszuüben? Wir waren die Ersten, die ihre selbstständige Arbeit nicht mehr ausüben durften und wir werden die letzten sein, die wieder Ihrer geregelte und selbstständige Arbeit ausüben dürfen. Ich kenne viele Band-Musiker, die völlig unverschuldet nach wie vor keine Möglichkeit haben zu arbeiten.

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